Auf dem Gelände des Gleisdreiecks bündelten sich einst die Schienenstränge des Anhalter und Potsdamer Personen- und Güterbahnhofs zu einer „Eisernen Landschaft“ . Nach Stilllegung der Bahnhöfe wandelte sich das Areal zu einem innerstädtischen Biotop, geprägt von den Relikten ehemaliger Bahnanlagen. Die Eigenart dieses innerstädtischen Landschaftstyps muss bewahrt werden und jedwede Planung sich von ihr inspirieren lassen. Der natürliche Prozess der Selbstwerdung einer Parklandschaft soll primäres Gestaltungselement bleiben. Kostenaufwendige Umgestaltungen sollen vermieden werden. Zonen, in denen sich Natur regeneriert, sollen geschützt und als Naturerlebnisräume ausgewiesen werden. Neugestaltungen sollten sich auf Flächen begrenzen, die sich nicht von selber renaturieren.
Das Faszinierende der ehemaligen Gleislandschaft liegt nicht nur in den Relikten des vergangenen, sondern auch im Reiz des noch vorhandenen unter, auf und über dem Gelände schwebenden Bahnbetriebs. Diese Elemente vergangener und lebendiger Bahngeschichte sind, in Ergänzung zum Deutschen Technikmuseum, mit in Szene zu setzen bei der Gestaltung der offenen Parklandschaft „Gleisdreieck“.
Durch einen aktiven Bürgerbeteiligungsprozess sollen Ideen zum Ausgleich innerstädtischer Erholungsdefizite entwickelt, in Projekte umgesetzt und als bürgerbetreute Freizeitinseln in den Naturpark „Gleisdreieck“ integriert werden. Ziel: Ein Bürgerpark im Natur- und Industriepark. Nach Öffnung des Geländes haben Bürger und Initiativen erste Projektideen für Defizitausgleiche eingereicht und ihre Bereitschaft zur Übernahme von Patenschaften zur Umsetzung und Betreuung ihrer Projekte erklärt, z.B.: Eine Bewegungsbaustelle als Kinder-, Spiel- und Lernprojekt, Schulgärten, Naturlehrpfade, Hundeausläufe ohne Zäune, nachbarschaftlich betriebene Kräuterecken und interkulturelle Gärten nach dem Vorbild der „Community Gardens“ in New York . In der Einbindung der Ideen von Einzelbürgern, Familien, Schulklassen, Migrantengruppen, Nachbarschaften, Vereinen u.ä. in ein breit gestreutes Netz kleiner Patenschaften sieht die AG und Parkgenossenschaft Gleisdreieck eine Basis für einen nachhaltigen Aufbau eines Natur- und Bürgerparks „Gleisdreieck“. Dieser Einbindungsprozess muss bereits im Planungsstadium beginnen.
Innerhalb des Nord-Süd-Zuges hat das Gleisdreiecksareal eine stadtökologisch unverzichtbare Funktion als Biotopverbindung und Frischluftschneise. Der Erhalt dieser Funktion muss Priorität gegenüber Bebauungen auf den Baufeldern „Flottwellpromenade“ und „Yorckdreieck“ haben. Deshalb wurden auf dem Potsdamer Güterbahnhof Ausgleichsflächen für die Potsdamer Platzbebauung ausgewiesen und im Flächennutzungsplan festgelegt.
Als Grüntangente Die Möglichkeit eines grünen Nord-Süd-Zuges mit Wegverbindungen vom Spandauer Schifffahrtskanal über den Tiergarten, Tilla Durieux- und Henriette Herz-Park zum Gleisdreieck und über den Flaschenhals zum Schöneberger Südgelände und zum südlichen Stadtrand ist als städtebauliche Figur noch erkennbar. Die Wegführung zum Parkzentrum „Gleisdreieck“ sollen sich an den noch erkennbaren Bezügen orientieren. Eine Brückenverbindung vom Parkband an der Flottwellpromenade nach Norden zum Tilla Durieux Park muss hergestellt werden. Zugänge nach Süden über die Yorckbrücken zum Flaschenhals und zum ehemaligen Bahngelände an der Bautzener Straße müssen erhalten bleiben und gesichert werden. Eine Vernetzung mit dem Viktoriapark sollte gesucht werden. Durch Ost-West-Querungen Über mehr als 120 Jahre war die „eiserne Landschaft“ nicht nur Motor der industriellen Entwicklung, sondern auch Barriere zwischen den anliegenden Stadtteilen. Der ursprünglich begonnene ost-westliche Generalzug wurde unvollendet abgeschnürt. Die verbliebenen S-Bahntrassen und die neue Fernbahn teilen den Park auf dem Gleisdreieck ebenfalls in zwei Hälften. Erstmals besteht die Möglichkeit, räumliche Bezüge über die zwei Parkhälften zwischen den Stadtteilen herzustellen. Eine zentrale Forderung zielt deshalb von Anfang an auf eine Fußgänger und Radfahrerverbindung auf der Linie des einst geplanten Generalzuges. Zusätzliche Querungsmöglichkeiten sollen ebenfalls realisiert werden, um den Zusammenhang zwischen den beiden Parkhälften zu stärken.