Im Oktober 2005
auch als Druckversion mit informativem Luftbild:
Leitbild zur Parkgestaltung, PDF-Dokument 888 kb
Auf dem Gelände des Gleisdreiecks bündelten sich einst die Schienenstränge des Anhalter und Potsdamer Personen- und Güterbahnhofs zu einer „Eisernen Landschaft“. Nach Stilllegung der Bahnhöfe wandelte sich das Areal zu einem innerstädtischen Biotop, geprägt von den Relikten ehemaliger Bahnanlagen. Die Eigenart dieses innerstädtischen Landschaftstyps soll bewahrt werden; jedwede Planung sollte sich von ihr inspirieren lassen. Der natürliche Prozess der Selbstwerdung einer Parklandschaft soll ein wesentliches Gestaltungselement bleiben und kostenaufwändige Umplanungen vermieden werden. Zonen, in denen sich Natur regeneriert, sollen geschützt und als Naturerlebnisräume ausgewiesen werden.
Das Faszinierende der ehemaligen Gleislandschaft liegt nicht nur in den Relikten des vergangenen, sondern auch im Reiz des noch vorhandenen unter, auf und über dem Gelände schwebenden Bahnbetriebs. Diese Elemente vergangener und lebendiger Bahngeschichte sind, in Ergänzung zum Deutschen Technikmuseum, bei der Gestaltung der Parklandschaft mit in Szene zu setzen.
Auch die Yorckbrücken sind in die Planung mit einzubeziehen. Einige davon sind als Parkwege vorzusehen, die übrigen dienen als Biotopverbindungen.
Die Parklandschaft Gleisdreieck soll durch ihre unterschiedlichen Landschaftsteile zu sehr vielfältigem Gebrauch anregen. Der „weite Blick“ und die ruhigen Bereiche für die Naturbeobachtung dienen der Kontemplation bzw. der passiven Erholung.
Unter dem Begriff „Bewegungskultur“ firmieren alle nicht vereinsgebundenen sportlichen Aktivitäten, wie Radfahren, Joggen, Inlinerskaten, Ballspielen, Drachensteigen. Das vielfältige Angebot für alle Bevölkerungsgruppen wird auf Flächen angeboten, die eine intensive Nutzung vertragen.
- Als Grüntangente
Ein grüner Nord-Süd-Zug mit Wegeverbindungen vom Spandauer Schifffahrtskanal über den Tiergarten, dem Henriette-Herz-Park, dem Tilla-Durieux-Park zum Gleisdreieck über den Flaschenhals zum Schöneberger Südgelände und zum südlichen Stadtrand ist als städtebauliche Figur in den übergeordneten Planverfahren „Flächennutzungsplan“ und „Landschaftsprogramm“ verankert.
Die Wegeführungen zum Parkzentrum „Gleisdreieck“ sollen sich an diesen Bezügen orientieren.
Eine Brückenverbindung vom Parkband an der Flottwellpromenade nach Norden zum Tilla-Durieux-Park muss hergestellt werden. Zugänge nach Süden über die Yorckbrücken zum Flaschenhals und zum ehemaligen Bahngelände an der Bautzener Straße müssen erhalten bleiben und gesichert werden.
- Durch Ost-West-Querungen
Über mehr als 120 Jahre war die „eiserne Landschaft“ nicht nur Motor oder industriellen Entwicklung, sondern auch Barriere zwischen den anliegenden Stadtteilen. Der ursprünglich begonnene ost-westliche Generalszug blieb unvollendet. Die verbliebenen S-Bahntrassen und die neue Fernbahn teilen den künftigen Park auf dem Gleisdreieck ebenfalls in zwei Hälften. Erstmal besteht die Möglichkeit, räumliche Bezüge über die zwei Parkhälften zwischen den Stadtteilen herzustellen. Eine zentrale Forderung zielt deshalb von Anfang an auf eine Fußgänger- und Radfahrerverbindung auf der Achse des einst geplanten Generalzuges. Zusätzliche Querungsmöglichkeiten sollen ebenfalls realisiert werden, um den Zusammenhang zwischen den beiden Parkhälften zu stärken.
Eine hohe Akzeptanz des Parks zu allen Jahreszeiten trägt zur Sicherheit der Besucher bei und beugt dem Vandalismus vor.
Diesem Ziel dienen zahlreiche neue Eingangsbereiche, die in das bisher von außen schlecht wahrnehmbare und erhöht gelegene Gleisdreieck hineinführen und auf die Nutzer einladend und großzügig wirken sollen.
Durch eine angemessene Ausleuchtung der wichtigsten Parkwege und vielfältige Sichtbeziehungen soll das Entstehen von Angsträumen vermieden werden.
Zur Belebung können darüber hinaus kleinere Gastronomieangebote beitragen.
Durch einen aktiven Bürgerbeteiligungsprozess sollen Ideen zum Ausgleich innerstädtischer Erholungsdefizite entwickelt, in Projekte umgesetzt und als bürgerbetreute Freizeitinseln in den Park auf dem „Gleisdreieck“ integriert werden.
Nach Öffnung eines Teilbereiches auf dem Anhalter Güterbahnhof für die Öffentlichkeit im April 2005 haben Bürger und Initiativen erste Projektideen für Defizitausgleiche eingereicht und ihre Bereitschaft zur Übernahme von Patenschaften zur Umsetzung und Betreuung ihrer Projekte erklärt (u. a. eine Bewegungsbaustelle als Kinder-Spiel- und Lernprojekt; interkulturelle Gärten nach dem Vorbild der „Community Gardens“ in New York).
Dieser besonderen Form von Bürgerveranstaltung und –engagement ist schon bei der Planung und Gestaltung Rechnung zu tragen.