NEW YORK TIMES, Metro, vom 19.9.2002

zur Einigung zwischen Community Gardener und der Stadt New York

Am Ende eines langen Streits läßt New York Wohnungen und Gärten gedeihen

von Jennifer Steinhauer

übersetzt von Christophe Kotanyi,
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Gartenkonferenz, Arbeitsgruppe Kleinstlandwirtschaft und Gärten in Stadt und Land

Ein langer Streit zwischen New York City und hunderten Community Gärtnern endete gestern [am 18.9.2002 d.Ü], als die Stadt einwilligte, etwa 500 Community Gärten zu erhalten und lediglich einen Teil der Grundstück zu verwenden, um im nächsten Jahr mehr als 2000 Wohnungen darauf zu bauen - ein 20%es Wachstum gegenüber der normalen Erstellung von städtisch geförderten Wohnungen.
Laut der Vereinbarung, die gestern zwischen Bürgermeister Michael R. Bloomberg und dem Generalstaatsanwalt des Staat New Yorks, Elliot Spitzer, getroffen wurde, werden weiterhin Gras, Nelken und Mais in zahlreichen Community Gärten in der Stadt wachsen können, während andere mit Wohnungen für Niedrigverdienende bebaut werden.
„Wir hoffen, daß alle zufrieden sein werden, sofern sie zufrieden sein können“ sagte Mr. Bloomberg gestern [am 18.9.2002 d.Ü.]während einer Pressekonferenz im Rathaus.
Anhänger der Gärten, die jahrelang gegen die Stadt gekämpft hatten, um die Gärten von Investoren zu schützen, bestätigten diese Einschätzung mehr oder weniger..
„Es ist nicht perfekt“ sagte Rose Harvey, die Senior-Vize-Präsidentin der Treuhandgesellschaft Öffentliches Land, eine Landschutzorganisation die 1999 Community durch Kauf vor der Zerstörung bewahrt hatte. „Aber Perfektion ist oft der Feind des Möglichen.“
Mit diesem Kompromiß wird ein bedeutsames New Yorker Drama beendet, das die zwei für die meisten New Yorker wichtigsten Gemeinschaftsaufgaben einander gegenüber setzte – Wohnungen und freie Grünflächen – mit einigen der unbiegsamste Figuren der Stadt als Hauptdarstellern. Hauptfigur war der frühere Bürgermeister Rudolph W. Giuliani, der Hunderten Gärten im städtischen Landschaft abschaffen wollte, da die Stadt angeblich auch auf diesen Grundstücken vor allem Wohnungen brauche.
Auf der anderen Seite standen die Garten-Anhänger, die zu Organisationen mit illustren Namen wie „Green Guerillas“ gehören und deren Liebe für Pflanzen so groß war, daß sie bereit waren, vor dem Rathaus als Gemüse oder Insekten verkleidet zu demonstrieren. Diese Gruppe hat ihre eigenen Helden wie Herrn Spitzer, der 1999 eine eigenständige Anklage gegen die Stadtverwaltung erhob, um sie an der Versteigerung von Gärten an den höchsten Anbieter zu hindern sowie die Sängerin Bette Midler, die im gleichen Jahr mit mehrere Millionen Dollars einstieg, um viele der Gärten zu retten.
Die Regierung von Mr. Bloomberg, für die die Regelung der Prozessen der vorige Regierung Priorität hat, war etwas offener für ein Kompromiß mit den Green Thumb Leuten (1), und das ebnete der Weg zur Vereinbarung von gestern [i.e. 18.9.2002, d.Ü.], sagte Herr Spitzer.
„Ich meine ganz entscheiden, daß wir ein ganz gutes Arbeitsverhältnis mit Bürgermeister Bloomberg und seinen Ratsleuten haben“ sagte Mr. Spitzer.
Vor mehr als zwei Jahrzehnten erhielten die Community[-Gardens]-Gruppen die Erlaubnis, leere Grundstücke, die über die Jahre zum Eigentum der Stadt geworden waren, in Gärten zu verwandeln. Hunderte Gärten blühten in der Stadt in verschiedene Formen, von erfolgreichen malerischen grünen Ruheorten bis zu den Fehlschlägen: müllbeladene, rattenverseuchte Unorte, die zweifelhafte Tätigkeiten anzogen. Viele Gärten boten Oasen für die ärmsten Nachbarschaften der Stadt, wo wenig Parks zu finden sind. Der Abkommen zwischen den Community [Gardens] Gruppen und der Stadt war jedoch nicht auf Dauer getroffen und Herr Giuliani ließ dann wissen, daß er beabsichtige, die Grundstücke an den jeweils höchsten Bieter zu übergeben und die würden ziemlich sicher nicht gerade eine Gruppe städtischer Gärtner sein.
Das Ergebnis war eine Reihe von Prozessen, eine einstweilige Verfügung gegen die Stadt, die der Stadtverwaltung verbot, weitere Gärten zu versteigern und die Anklage von Mr. Spitzer, die im Wesentlichen sämtliche Entwicklungsvorhaben [i.e. Bauvorhaben, d.Ü.] der Stadt auf Eis legte. Das New York Restoration Project – die Gruppe von Frau Midler – und der Trust for Public Land kauften 1999 mehr als 100 Grundstücke für 4,2 Million Dollars um die darauf liegenden Community Gardens zu erhalten. Das Abkommen vom Vortag [i.e.18.9.2002] beendet alle laufenden Prozesse gegen die Stadt betreffs Gärten, lassen die Vertreter der Behörde verlauten.
Ungefähr 200 Gärten unter der Verwaltung städtischer Behörden (meistens des Parks Department sowie des Department of Education) bleiben laut dieser Vereinbarung erhalten, zusätzlich zu denjenigen, die den Non-profit Gruppen gehören. Weitere 200 werden dem Parks Department kostenlos übergegeben oder an Non-profit Organisationen für etwas, was die Stadt als „Nennbetrag“ bezeichnet. Die entsprechenden Gruppen werden verpflichtet, das Geld zur Erhaltung der Gärten einzutreiben und die alle Gelder, die darüber hinaus nötig sein werden, selbst aufzubringen.
Andererseits werden über 150 Grundstücke zur privatem Bebauung mit Wohnungen für Wenigverdienende freigegeben, manche sofort. Die New York City Partnership [eine Wohnungsbaugesellschaft], zum Beispiel, wartet bereits darauf mit dem Bau von 546 Wohnungen auf acht der betroffenen Grundstücke beginnen zu können. Abgesehen von 83 dieser Einheiten können alle gleich gebaut werden dank enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Department of Housing Preservation and Development. „Nach eine Verzögerung von mehr als drei Jahren, freuen wir uns jetzt, daß dank dieses Abkommens 463 günstige Wohnungen jetzt gebaut werden können, die seitens der Housing Partnership bereits geplant sind.“ sagte Kathryn S. Wylde, Vorsitzende der Wohnungsbaugesellschaft.
Anwohner eines zwecks Bebauung geopferten Garten an der East Sixth Street, zwischen Avenue C und D, bedauern das Verhandlungsergebnis und bieten ihre eigenen Theorien über den wahren Grund an, warum ihr Garden jetzt durch 75 Wohneinheiten ersetzt werden soll.
Manuel Valentine starrt benommen auf ein Huhn, das im Garten an der Sixth Street herumspaziert, während andere Nachbarn damit beschäftigt, sind ihr Abendessen zu kochen. „Wir finden für dich schon ein anderes Zuhause“, sagt er zu dem Huhn. Godofredo Crespo, 50, meint, daß er vermutet, daß einem Garten in der Nachbarschaft, an der 9. Straße, das Schicksal dieses Gartens wegen seiner seltene Weiden erspart bleiben könne.
Christine Thaleman steht mit ihrem siebenwöchigen Baby und einem Zweijährigem auf dem Grundstück an der 9. Straße, Avenue C, und berichtet, daß es für sie wie ein Stück freie Landschaft ist - inmitten von East Village. „Dieser Garten ist wahrscheinlich der einzige Grund, warum ich hier noch wohne“ sagt
sie über das Stück Land, das sie im Jahr 25 Dollar Mitgliedsbeitrag kostet. Frau Thaleman baut hier Tomaten, und Arugula an und Spargel.
Jedes Grundstück, das bebaut werden soll, muß nunmehr erst durch ein öffentliches Gutachterverfahren gehen, bestätigen die Behördenvertreter. Daß Herr Bloomberg es geschafft hat, einen langen Streit innerhalb weniger Monate zu beenden, entspricht der Vorliebe der neuen Regierung gute Beziehungen zu einigen der Gegner von Mr. Giuliani zu unterhalten – zumindest zu Anfang. Jane Weissman, ehemalige Direktorin von Green Thumb, dem städtischen Community Gardens Programm, meint, daß das Gutachterverfahren, das im Abkommen vorgesehen ist, immerhin den Rahmen für spätere Streitigkeiten festlegt.
„Es sichert fast 200 Community Gärten“ sagte sie, „aber noch wichtiger ist, daß es ein Verfahren festlegt, das gerecht ist, das fair ist, das eine Vorwarnung beinhaltet und das den Gärtnern so ermöglichen wird, für ihre Gärten Unterstützung zu finden.“
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(1) „Green Thumb“ = „Grüner Daumen“, Unterabteilung der Stadtverwaltung von New York City