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Problematik Stadtklima / Ausgleichsflächen Potsdamer Platz / Gleisdreieckpark In den Umweltverträglichkeitsuntersuchungen (UVU) zu den Bebauungsplänen Potsdamer Platz (Koordinierungsbebauungsplan und Projektbebauungspläne) wird sehr deutlich die Notwendigkeit eines möglichst großen Park auf dem Gleisdreieck festgestellt. In den Umweltgutachten werden auch eindeutige Anforderungen an stadtökologische Funktion des zukünftigen Park gestellt. Keine weiteren geometrischen Hindernisse sollen dem Luftaustausch zwischen Tiergarten und südlichen Stadtrand in Weg gestellt werden, heißt es im Fachbeitrag zum Stadtklima. Denn die wichtigste Funktion der Ausgleichsfächen ist der Erhalt der Frischluftschneise, die vom Tiergarten, über Lennee-Dreieck, Prachtgleis und Postdamer Güterbahnhof zum Gleisdreieck und dann weiter nach Süden verläuft. In diesem Raumgefüge stellt der Potsdamer Güterbahnhof eine der engsten Stellen dar, die nicht weiter eingeschränkt werden sollte. Dem Sinn der ökologischen Ausgleichs widerspricht es, wenn nun die 16 ha zwar formal irgendwo nachgewiesen werden, die Lauftaustauschschneise aber durch eine Bebauung an der Flottwell- und Dennewitzstraße und durch Hochhäuser am U-Bahnhof Gleisdreieck weiter stark eingeengt wird. In den Untersuchungen der UVU wird der Eingriff in das Stadtklima als der schwerwiegendste unter allen Eingriffen gesehen. Im Kompensationsgutachten wurden die Eingriffe bewertet: 55% entfielen auf das Schutzgut Klima, 35% entfielen auf das Schutzgut Flora/Fauna, und nur 10% auf das Schutzgut Boden/Wasser. Die klimatischen Funktionen des Gleisdreiecks werden in diesen Gutachten bestätigt. Es wird dargelegt, daß die Bedeutung des Gleisdreiecks für das Stadtklima sogar noch steigen wird, wenn durch die Neubauten am Potsdamer Platz der Wärmering um den Tiergarten fast geschlossen wird. Es wird befürchtet, dass durch die Schließung des Wärmerings um den Tiergarten die Jahresmitteltemperaturen im gesamten Innenstadtbereich um 1 bis 2 Grad steigen könnten. (Siehe hierzu den Plan mit Jahresmitteltemperaturen) Um diese negative Entwicklung zu kompensieren, wird in allen Fachbeiträgen der UVU, Potsdamer/Leipziger Platz der Erhalt des Bahngelände als Freifläche sowie seine Gestaltung als Park gefordert. In den Kompensationsgutachten zur Umsetzung der Forderungen aus der UVU wird ebenfalls die Anlage eines Parks auf dem Gleisdreieck als unverzichtbar angesehen. Im Kompensationsgutachten ist von verschiedenen Parkvarianten die Rede ist mit Größen bis zu 33 HA, je nach Größe wird ein unterschiedlicher Grad an Kompensation angegeben. Jedoch auch in der Maximalvariante von 33 HA hätte sich nur eine teilweise Kompensation der Eingriffe ergeben. Deswegen wurden zusätzlich zum Nachweis von Ausgleichsflächen auf dem Bahngelände weitere Maßnahmen gefordert, z.B. keine weiteren Einschränkung der Belüftungsbahnen vorzunehmen, keine Einrichtung mit starken Emissionen entlang dieser Belüftungsbahnen zu platzieren, sowie ökologische Maßnahmen wie Begrünung und Entsiegelung in den angrenzenden Stadtteilen zu fördern. Bei der Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen gab und gibt es bis heute allerdings Schwierigkeiten. Der Punkt Begrünung und Entsiegelung in den angrenzenden Stadtteilen wurde bei der Festsetzung des Bplans durch das Abgeordnetenhaus 1994 nicht umgesetzt. Statt 33 HA wurden lediglich 16 HA Ausgleichsfläche beschlossen, da nur diese Fläche mit der Bahn vertraglich (Notenwechsel) geregelt werden konnte. Klar war jedoch immer, daß diese Ausgleichssfläche in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang zum Potsdamer Platz stehen muß. Dieser Zusammenhang ist nur gegeben, wenn der größere Teil der Ausgleichssfläche auf dem ehemaligen Potsdamer Güterbahnhof platziert wird. Sicher stehen auch der Bau des Parkhaus Debis und die im FNP 98 und Planwerk Innenstadt festgelegten Bauflächen am Gleisdreieck nicht unbedingt im Einklang mit dem ökologischen Zielen der Ausgleichsfläche. Wir haben das, nachdem wir uns politisch und juristisch vergeblich dagegen gewehrt haben, schließlich hinnehmen müssen. Wenn nun aber im Planwerk Innenstadt festgelegte Grünflächen auch noch zu Bauflächen werden sollen - wie z. B. entlang der Flottwellstraße, der Dennewitzstraße und im nördlichen Bereich der Möckernstraße - müssen wir das Planwerk Innenstadt und den FNP von 98 gegen seine Autoren verteidigen. Zum Beleg für die Bedeutung des Gleisdreieck für das Stadtklima nun Auszüge aus: Umweltverträglichkeitsuntersuchung
Potsdamer/Leipziger Platz in Berlin, Fachbeitrag Stadtklima Kapitel 3, Großräumige
Auswirkungen, Seite 81 Dem Gleisdreieck wird
ein wichtiger Stellenwert im klimatischen Gefüge der Berliner Innenstadt
zugeschrieben. Das Gelände hat eine kühlende Wirkung auf die
angrenzenden thermisch belasteten Gebiete wie beispielsweise die Südliche
Friedrichstadt (Horbert, 1993, S. 121; Sukopp et. Al., 1982, S. 163).
Die Vorschläge des Bezirksamt Kreuzberg (1993, S. 26) und der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung und Umweltschutz (1991, S 24), auf Teilen des
Gleisdreiecks einen Bezirkspark einzurichten, sind aus klimatologischer
Sicht als sinnvoll zu bewerten. Dies vor allem vor dem Hintergrund, daß
zum einen die Verbindung zwischen dem Großen Tiergarten und dem
Gleisdreieck, welche über die Fläche am Potsdamer und Leipziger
Platz verläuft, mit der Realisierung des Planungsvorhaben entfallen
wird - der Erhalt des Bindeglieds wird von HORBERT et al. (1982, S. 35
und Karte Klimafunktionen) gefordert -, zum anderen von diesem
Projekt erhebliche negative Auswirkungen auf die angrenzenden Gebiete
zu erwarten sind. Aus dieser Bewertung ergibt sich die Notwendigkeit, das Gelände des Gleisdreiecks zu schützen und aufzuwerten (z.B. Ausweitung der Vegetationsflächen) Kapitel 3, Großräumige Auswirkungen, Seite 82/83 Resümee Die vorangegangen
Darstellungen lassen die Schlußfolgerung zu, daß sich durch
das Zusammenwirken der verschiedenen Großvorhaben und die Vielzahl
von kleineren Bauprojekten die Intensität und vor allem die Ausdehnung
der städtischen Wärmeinseln (und aller Effekte, die damit verbunden
sind) für den Zentralen Bereich Berlins erhöhen wird... Kapitel 4, Planungsempfehlungen, Seite 85/86 4.2. Minderungs- und
Vermeidungsmaßnahmen 4.3. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, Seite 87/88 Die durch die beabsichtigte kerngebietstypische Nutzung des Planungsgebietes hervorgerufenen zusätzlichen klimatischen Belastungen können durch die Minderungsmaßnahmen nicht allein nicht ausgeglichen werden. Zudem entsteht, wenn - wie zu erwarten - wichtige Aspekte der Minderungsmaßnahmen nicht realisiert werden, besonderer Bedarf an Ausgleich und Ersatzmaßnahmen. a) Ziel: Ersatz für eingeschränkte oder aufgehobene Belüftungsfunktionen für Teile von Schöneberg und der südlichen Friedrichstadt durch Entwicklung und Umsetzung eines stadtökologischen Gesamtkonzepts für den Bereich Gleisdreieck/ehemaliger Anhalter und Potsdamer Güterbahnhof Die Belüftungsfunktion,
die der Bereich des Planungsgebiets gegenwärtig für Teile der
südlichen Friedrichstadt bzw. Schöneberg aufweist, wird durch
das Bauvorhaben aufgehoben bzw. auch bei vollständiger Umsetzung
der Minderungsmaßnahmen reduziert. Im Umfeld des Gleisdreiecks sind
Freiflächen vorhanden, deren bislang eher als gering einzustufende
Ausgleichsfunktion soweit erhöht werden kann, daß ein teilweiser
Ersatz für durch die geplante Bebauung verloren gegangene Belüftungsfunktion
möglich ist. Diese Ersatzmaßnahme muß die Schaffung eines
zusammenhängenden Kaltluftentstehungsgebietes, das Freihalten diese
Bereichs von Emissionen und größeren Hindernissen, die Sicherung
wirksamer Frischluftschneisen in Richtung der zu belüftenden Bereiche
und den Erhalt einer lockeren Bebauungsstruktur mit eingestreuten Grünflächen
im Vorfeld des Zielgebiets umfassen. |