18.07.2001, Der Tagesspiegel

Gleisdreieck

Verfahrene Situation

Keine Häuser und kein Park in Sicht: Bahn-Tochter wies "letzten Vorschlag" des Senats zurück

Christian Domnitz

Die Verhandlungen zur Zukunft des Gleisdreiecks sind vorerst gescheitert. Wann die Umgestaltung des Areals beginnt, steht damit in den Sternen. Die Vivico, die Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn, forderte Nachbesserungen, nachdem die Senatsbauverwaltung einen "letzten Plan" für die Bebauung des 60 Hektar großen Areals um den U-Bahnhof Gleisdreieck vorgelegt hatte. "Wir haben nicht den Eindruck, dass dies das letzte Planungsstadium ist", sagte Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt gestern. Für ein tragfähiges Konzept sei es nötig, viel Zeit zu investieren. Bausenator Peter Strieder (SPD) hingegen sagte, das Angebot sei "für beide Seiten akzeptabel". Die Vivico solle es annehmen, auch im Hinblick darauf, "dass die Bahn auch an anderen Stellen in Berlin gern bauen möchte".
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Grafik: Planungsstand Gleisdreieck
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"Es ist unser letzter Vorschlag", hatte hingegen Senatsbaudirektor Hans Stimmann auf einer Versammlung am Montagabend gesagt, an der Vertreter der Senatsbauverwaltung, des Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain, der Vivico und der Bürgerinitiative "AG Gleisdreieck" teilnahmen. "Nun muss die Entscheidung auf einer höheren politischen Ebene fallen", sagte Stimmann nach dem Treffen. Die Verhandlungen um das Gleisdreieck ziehen sich seit sechs Jahren hin.

Die Vivico ist Eigentümer, Entwickler und Bauherr des Areals. Der Senat beabsichtigt, 16 Hektar des Gebiets im Tausch gegen Landesgrundstücke im Umkreis des Gleisdreiecks zu erwerben. Auf den Flächen sollen Parks und Sportplätze entstehen. Die Vivico wies in ihrem Entwurf kleinteiligere Flächen als Park aus, so zum Beispiel einen nur wenige Meter breiten Grünstreifen östlich der ICE-Trasse. Weil die vom Senat zu erwerbenden Grünflächen auf etwas über 16 Hektar festgeschrieben sind, ergäbe sich so ein Plus an Baufläche für die Vivico. Die Bürgerinitiative "AG Gleisdreieck" erinnert daran, dass ursprünglich das gesamte Areal als Park geplant war. Die Verhandlungen sind in einer Patt-Situation stecken geblieben. Die Vivico muss beim Eisenbahn-Bundesamt in Bonn der Umwidmung des Bahngeländes zustimmen, was die Einrichtung von Parks möglich machen würde. Sie darf jedoch keine Gebäude auf ihrem Gelände errichten, solange die Senatsverwaltung Bauflächen nicht endgültig ausgewiesen hat. Die Konzepte des Landes und der Vivico ähneln sich: In beiden Entwürfen vorgesehen ist ein fünfzig Meter hohes Gewerbegebäude westlich des U-Bahnhofs Gleisdreieck. Das bis zu 15 Etagen hohe Haus würde den Bahnhof um dreißig Meter überragen. An der Flottwellstraße und der Yorckstraße sind jeweils Wohn- und Gewerbehäuser geplant. Auf dem Gelände entlang der Möckernstraße sieht die Bauverwaltung fünfgeschossige Wohnhäuser vor, die Vivico will einen Medienpark bauen. Die AG Gleisdreieck kritisiert, dass an dieser Stelle das historische Zollhaus der Bahn und schützenswerte Lokschuppen geopfert würden. Weiterhin bemängelt sie, dass hier im gültigen Flächennutzungsplan von 1998 eine Grünfläche vorgesehen sei, die im Entwurf der Bauverwaltung verschwand.

Auf dem Gleisdreieck befinden sich ungenutzte Eisenbahn-Anlagen aus der Vorkriegszeit. Zu Mauerzeiten wuchs hier ein Biotop heran. Zurzeit werden Teile der Fläche als Materiallager und Umschlagplatz für die Bauarbeiten am Potsdamer Platz genutzt, der Rest liegt weitgehend brach. Bald sollen ICE-Züge das Gelände durchqueren, bevor sie am nördlichem Ende in dem Tunnel verschwinden, der zum geplanten Lehrter Fernbahnhof führt. Auch eine neue S-Bahnlinie ist geplant. Die Trassen sind jedoch so schmal, dass die Bahn den größten Teil des Geländes nicht mehr benötigt.

Auf der Versammlung, bei der etwa 150 Bürger zugegen waren, wurde Unmut deutlich. Im vollbesetzten Gemeindesaal der Christuskirche in der Wartenburgstraße - unmittelbar neben dem umstrittenen Areal - gab es unzählige Zwischenrufe. Die AG Gleisdreieck forderte den Senat auf, diejenigen Teile des Geländes, auf denen die Nutzung unumstritten ist, bereits jetzt zum Park umzugestalten. Alternativ könne der Senat auch Teile des Geländes anmieten, schlug AG-Vertreter Matthias Bauer vor. Beides lehnte Stimmann jedoch ab: Vor Baubeginn müsse die Planung komplett sein.

18. 07. 2001, die tageszeitung

"Mehr Grün am Stück ist nicht drin"

Die Pläne für die Bebauung des Gleisdreiecks reifen. Senat und Baugesellschaft sind sich fast einig über einen Austausch von Bauflächen. Anwohnerinitiativen befürchten nun eine Zerstückelung des dort ursprünglich geplanten Parks
von CHRISTIAN TERIETE

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn, Vivico, stehen offenbar kurz vor einer Einigung über die Gestaltung des Gleisdreiecks. Das jüngste Angebot der Stadtentwickler an die Vivico sieht vor, dort 16 Hektar Fläche als Baugelände auszuweisen. Dafür soll die Vivico der Stadt eine andere Fläche des Gleisdreiecks von 17 Hektar für eine Parklandschaft überlassen.
Zurückzuführen ist dieses Angebot auf einen Vertrag von 1994, in dem sich die Bahn und das Land Berlin auf diesen Handel einigten. Nicht festgelegt wurden damals jedoch die Ausdehnung und Ausnutzung der Bauflächen. Der Vorschlag der Senatsverwaltung stößt nun bei verschiedenen Bürgerinitiativen auf heftige Kritik. Sie bestehen auf Einhaltung des gültigen Flächennutzungsplans. Der weist nach Ansicht der Initiativen einige Teilbereiche des Gleisdreiecks als Grünlandschaft aus, die nach dem neuen Gestaltungsplan der Stadtentwickler zur Bebauung freigegeben werden sollen.
Trotz der öffentlichen Kritik scheinen Vivico und Stadtentwickler kurz vor einer Einigung zu stehen. "Unser neues Angebot an die Vivico ist das letzte Wort", sagte Senatsbaudirektor Hans Stimman bei einer Diskussion mit Anwohnern am Montagabend. Seine Behörde habe der Bahn genug Zugständnisse gemacht.
"Ich sehe nur noch geringe Differenzen zwischen unseren Plänen und dem Angebot der Senatsverwaltung", bestätigte Christoph Zock von der Vivico. Nur Details müssten noch verhandelt werden. Stimman lehnt weitere Verhandlungen ab.
Die in Initiativen organisierten Anwohner wehren sich gegen vollendete Tatsachen. Matthias Bauer von der AG Gleisdreieck kritisierte die unzureichende Informationspolitik der Behörde: "Als unmittelbar Betroffene haben wir Anlieger zuletzt von dem Angebot an die Vivico erfahren." Stellvertretend für die Mitglieder der AG äußerte er die Befürchtung, das Gleisdreieck könne durch übermäßige Bebauung zerstückelt werden. Man setze sich weiterhin für einen zusammenhängenden Naturpark ein.
Genau das wolle auch die Senatsverwaltung, beschwichtigte deren Baudirektor Stimman. Die 17 Hektar neue Parklandschaft in Verbindung mit dem bereits vorhandenen vier Hektar großen Rubinienwald nannte er eine Optimallösung. "Mehr Grün am Stück ist einfach nicht drin", sagte Stimann und warb um Zustimmung für sein Konzept. Den Vorwurf der AG, das Angebot seiner Behörde ließe sich mit dem Flächennutzungsplan nicht vereinbaren, wies er zurück. Die vorgesehene Bebauung lasse sich daraus eindeutig entwickeln.
Unterstützung erhält Stimman von Franz Schulz (Grüne), Baustadtrat von Kreuzberg-Friedrichshain. Der kritisierte bisherige Pläne der Vivico und warb gleichzeitig für den Vorschlag des Senatsbaudirektors: "Wir sollten dieses Angebot unterstützen, obwohl wir damit einige Kröten schlucken müssen." Die Vertreter der Initiativen wollen jedoch nicht von ihren Forderungen abrücken.
Der Streit um das Gelände begann Ende der 80er-Jahre. 1990 sollten die Parkpläne über eine Bewerbung des Gleisdreiecks für die Bundesgartenschau 95 umgesetzt werden. Diese Idee wurde jedoch 1992 wieder verworfen, als das Gelände für die Baulogistik Potsdamer Platz gebraucht wurde. Im Sommer 1999 brachte die Senatsverwaltung für Wirtschaft sogar den Bau eines Vergnügungsparks nach dem Vorbild des Kopenhagener Tivoli ins Gespräch. Derzeit gastiert der Restaurantzirkus "Pomp Duck and Circumstances" für anderthalb Jahre auf dem Gelände.

taz Berlin lokal Nr. 6499 vom 18.7.2001, Seite 22, 120 Zeilen (TAZ-Bericht), CHRISTIAN TERIETE

 

2.02.2001, Der Tagesspiegel


Anhalter Steg

Brückenschlag in die Vergangenheit

Weg über Landwehrkanal eröffnet / Zu Fuß vom neuen Tempodrom zum Technikmuseum

kört

Unsichtbar im Untergrund fährt die U 7, auf den Uferstraßen darüber brausen Autos, dazwischen tuckern Lastschiffe und Ausflugsdampfer, und ganz oben rattert die U 1 vorbei am Rosinenbomber, der vor dem Deutschen Technikmuseum schwebt: Der neue Anhalter Steg über den Landwehrkanal an der Trebbiner Straße verbindet alle Verkehrswege. Gestern ist die Fußgängerbrücke nach elf Monaten Bauzeit der Öffentlichkeit übergeben worden. Sie bietet Passanten einen lärmumtosten Überweg zwischen Museum und dem künftigen Tempodrom.
"Ein alter Kreuzberger Traum wird wahr", sagte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD), der noch als Kreuzberger Bürgermeister über den Bau verhandelte. Schon in den 70er Jahren wollte man die Brücke errichten, Ende der 80er Jahre gab es im Rahmen der Internationalen Bauausstellung erste Entwürfe - doch es fehlte das Geld. Erst im Mai 1998 kam der Vertrag zwischen Kreuzberg und Daimler-Chrysler zustande, im April 2000 begannen die Bauarbeiten. Denn die Daimler-Chrysler AG bezahlte den 100 Meter langen Überweg und durfte dafür ein Parkhaus am Gleisdreieck bauen. Drei Millionen Mark hat Brücke gekostet. "Aber die Benutzung ist kostenlos", betonte Daimler-Geschäftsführer Hans Jürgen Ahlbrecht.

Schwierig war, einen Namen für die Brücke zu finden. "Wir haben für ,Strieder-Steg' plädiert", sagt Ahlbrecht Augen zwinkernd. Im Bezirk Kreuzberg waren unter anderem "Bürgermeister-Steg" und "Gottlieb-Daimler-Brücke" im Gespräch. "Wir haben uns schließlich salomonisch für ,Anhalter Steg' entschieden", sagt Baustadtrat Franz Schulz. In riesigen, weithin sichtbaren Betonlettern an den Pfeilern sind an beiden Seiten des Stegs die Namen "Anhalt" und "Berlin" angebracht - als Erinnerung an die alte Eisenbahnbrücke, die 1841 an derselben Stelle von der Berliner Anhaltinischen Eisenbahngesellschaft eröffnet und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der mittlere, schmiedeeiserne Brückenteil mit Zierrat und die uferseitigen Brückenwiderlager stammen von der alten Konstruktion. Auch die rote Farbe der eisernen Streben ist originalgetreu. Für die Mischung der alten und neuen Stilelemente - der mittlere Teil ist bogenförmig, die äußeren Teile sind eckig - ist der Architekt Benedict Tonon verantwortlich.

Einst befand sich an der Stelle des Fußgängerüberwegs eine der wichtigsten Schienenverbindungen Berlins. Hier rollten die Personenzüge aus dem Zentrum in Richtung Süden, gekreuzt von U- und S-Bahn. Obwohl der Anhalter Steg Fußgängern vorbehalten ist, scheint die Bezeichnung "Steg" leicht untertrieben: Er besteht aus drei 25 Meter langen und 4 Meter 50 breiten Brückenüberbauten aus Stahl, die zusammen 135 Tonnen wiegen. Auch die Sockel aus gelbem Backstein und Beton wirken mächtig. Der Anhalter Steg ist Teil der Neugestaltung des gesamten Gleisdreieck-Geländes. Der Naturpark samt Tempodrom auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs nördlich des Kanals ist nach Angaben von Schulz "kurz vor dem Entstehen". Soweit sei man hinsichtlich der Freiflächen am Technikmuseum auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs südlich des Kanals allerdings noch lange nicht.

 

19.09.2000, Der Tagesspiegel
Gleisdreieck
Eine "heiße Idee" wurde kaltgestellt

Wo bleibt die historische Station? Neue Bahnpläne stoßen beim Technikmuseum auf Widerstand

Johannes Metzler
Der Traum einer "historischen Bahnhofsrekonstruktion" ist jetzt durch neue Pläne der Bahn ins Wanken geraten, und damit die "heiß geliebte Idee" Günther Gottmanns. Seit er Anfang der 80er Jahre Chef des Deutschen Technikmuseums wurde - damals Museum für Verkehr und Technik -, wollte er die benachbarte alte Ladestraße des Anhalter Güterbahnhofs zur "Museumsstraße" und aus den angrenzenden Flachbauten Ausstellungshallen machen. Teile des Geländes gehören der Bahn. Deren Tochter, die Eisenbahn Immobilien Management (EIM), hat andere Vorstellungen. Lange wurde um den Ausbau des Technikmuseums gestritten, mittlerweile gibt es zu Gottmanns Idee einen Senatsbeschluss und eine bunte Broschüre. Die "Hauptattraktion" des Museums solle die Ladestraße werden, heißt es darin: Hinter dem Empfangsgebäude werden sich 300 Meter Kopfsteinpflaster erstrecken, flankiert von den Hallen und überdacht mit Glas. Die Straße soll die Abteilung Personennahverkehr beherbergen. Finanziert werden sollten die Umbauten mit Hilfe einer "Public-Private-Partnership": Die Stadt stellt Bauland zur Verfügung, ein Investor baut. In zwei zusätzlichen Stockwerken über den Flachbauten könnte dann etwa ein Hotel unterkommen, das Museum dürfte das Erdgeschoss kostenlos nutzen. Doch seit Gottmann in Pension gegangen ist, wird an den Plänen gerüttelt - in einigen Planskizzen der EIM, die in der vergangenen Woche offiziell vorgestellt wurden, ist die Ladestraße sogar ganz verschwunden. Die dazugehörigen Lagerhallen sollen abgerissen werden. "Städtebaulich problematisch" seien die 300 Meter langen Hallen, urteilt man beim beauftragten Planungsbüro AS&P. Eine vom Gesamtzusammenhang des Gleisdreiecks losgelöste Planung sei nicht sinnvoll. Stattdessen sieht einer der EIM-Vorschläge eine lockere Bebauung aus Gewerbe und Wohnungen vor. Eine andere Variante zeigt an Stelle der Straße einen viereckigen Block als Neubau des Technikmuseums. Der aber, sagt der stellvertretende Museumsdirektor Dirk Böndel, müsse mehrere Stockwerke hoch sein, um die benötigten 20 000 neuen Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten zu können. Dies sei auch baustatisch nicht machbar: "Wir zeigen einige Tonnen schwere Ausstellungsstücke wie eine Dampfwalze oder eine Straßenbahn." Verzichten könne das erfolgreiche Museum, das täglich über tausend Besucher verzeichnet, auf die neuen Flächen keinesfalls. Zehn Abteilungen, deren Ausstellungsstücke in mehreren Hallen im Stadtgebiet ungenutzt verstauben, haben trotz eines ersten Neubaus, der voraussichtlich im Januar des kommenden Jahres fertiggestellt und unter anderem die Abteilung Schifffahrt aufnehmen wird, noch keine Bleibe. Teilweise gehören sie zu Sammlungen aus Museen, die den Zweiten Weltkrieg nicht überdauert haben. Die Miete für die Hallen beläuft sich nach Angaben des Museums auf jährlich 2,5 Millionen Mark. Heute abend wird erneut über die Planungen für das Gleisdreieck gestritten: Dann tagt der vom Bezirk einberufene Runde Tisch.

 

Berliner Zeitung, 15.09.2000
Ressort: Lokales
Autor: Andreas Kopietz

KREUZBERG


Gleisdreieck: Planerstreit um Zahl der Häuser


Land, Bezirk und Eigentümer müssen weiter verhandeln

Schon ab 2001 könnten erste Grünflächen für das Gleisdreieck entworfen werden. Auch wenn sich die Planer 15 bis 20 Jahre Zeit nehmen, um das Areal mit Grünanlagen und Häusern zu versehen, könnte schon im kommenden Jahr ein Landschaftsplaner-Wettbewerb für den Ostteil der größten Innenstadtbrache ausgerufen werden. Zumindest ist das die Auffassung von Rainer Emenlauer, dem Geschäftsführer des Büros "Pro Stadt", das für die Projekte der Eisenbahn Immobilien Management (EIM) zuständig ist. Bis allerdings Details ausgearbeitet werden, müssen EIM, Land und die angrenzenden Bezirke zahlreiche Konflikte lösen. Dazu gehört das Abstecken von Grün- und Bauflächen. Wie berichtet, will die EIM, der der größte Teil des 67-Hektar-Geländes gehört, dort doppelt so viel Wohnfläche errichten, wie es das Land vorgesehen hat. Vor kurzem haben EIM und die Stadtentwicklungsverwaltung des Senats auch Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten in die Diskussion mit einbezogen. Unter anderem macht die vorgesehene Durchgangsstraße vom Yorck-Dreieck im Süden zur Flottwellstraße den Anwohnern und Planern Sorgen. Sie befürchten, das dies die umstrittene "Westtangente" sein könnte.

Im Yorck-Dreieck wird gebaut

Unstrittig ist nach Aussage der EIM und des Senats, dass das Yorck-Dreieck und die Ecke Yorck-, Möckernstraße bebaut werden können. Ebenso herrsche Einigkeit, dass östlich der Flottwellstraße Häuser entstehen. Strittig ist, wie viel, wie hoch und was an den letzteren beiden Stellen gebaut wird. Abgelehnt wird von Kreuzberg und der Senatsverwaltung das geplante Baufeld entlang der Möckernstraße. Dort will die EIM die alten Lockschuppen abreißen und durch Wohn- und Gewerbehäuser ersetzen. "Das Problem ist, dass die EIM und das Land Pläne haben, die total divergieren", sagt Ralf Niepelt von der Stadtentwicklungsverwaltung. Dennoch müsse ein Kompromiss gefunden werden.

Ein Streitpunkt betrifft die 16 Hektar Grünfläche als Ausgleich für den Potsdamer Platz, die die EIM auf dem Gelände unterbringen muss. "Die geplanten Sportplätze, die die Bezirke fordern, hat die EIM in die 16 Hektar schon eingerechnet", sagt Niepelt. "Das lehnen wir ab." Die EIM sei zu Kompromissen bereit, sagt Projektentwickler Mathias Bernard. "Aber komplette Baufelder streichen wir nicht."

Immer unwahrscheinlicher erscheint die Realisierung der ursprünglichen EIM-Idee, dort einen Ableger des Kopenhagener Tivoli anzusiedeln. Mathias Bernard: "Das Tivoli macht sich Gedanken, wie eine Einordnung dort möglich wäre. Aber wir forcieren das nicht."