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17.10.2002, die tageszeitung
Poesie der Baustelle
Als "Tempel der Technik"
bezeichnete Joseph Roth es vor achtzig Jahren. Zwischenzeitlich Brache,
entfaltet das Gleisdreieck nun wieder neue Magie
von WALTRAUD SCHWAB (Text)
und ROLF SCHULTEN (Fotos)
Auf dem Gleisdreieck findet eine
Zeitreise statt. Soll sich hier doch die Entstehung der Metropole zeigen.
Schon vor achtzig Jahren war das so. "Ich bekenne mich zum Gleisdreieck",
schrieb Joseph Roth 1922. Der Großstadtflaneur sah in den gewagten
Stahlträgerkonstruktionen der sich kreuzenden Hochbahnen und den
damals dort verkehrenden Fernzügen und S- Bahnen "Anfangsbrennpunkt
eines Lebenskreises und fantastisches Produkt einer Zukunft verheißenden
Gewalt".
Futuristische Maschinenverliebtheit
hat Roth mit einer dunklen, apokalyptischen Note kombiniert. Sein Metropolis
frisst den Menschen. Dass der noch Kinder zeugt, Lichter in Stuben anzündet,
seine Suppe mit dem Löffel isst, macht ihn zur kleinlichen Randfigur
in einem Szenario, in dem vielmehr gilt: "Eiserne Landschaft, großartiger
Tempel der Technik unter freiem Himmel." Der Rauch der Fabriken wird
zum Weihrauch eines " ewigen Gottesdienstes der Maschinen im weiten
Umfang dieser Landschaft aus Eisen und Stahl, deren Ende kein menschliches
Auge sieht". Der Journalist häufte den funkensprühenden
Bombast in opulenten Sätzen aufeinander.
Am Ende aber blieb nur die Asche
der "Zukunft verheißenden Gewalt". Das "Aderndreieck",
wie Roth schreibt, hatte als Folge des Krieges jahrelang nicht mehr pulsiert,
war zur Brache verkommen. Kein Ort, an dem gilt: "Schüchtern
und verstaubt werden die zukünftigen Gräser zwischen metallenen
Schwellen blühen." Im Gegenteil. Ein Kleines war es, die Schwellen
mit der Antigeometrie von Wurzel, Stamm und Blüte zu überwinden.
Dass an dieser Nahtstelle zwischen
Zukunft und Vergangenheit, zwischen Natur und Technik, zwischen Chaos
und Kontrolle nach dem Mauerfall die Metropole erneut entstehen sollte,
ist der Magie des Ortes geschuldet. Und der Wut auf die Niederlage. Birken,
die sich von Eisenschwellen ernähren, Rainfarn, der sich durch Teer
und Schotter bohrt - auf welchem Reißbrett wird so was ertragen?
Das Gleisdreieck wurde zur Einfahrtstelle für die Verkehrsströme
der wieder einmal anbrechenden neuen Zeit erklärt. Eisenbahnen aus
aller Welt sollen von dort aus die Metropole unterirdisch durchqueren.
Seit Jahren wird daran gebaut.
Zu erkennen ist das zukünftig
Mächtige an den in die Erde gebohrten Tunnel, deren Eingänge
sich als offene Mäuler, die in die Unterwelt zeigen, darbieten. Aus
sicherer Entfernung in den U-Bahn-Zügen, die über das Gleisdreieck
schweben, lässt sich das kommende Inferno nicht erahnen. Stattdessen
ist das Mannigfaltige der Konstruktion, die sich hier in ihrer Maßlosigkeit
als Dekonstruktion entlarvt, gleichgültig zu bewundern. "Guck
mal, eine Höhle", schreit ein Kind. "Wird das eine Halfpipe?",
fragt ein anderes. Zugegeben, wir wissen es nicht. Die Fantasie der Kinder
hält nichts fest. Vor Monaten sah es aus wie ein verwegen mit grüner
Plane abgedichtetes Wasserbassin und war doch kein "Schwimmbad".
Seit Jahren strebt am Gleisdreieck
das Holzverschalungshandwerk seinem Höhepunkt entgegen, denn Tunnel
müssen gehätschelt werden. Die Schönheit des Vergänglichen
am Bau protzt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: mit Sandbergen,
Stahlträgerhalden, Betonmischanlagen und Lastwagenparks. Nach und
nach wurde das Gelände eingenommen von der sich perpetuierenden Wichtigkeit
einer Gegenwart, die sich nicht fortentwickeln will, sondern zurückbleibt
auf der Stelle. Das Gleisdreieck: eine Baustelle. Birken und Rainfarn
sind nicht verschwunden, aber sie kommen auch nicht mehr dagegen an. Trost
spenden dem Auge wie so oft nur die Relikte der Vorvergangenheit, weil
sie allem Unvollständigen gegenüber konkret sind: Schrebergärten,
die der neuen Zeit trotzen, und alte verrostete Schuppen, die sich vergessen
gegen die Böschungen ducken.
Vor hundert Jahren löste die
Absicht, die U-Bahn-Linie überirdisch zu führen, einen Sturm
der Entrüstung aus. Die Schönheit des Stadtbilds schien in Gefahr.
Mit der Zeit wurde aus der Ansichtssache eine Aussichtssache.
20. September 2002, die
tageszeitung
Mehr Park, mehr Mehdorn ?
Ein Rechtsgutachten und Bürgerinitiativen
fordern vom Land, das Gleisdreieck bei Vertragsabschluss nicht an die
Bahn zu verscherbeln ...
von ROLF LAUTENSCHLÄGER
Der Brief kam Mitte September direkt aus dem Reichstag. Adressiert war
er an den "sehr geehrten Herrn Regierenden Bürgermeister Wowereit".
Abgesandt hatte das Schreiben Franziska Eichstädt-Bohlig, baupolitische
Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, die Wowereit "eindringlich"
warnte, sich von der Bahn-Immobilientocher Vivico "erpressen zu lassen".
Das Land, so die Abgeordnete, dürfe sich beim Vertrag zur Bebauung
des 62 Hektar großen Gleisdreiecks, auf dem rund 20 Hektar zu einem
öffentlichen Park umgestaltet werden sollen, nicht in die Abhängigkeit
der Bahn begeben. Diese beansprucht möglichst viel Raum für
ihre eigenen Wohn- und Bürohauspläne vor Ort. Und nur wenn Berlin
sich diesen Interessen anschließt, will die Vivico auch den versprochenen
Park realisieren. Ein Deal, den Eichstädt-Bohlig ablehnt.
Hintergrund des Schreibens ist, dass der "Rahmenvertrag zur Gestaltung
des Gleisdreiecks" zwischen dem Land und der Bahn-Tochter derzeit
in der Senatsbauverwaltung beraten wird und danach vom Senat beschlossen
werden soll. Danach ist vorgesehen, ab 2005 mit der Bebauung von fünf
Arealen am Rand der heutigen Brache zu beginnen. Von der Eylauer Straße
im Süden bis hinauf zum Technikmuseum "bietet sich die Chance
für die Entwicklung eines hochwertigen Wohn- und Arbeitsambientes",
wie Vivico-Sprecher Franz-Joseph Graf zu Stolberg euphemistisch meint.
Anlass des Briefes ist zugleich, dass die Bahn jetzt zusätzlich
einen 120 Meter hohen Büroturm für ihr neues Headquarter am
Landwehrkanal bauen möchte und dafür außerordentliches
Planungsrecht benötigt - und ein neues Gutachten als Retourkutsche,
das die Vivico-Planung aus Blöcken und Türmchen insgesamt in
Frage stellt.
In der Tat könnte das von der Bürgerinitiative AG-Gleisdreieck
bei Rudolf Schäfer, Dekan am Fachbereich Architektur der TU, in Auftrag
gegebene Rechtsgutachten für neue Verhältnisse auf dem seit
Jahren umstrittenen Gleisdreieck-Park sorgen. Kommt Schäfer jetzt
doch zu dem Schluss, dass eine Kommune auf Eisenbahnflächen die eigenständige
Planung für sich beanspruchen darf, wenn die Bahn nachweislich die
Flächen "nicht betriebsnotwendig" braucht oder die weitere
Entwicklung "absichtlich verzögert".
Genau dies sei geschehen, argumentieren Schäfer und Eichstädt-Bohlig:
Weder betreibe die Bahn die Flächen noch dürfe sie darum darauf
planen. Außerdem werde das Land von den "finanziellen Interessen
der Bahn unter Druck gesetzt", so Eichstadt-Bohlig, indem diese übermäßig
viel Baufläche (über 17 Hektar) und ein Hochhaus forderte und
erst dann gewillt sei, dort den Status als Bahngelände aufzugeben
und den Park zu realisieren.
Die Parkbefürworter setzen jetzt auf eine Revision der Vivico-Pläne
und den Verzicht des Mehdorn-Turms. Grundlage für die Gestaltung
am Gleisdreieck müsse der 1998 aufgestellte Flächennutzungsplan
bleiben, fordert Christian Schmidt-Hermsdorf von der Bürgerinitiative.
Damals seien 11 Hektar für eine Randbebauung angedacht gewesen und
35 Hektar für die Anlage von Grün- und Sportflächen sowie
der Erhalt der wilden Vegetation. Dieser Status müsse erneut erreicht
werden, sagt Norbert Rheinlaender von der BI-Westtangente: Und zwar indem
das Land wieder "Planungshoheit" über die Fläche erhalte
und zugleich der Vivco zusätzliche Areale zu günstigen Konditionen
abkaufte, um einen größeren Park umzusetzen. "Deshalb
darf der Rahmenvertrag nicht unterzeichnet werden." Notfalls klage
man dagegen.
Friedrichshain-Kreuzbergs grüner Baustadtrat Franz Schulz und die
Bauverwaltung sind skeptisch, ob diese Rechnung aufgeht. Zum einen bestehe
eine Verabredung zwischen Bahn und Land über die Entwidmung, auch
werde das Gelände partiell durch die S-Bahnlinien weiter genutzt.
Zum anderen seien die öffentlichen Kassen zu leer, um Grundstücke
zu erwerben. Schließlich könnte ein neuer Rechtsstreit, so
ein Vertreter der Baubehörde, die Realisierung des Parks im Jahr
2004 weiter verzögern. "Wollen wir das?", fragt er. Vielleicht
hat darum Wowereit Eichstädt-Bohlig noch nicht geantwortet.
20. September 02, die tageszeitung,
Interviev mit Franz Schulz, grüner Baustadtrat
in Friedrichshain-Kreuzberg
"Der Park wird ab 2004 realisiert"
Franz Schulz, grüner Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, hält
nichts von einem Rechtsstreit zwischen Land und Bahn um mehr Parkfläche.
Aber auch wenig von dem Hochhausplan von Eisenbahner Mehdorn am Gleisdreieck
taz: Herr Schulz, sollte der derzeit zwischen Berlin und der Vivico
diskutierte Vertrag für das Gleisdreieck so abgeschlossen werden?
Franz Schulz: Der Vertrag kann aus meiner Sicht unterschrieben werden.
Er ist angesichts der unterschiedlichen Interessenlagen ein vertretbarer
Kompromiss.
Das Rechtsgutachten empfiehlt dem Land, noch einmal genauer hinzugucken,
was es unterschreibt. Zudem glaubt Franziska Eichstädt-Bohlig, dass
die Bahn-Tochter Berlin über den Tisch zieht. Doch ein schlechter
Kompromiss?
Das Gutachten wirft grundsätzlich die Problematik auf, wann der
kommunale Planungsträger die Funktionsunfähigkeit von planfestgestellten
Eisenbahnflächen fordern kann. Das ist auch interessant, weil bislang
die Bundesverwaltungsgerichte sich dazu immer negativ geäußert
und zugleich nie gesagt haben, wann der Tatbestand der Funktionslosigkeit
eintritt.
Also besteht Klärungsbedarf.
Nein. Denn für das Gleisdreieck würde das wenig an Verbesserung
bringen. Die Frage, wann die Entwidmung stattfindet, ist 1994 zwischen
der Senatskanzlei und der Bahn geklärt worden. Da wurde auch verabredet,
dass die Entwidmung in beiderseitigem Einvernehmen zu dem Zeitpunkt stattfinden
soll, wo die Zielvorstellungen für das Gleisdreieck bestehen. Dieses
Einvernehmen liegt mit dem Rahmenvertragsentwurf jetzt vor.
Könnte das Land nicht die Revision der Vereinbarung betreiben
und klagen?
Das haben wir auch geprüft, aber alle Juristen schätzen die
Chancen als gering ein. Zugleich hätten wir ein erhebliches Prozessrisiko
und müssten mit Schadenersatzforderungen der Vivico rechnen, wenn
wir verlieren. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts würde
zudem Jahre dauern. Der Park rückte in weite Ferne.
Verspielt man dadurch nicht die Möglichkeit, mehr Parkfläche
zu erhalten?
Nein. Die festgelegten Parkflächen und das Bauland hielten sich
weiterhin die Waage. Jede Zunahme von Parkflächen hängt von
einer entscheidenden Frage ab, denn der Senat hat gesagt, alles was ihr
dort macht, muss haushaltsneutral sein. Es gibt also keine müde Mark
mehr. Jeder Quadratmeter Parkfläche über die 16 Hektar hinaus,
müsste durch Schaffung von Baurecht kompensiert werden.
Hat der Bezirk am Gleisdreieck noch die Planung in der Hand oder das
Land?
Als Bezirk haben wir die Zuständigkeit für das gesamte Gleisdreieck.
Wenn der Vertrag unterschrieben und von den Parlamenten gebilligt würde,
stellen wir den Bebauungsplan auf, wir führen die Bürgerbeteiligung
durch und schreiben danach städtebauliche Wettbewerbe für die
einzelnen Baufelder aus, die dann zur Bebauung führen.
Wer realisiert den Park?
Bei der Parkfläche wollen wir im Jahr 2003 das Wettbewerbsverfahren
ausschreiben. Das soll über das normale Maß hinaus per Bürgerbeteiligung
geschehen. Ich hoffe, dass 2004 mit der Realisierung auf dem Bereich Anhalter
Güterbahnhof begonnen werden kann.
Die Bahn möchte am Landwehrkanal ein 120 Meter hohes Hochhaus
für ihre neue Firmenzentrale bauen. Was halten Sie davon? Und wird
damit nicht erneut Druck auf Berlin ausgeübt - unter dem Motto: Wenn
wir das nicht kriegen, gibts keinen Park?
Ich bin erst einmal unglücklich darüber, wie dieser Bebauungswunsch
jetzt aufgetaucht ist. Es war kein transparenter Prozess. Das Bezirksamt
und erst recht die Bürger waren nicht beteiligt. Das hat großes
Misstrauen geschürt. Der Vorschlag hat auch darum einen schlechten
Eindruck hinterlassen, weil wir in dieser Planungsphase nur Flächen
vorgeben und noch keineswegs bei konkreten baulichen Bildern angelangt
sind. Und jetzt kommt die Bahn mit einer städtebaulichen Konzeption
und Arbeitsplätzen.
Ich habe auch immer gesagt, man sollte mit in Betracht ziehen, dass diese
Ansiedlung eine wirtschaftspolitische, ja gesamtstädtische Bedeutung
hat.
INTERVIEW: ROLF LAUTENSCHLÄGER
13.09.2002, Tagesspiegel
Turmbauten am Gleisdreieck
Bürgerinitiative: Post AG und Deutsche Bahn AG wollen südlich
des U-Bahnhofes hoch hinaus
Entsteht am Südufer des Landwehrkanals zwischen Flottwellstraße
und Möckernstraße in den kommenden Jahren eine neue Hochhauszeile
als Korrespondenz zum Potsdamer Platz? Noch ist dies eine These,
sagte am Mittwochabend Christian Schmidt-Hermsdorf von der Bürgerinitiative
AG Gleisdreieck auf einer Podiumsdiskussion zum Rahmenvertrag Gleisdreieck,
aber so wird es kommen. Denn der Rahmenvertrag, der einen
knapp über 20 Hektar großen Park und fünf Baufelder auf
dem Gleisdreieck vorsieht, sei viel zu unverbindlich formuliert.
Vor den knapp hundert Zuhörern in der Kreuzberger Wartenburggemeinde
sah Schmidt-Hermsdorf schon außer an der Flottwellstraße auch
einen Turm der Deutschen Post AG im Baufeld Urbane Mitte südlich
des U-Bahnhofs Gleisdreieck in den Himmel wachsen. Und den höchsten
Turm baut natürlich die Deutsche Bahn AG mit bis zu 120 Metern
zwischen dem Deutschen Technikmuseum und der Möckernstraße,
machte Schmidt-Hermsdorf angebliche Pläne der Bahn AG öffentlich.
Indirekt bestätigte Michael Künzel von der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung zumindest diese Pläne. Wenn das Technikmuseum
seinen Erweiterungsbau in der so genannten Ladestraße in Form einer
Public-Privat-Partnership finanziert, dann kann das Baufeld an der Möckernstraße
(Schwechtenpark) aus dem Rahmenvertrag herausgenommen werden. Deshalb
kann dort aber auch nur dort höher gebaut werden.
Ansonsten wollte Künzel aber nicht über noch nicht gefangene
Fische reden. Schon Ende August hatte der ebenfalls auf dem Podium
vertretene Friedrichshainer-Kreuzberger Baustadtrat Franz Schulz (Grüne)
in der Bezirksverordnetenversammlung Verhandlungen zwischen der Bahn AG
und dem Technikmuseum bestätigt. Auf die Frage des SPD-Abgeordneten
Johannes Jügel, welche Gegenleistungen dieser Investor erwarte, antwortete
Schulz, die Bahn AG ist nicht die Heilsarmee. Mehr wollte
der Baustadtrat auch gestern dazu nicht sagen.
Überraschenderweise sprachen sich die Vertreter der AG Gleisdreieck
nicht prinzipiell gegen Hochhäuser aus, obwohl auch sie klimatische
Veränderungen befürchten. Aber so vergrößere sich
die für den Park zur Verfügung stehende Fläche. Grundsätzlich
lehnen sie aber weiter den Rahmenvertrag ab, denn er verstoße gegen
den geltenden Flächennutzungsplan, der 35 Hektar Grünfläche
vorsehe. Senat und Bezirk haben sich von der Vivico, der Immobiliengesellschaft
der Bahn AG, erpressen lassen, sagte dazu Schmidt-Hermsdorf. So
kann man das sehen, erwiderte Schulz, aber er würde es eher
einen Handel nennen. Nach jahrelangem Streit könne jetzt 2004 mit
dem Bau des Parks begonnen werden.Christoph Villinger
13.09.2002, Berliner Zeitung
Gleisdreieck: Bürger wollen klagen
KREUZBERG. Die Arbeitsgemeinschaft Gleisdreieck hat die Pläne für
die Neugestaltung des 62 Hektar großen Areals zwischen Landwehrkanal
und Yorckstraße kritisiert. "Wir werden gegen die Bebauungspläne
klagen", sagte Norbert Rheinlaender nach einer Anwohnerdiskussion.
Der Naturschutz und die Anwohnerinteressen würden nicht ausreichend
berücksichtigt, der Bezirk habe dem Investor zu viele Zugeständnisse
gemacht. Wie berichtet, sind ein 22 Hektar großer Park sowie fünf
Bauflächen vorgesehen. Im Herbst wird dazu ein Rahmenvertrag unterzeichnet.
(ua.)
13. September 2002, Berliner
Morgenpost
Kreuzberg/Schöneberg: Deutsche Bahn plant neuen Hauptsitz auf dem
Gleisdreieck
Anwohner lehnen Hochhäuser zwischen Landwehrkanal und Yorckstraße
ab
Von Guido Hartmann
Die Deutsche Bahn will auf dem Gleisdreieck südlich des Potsdamer
Platzes offenbar ihre neue Konzernzentrale errichten. Bahn-Sprecher Burkhard
Ahlert bestätigte gestern, dass es zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn,
dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenator
Peter Strieder (beide SPD) Gespräche zur Zukunft der Brache zwischen
Yorckstraße und Landwehrkanal gegeben hat.
Zum Inhalt der Gespräche und zur Höhe möglicher Bauten
hüllen sich sowohl Ahlert wie Strieder-Sprecherin Petra Reetz in
Schweigen. Die Anwohnerinitiative AG Gleisdreieck will jedoch erfahren
haben, dass die Bahn auf eigenem Grund ein 120 Meter hohes Verwaltungsgebäude
plant - das wären 20 Meter mehr als der Turm des Sony-Centers. Dort
hat die Bahn vor zwei Jahren mit knapp 1000 Mitarbeitern ihre derzeitige
Konzernzentrale bezogen; für die 27 500 Quadratmeter Bürofläche
wird eine Monatsmiete um 750 000 Euro genannt.
Vor drei Wochen erst hatte die Bahn Pläne zur Bündelung von
2000 ihrer Berlinweit 16 800 Mitarbeiter in einem Neubaukomplex am Nordbahnhof
in Mitte vorgestellt. Ein Teil der 15 Standorte soll dann aufgegeben werden,
die Mitarbeiter der Konzernzentrale würden aber nicht zum Nordbahnhof
ziehen, hieß es damals.
Auf dem 62 Hektar großen Gleisdreieck gibt es Widerstand der AG
Gleisdreieck gegen eine derart hochgeschossige Bebauung, viele Anwohner
befürchten eine Verschlechterung des «Mikroklimas im Kiez».
Im Poker um das Gleisdreieck seien das Land Berlin und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
der Bahn-Immobilientochter Vivico «auf den Leim gegangen»,
behauptete Christian Schmidt-Hermsdorf von der AG am Mittwoch bei einer
Podiumsdiskussion mit Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) und Michael
Künzel von der Senatsverwaltung. Die Initiative kritisiert aber vor
allem, dass sich der geplante Park inmitten der fünf zu bebauenden
Flächen lediglich auf etwa 30 Hektar erstrecken soll. Baustadtrat
Schulz dagegen hält die in einem Rahmenvertrag zwischen Vivico und
öffentlicher Hand festgeschriebene Flächenaufteilung allerdings
für einen vertretbaren Kompromiss. Nach 20 Jahren Diskussion könne
es nun auf dem öffentlich nicht zugänglichen Areal losgehen.
Für den Fall, dass das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordneten
dem Rahmenvertrag zustimmten, versprach Schulz einen Bebauungsplan mit
«frühzeitiger Bürgerbeteiligung». Auch Michael Künzel
von der Senatsverwaltung wertete den Rahmenvertrag als akzeptablen Kompromiss,
weil auch die Bahn als überwiegender Eigentümer des Gleisdreiecks
Zugeständnisse gemacht habe.
12.09.2002, Der Tagesspiegel
Bahn plant Hochhaus auf dem Gleisdreieck
Senat bestätigt Verhandlungen über Standort für Konzernzentrale
Errichtet die Deutsche Bahn AG ihre neue Konzernzentrale in einem 120
Meter hohen Turm auf dem Gleisdreieck südlich des Potsdamer Platzes?
Entsprechende Gespräche zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn, dem Regierenden
Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und dem Senator für Stadtentwicklung,
Peter Strieder (SPD) haben stattgefunden, sagte gestern Petra
Reetz, Sprecherin des Senators. Zum Inhalt der Gespräche, die fortgesetzt
werden, insbesondere zur Höhe möglicher Bauten, wollte sie sich
nicht äußern. Auch Burkhard Ahlert, Sprecher der Bahn AG, bestätigte
nur, dass das Gleisdreieck als einer von drei möglichen Standorten
in Berlin für die Konzernzentrale im Gespräch ist. Aber
noch stehe man am Beginn der Verhandlungen und nichts sei entschieden.
Matthias Bauer von der Bürgerinitiative AG Gleisdreieck berichtete,
dass sich Strieder aus städtebaulicher Sicht heftig gegen die
Planungen eines bis zu 120 Metern hohen Hochhauses wehre. Ein solches
Gebäude auf dem bahneigenen Gelände würde den Turm des
Sony-Centers, in dem die Bahn AG zur Zeit residiert, um etwa 20 Meter
überragen.
Franz Schulz (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg,
findet es zwar seltsam, dass das Bezirksamt von den Geheimverhandlungen
nichts weiß, würde aber wegen der vielen Arbeitsplätze
eine Ansiedlung der Bahn AG an diesem Standort begrüßen. Noch
im August hatte Olaf Schwabe von der Immobiliengesellschaft der Bahn AG
erklärt, am Potsdamer Platz werden wir bleiben. Am Nordbahnhofs
beginnt die Bahn AG zugleich Anfang 2003 mit dem Bau eines Verwaltungskomplexes
für 2 000 Mitarbeiter. Christoph Villinger
11.09.2002, Berliner Zeitung
Kommt die Bahn aufs Gleisdreieck?
Unternehmen erwägt Bau der Konzernzentrale / Chefgespräche laufen
von Uwe Aulich
KREUZBERG. Auf dem Gleisdreieck zwischen Landwehrkanal und Yorckstraße
will die Deutsche Bahn AG (DB) möglicherweise ihre neue Konzernzentrale
errichten. Bereits im Juli gab es zu diesem Vorhaben ein Chefgespräch
zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn, Berlins Regierendem Bürgermeister
Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (beide SPD).
Ob sich die Bahn tatsächlich für den Standort entscheidet, hängt
davon ab, wieviel Platz das Land Berlin dort der Bahn zur Verfügung
stellt und wie hoch gebaut werden darf. Wie es aus Senatskreisen heißt,
solle ein weiteres Chefgespräch noch in diesem Monat stattfinden.
Der Bahnvorstand hat derzeit seinen Sitz im Sony-Center am Potsdamer
Platz. Ihm liegen auch Angebote von Investoren vor, die Konzernzentrale
am Alexanderplatz zu errichten. Der Senat wünscht sich aber das Gleisdreieck,
um den Standort vis-a-vis dem Potsdamer Platz aufzuwerten.
Große Teile des 62 Hektar großen Gleisdreiecks liegen derzeit
brach. Der Senat, die Vivico Projektentwicklung als Immobiliengesellschaft
der Bahn und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg haben sich jetzt
auf ein Konzept für die Umgestaltung des Areals verständigt.
So sollen fünf Flächen ausgewiesen werden, die mit Wohn- und
Geschäftshäusern bebaut werden können. Für die Anwohner
entstehen ein knapp 22 Hektar großer Park sowie Sportflächen.
Die Projekte sind in einem Rahmenvertrag festgeschrieben, den Senat und
Vivico spätestens im November unterzeichnen wollen. Für die
Entwicklung des Areals veranschlagt Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt einen
Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Etwa zwei Drittel der Fläche auf dem
Gleisdreieck gehören noch der Vivico. Dem Land stehen für den
Ankauf und die Gestaltung von Parkflächen rund 24 Millionen Euro
zur Verfügung. Diese Summe haben die Investoren des Potsdamer Platzes
als Ausgleich für die dichte Bebauung dort gezahlt.
Kritik an dem Projekt kommt von der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck.
Ihren Mitgliedern ist der Park immer noch zu klein, obwohl ursprünglich
nur 16 Hektar vorgesehen waren. Brandt ärgert sich über den
erneuten Störversuch: "Man kann so ein Projekt auch tot reden."
Franz Schulz (Grüne), Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, findet
die DB-Zentrale auf dem Gleisdreieck eine "spannende Idee".
Ihn stört aber, dass er vom Senat nicht über die Chefgespräche
und die Höhe der Neubauten informiert wurde. Deshalb will er sofort
Bebauungspläne für das Gleisdreieck erarbeiten lassen, wenn
der Rahmenvertrag unterzeichnet ist. Schulz: "Dann kommt für
alle die Stunde der Wahrheit."
11. September 2002, Berliner
Morgenpost
Gleisdreieck: Vertrag kurz vor dem Abschluss
Kreuzberg
Nach jahrelangem Ringen um die Gestaltung des Gleisdreiecks steht der
Rahmenvertrag zwischen Senat, Bezirk und der Bahn-Immobiliengesellschaft
Vivico unmittelbar vor dem Abschluss. Am 19. September wollen die Bezirksausschüsse
für Stadtplanung und Umwelt über den Vertrag abstimmen, der
das auf bis zu 15 Jahre veranschlagte Großprojekt festschreiben
wird.
Den Planungen zufolge werden auf einem Drittel der 62 Hektar großen
Brache Wohn- und Gewerbebauten entstehen. Herzstück des neuen Stadtteils
soll ein etwa 30 Hektar großer Park werden. Die endgültige
Aufteilung zwischen Grün- und Bebauungsfläche sorgt noch für
Diskussionen. Vor einer Entscheidung laden heute AG Gleisdreieck und Bürgerinitiative
Westtangente zu einer öffentlichen Veranstaltung in den Gemeindesaal
in der Wartenburgstraße 7. Von 19.30 Uhr an diskutieren Vertreter
der AG u. a. mit Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) über die Gestaltung
des Areals, das derzeit als Baulogistik-Fläche genutzt wird. ha
August 2002, Kreuzberger Horn
Nichts Neues vom Gleisdreieck: Versprochen, gebrochen !
Unter dem Titel "Wird das Gleisdreieck zugebaut" hatten wir
im "Kreuzberger Horn" vor einem Jahr über das Gleisdreieck
berichtet. Soweit aus verschlossenen Türen nach außen sickert,
hat sich gegenüber dem damaligen Planungstand im Prinzip nichts geändert.
Insofern gibt es auch kaum neues zu berichten. Deshalb auch nur in Kürze
folgendes:
Immer noch steht der Rahmenvertrag zwischen der VIVICO (Vermarkter der
DB AG) und dem Land Berlin kurz vor der Entscheidung - wie vor einem Jahr
mit fast unverändert enttäuschendem Ergebnis:
Die Zielvorstellungen der VIVICO haben sich durchgesetzt. Die Baufläche
von 11 ha, die der DB AG bereits nach dem Flächennutzungsplan vom
Berlin zugestanden wurden haben sich auf über 21 ha nahezu verdoppelt.
Das Land und der Bezirk, vertreten durch Stadtentwicklungssenator Strieder
(SPD) und Baustadtrat Schulz (Grüne) haben ihre Ziele im Verhandlungspoker
mit der VIVICO weitgehend aufgegeben: Aus einem großzügigen
Park inmitten Berlins und in Ergänzung zum Deutschen Technikmuseum
mit Nord-Südverbindungen zum Tiergarten und zum Südgelände
, wird nichts. Gemessen an dieser realisierbaren Vision, verbleibt nach
den Planungen der VIVICO ein Restpark inmitten von Wohnparks wie dem Schwechtenpark
(3,8 ha) , der Flottwellpromenade (2,8 ha) , dem Yorckdreieck (2,8 ha),
der Urbanen Mitte (4,6 ha) und dem Möckernkiez (3 ha). Dazu kommen
die bereits überbauten Flächen der Post AG (3,5 ha) und das
Parkhaus Debis (1 ha).
In Berlin stehen tausende von Quadratmetern an zu teueren und unvermietbaren
Büro- und Wohnflächen leer. Zu befürchten ist, dass die
Planungsabsichten der VIVICO- wenn sie denn überhaupt angesichts
der Vermarktungsrisiken in den nächsten 15 bis 20 Jahren realisiert
werden sollten - den vorhandenen Leerstand weiter mehren werden. Diese
können die dann fehlenden Park- Spiel- und Freizeitflächen nicht
ersetzen. Eine einmalige Chance für alle an das Gleisdreieck angrenzenden
Innenstadtbezirke wäre verspielt und eine Chance gegen die Stadtflucht
junger Familien mit Kindern unwiderruflich vertan.
Erstaunlich an der neuen Flächenbilanz ist die wundersame Vermehrung
der Gesamtfläche auf dem Gleisdreieck. Die ursprünglich im FNP
ausgewiesenen, zugänglichnen Park- und Sportflächen von ca.
25 ha sollen gleich groß geblieben sein, obwohl die bisher im FNP
ausgewiesenen Bauflächen sich zu Lasten von Freiflächen vergrößert
haben und um zwei zusätzliche Baufelder (Flotwellpromende, Schwechtenpark)
ergänzt wurden?. Wie das?
Eine Neuigkeiten gibt es aber doch:
- Streit gab es zwischen Senat, VIVICO und dem Bahn-Chef Mehdorn, der
im Stiftungsrat des DTM (Deutsches Technikmuseum) sitzt. Mehdorn empörte
sich zu Recht über das neue Baufeld Schwechtenpark auf der alten
Ladestrasse des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs. Die Ladestraße
soll nach gültigem Flächennutzungsplan als Erweiterungsfläche
des Technikmuseums erhalten und nicht durch einem Schwechtenpark überbaut
werden.
- Nach dem Entwurf der Rahmenvereinbarung mit der VIVICO soll nun die
DB AG in Aussicht gestellt haben, die Fläche des Schwechtenparks
durch Bereitstellung anderer Ersatzflächen zu erwerben. Für
diesen Fall sieht die Rahmenvereinbarung eine Anpassungsmöglichkeit
vor, die die Museumserweiterung als public-privat-Partnership-Projekt
ermöglichen soll.
- Nach allerletzten Meldungen wünscht Mehdorn im Rahmen einer solchen
Partnerschaft dann aber auch die Realisierung einer weiteren Hochhausscheibe
als Headquarter der DB AG, höher als alle anderen bereits geplanten
Hochhäuser auf dem Gleisdreieck, dem Head-Quarter der Post in der
"Urbanen Mitte", dem Hochhaus "Yorkdreieck" und
dem Hochhaus-Pendant zum Debis-Turm im Eingangsbereich der "Flottwell-Promenade"
mit ihren 7 bis 12-Geschossern.
Mehr und Ausführliches von der AG-Gleisdreieck im Internet unter:
www.berlin-gleisdreieck.de
Mehr auch auf der Veranstaltung zu den Rahmenvereinbarungen zum Gleisdreieck:
am Mittwoch, den 11.09.02 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Christusgemeinde
in der Wartenburgstr.7, Veranstalter AG Gleisdreieck und Bezirk
Kreuzberg-Friedrichshain. Dann soll erstmals wieder die Öffentlichkeit
unterrichtet werden.
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