Der Tagesspiegel, 23. 12. 2002

Eine Stadt schlägt Rad

Nach Londoner Vorbild: Am Gleisdreieck plant Info-Box-Erfinder Nishen das größte Riesenrad der Welt

Von Christoph Villinger

Wird man in wenigen Jahren in einem Riesenrad den Himmel über Berlin berühren können? Der Berliner Konzeptplaner Dirk Nishen bestätigte gestern entsprechende Pläne. "Das größte Riesenrad der Welt" soll mit einer Höhe von 150 Metern auf dem Gleisdreieck in der Nähe des Deutschen Technik Museums entstehen. "Seit einigen Monaten führen wir intensive Gespräche mit dem Land Berlin", sagt er, insbesondere mit dem Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD). Es liege schon ein konkreter Entwurf auf dem Tisch, "der vom TÜV überprüft worden ist". Auch zeige sich eine ausländische Investorengruppe sehr interessiert an dem Projekt.

"Das ist eine Superchance für Berlin", sagt Nishen. Die Attraktion werde viele Touristen zusätzlich in die Stadt locken. Deshalb ist er sehr zuversichtlich, dass das Projekt sich rechnet. Doch mehr will er nicht verraten, solange das Konzept mit dem Land Berlin, dem Bezirk und dem Technik-Museum noch nicht endgültig abgestimmt sei.

Nishen hat sich bisher in Berlin einen Namen als Buchverleger gemacht. Auch gilt er als Erfinder der Info-Box am Potsdamer Platz und entwickelte das Konzept der Ausstellung "Story of Berlin" im Kudamm-Karree. Damit habe er bewiesen, "dass meine Projekte alle Hand und Fuß haben", sagte Nishen.

Das bis heute größte Riesenrad der Welt dreht sich seit Februar 2000 an den Ufern der Themse in London. Mit einer Höhe von 135 und einem Durchmesser von 120 Metern braucht das so genannte "Eye of London" für eine ganze Runde etwa eine halbe Stunde. Aus 32 Gondeln kann man einen einzigartigen Ausblick auf London genießen. Die Glaskabinen bieten Sitzplätze für 25 Personen und werden mit Hilfe von zwei Elektromotoren in Rotation versetzt, wobei die Passagiere immer in der Vertikalen blieben. Ein- und Aussteigen ist ohne Halt möglich, da sich das Riesenrad kontinuierlich in einer langsamen Schrittgeschwindigkeit dreht. Das überwiegend von British Airways finanzierte Projekt wurde nach einem Entwurf des Architektenehepaares Julia Barfield und David Marks gebaut. Obwohl das Ticket für einen Erwachsenen zehn Euro kostet, ist der Andrang enorm. Die Fahrkarten müssen teilweise etliche Tage im Voraus gebucht werden. Der Bau des "Eye of London" war allerdings von zahlreichen technischen Schwierigkeiten begleitet. Im September 1999 gelang es zunächst nicht, das 1500 Tonnen schwere Bauwerk rechtzeitig zur Millenniumsfeier aufzustellen.

Doch technische Probleme sieht der Kreuzberger Nishen nicht. "Wir haben da einige Fachleute aus dem Bereich Riesenradbau mit im Boot." Auf der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung des zuständigen Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg stieß das Projekt allerdings auf eine gewisse Skepsis. "Uns bleibt auch nichts erspart", stöhnte ein Bezirksverordneter, als Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) das Projekt kurz vorstellte. Konkretere Pläne werde es aber erst Ende Januar geben, sagte Schulz. Dann könne es auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Besonders die enge Abstimmung mit den Anwohnern liegt Dirk Nishen am Herzen. Er verspricht auch gleich, dass der Rad im Betrieb "praktisch lautlos sei". "Wir wollen das Riesenrad mit den Berlinern entwickeln, und nicht gegen die Berliner, wie damals die Olympiabewerbung."

 

Berliner Morgenpost, 21.12.2002

Das größte Riesenrad fürs Gleisdreieck

Kreuzberg: London ist Vorbild für «Sky Wheel»-Projekt

Von Guido Hartmann

Auf dem Gleisdreieck südlich des Potsdamer Platzes wird möglicherweise das größte Riesenrad der Welt aufgestellt. Mit einer Höhe von 150 Metern wäre das geplante «Sky Wheel» bis zum Alexanderplatz sichtbar und noch einmal 15 Meter höher als das sogenannte Millenium-Riesenrad am Südufer der Themse in London.

Die Idee zu dem ehrgeizigen Vorhaben hat der Berliner Konzeptplaner Dirk Nishen entwickelt. «Es gibt Überlegungen, etwas in der Richtung zu machen», bestätigt der ehemalige Kreuzberger Buchverleger, der als Erfinder der Info-Box am Potsdamer Platz bekannt geworden ist. Derzeit macht der 49-Jährige gute Umsätze mit der Ausstellung «Story of Berlin» im Kudamm-Karree. «Dass meine Projekte Hand und Fuß haben, habe ich bewiesen», sagt Nishen. Genauere Angaben zur Planung und Finanzierung des Riesenrades sowie zu seinen Partnern möchte er noch nicht machen. Der Entwurf sei aber bereits vom Tüv geprüft worden.

«Es wird ein großes Riesenrad, ähnlich wie das in London, aber schöner», schwärmt Nishen. Geplant sei eine enge thematische Zusammenarbeit mit dem Deutschen Technikmuseum, daher auch der Standort Gleisdreieck. In London wurde der Bau des Riesenrads von unzähligen Schwierigkeiten begleitet. Nachdem bei der Konstruktion des 1700 Tonnen schweren Kolosses immer wieder technische Schwierigkeiten auftraten, blieb die mehr als eine Milliarde Euro teure Attraktion in der geplanten Eröffnungsnacht zu Silvester 1999/2000 erst einmal geschlossen.

«In London haben sie Fehler gemacht, es läuft aber mittlerweile profitabel», gibt sich Dirk Nishen optimistisch. In der Tat zahlen an der Themse täglich an die 10 000 Besucher umgerechnet mehr als zehn Euro, um aus einer der 32 gläsernen Kabinen den Blick auf die Metropole zu genießen. Dem Vernehmen nach müssten in Berlin jährlich zwischen 600 000 und einer Million Besucher in die Gondeln steigen, damit sich das «Sky Wheel» profitabel drehen kann.

Weniger begeistert klang die erste Reaktion am Donnerstagabend im Stadtplanungsausschuss von Friedrichshain-Kreuzberg: «Uns bleibt auch nichts erspart» hieß es, als Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) die erstaunten Verordneten erstmals über das Mega-Projekt informierte.

Im Januar möchte Konzeptplaner Nishen seine Pläne konkretisieren. Berliner Politiker hätten bisher positiv auf das neue Projekt reagiert. Wie Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte, steht Senator Peter Strieder (SPD) dem möglichen neuen «Highlight» aufgeschlossen gegenüber, auch mit dem Standort Gleisdreieck sei er zufrieden.

Fraglich ist, wie sich Bezirksverordnete in der Sache positionieren werden. Wie sich derzeit bei den Plänen zur Anschutz-Arena am Spreeufer zeigt, steht man Großprojekten in Friedrichshain-Kreuzberg prinzipiell eher kritisch gegenüber. Auch für die Bürgerbeteiligung erwartet Baustadtrat Franz Schulz «lebhafte Diskussionen».

 

17.10.2002, die tageszeitung

Poesie der Baustelle

Als "Tempel der Technik" bezeichnete Joseph Roth es vor achtzig Jahren. Zwischenzeitlich Brache, entfaltet das Gleisdreieck nun wieder neue Magie

von WALTRAUD SCHWAB (Text)
und ROLF SCHULTEN (Fotos)

Auf dem Gleisdreieck findet eine Zeitreise statt. Soll sich hier doch die Entstehung der Metropole zeigen. Schon vor achtzig Jahren war das so. "Ich bekenne mich zum Gleisdreieck", schrieb Joseph Roth 1922. Der Großstadtflaneur sah in den gewagten Stahlträgerkonstruktionen der sich kreuzenden Hochbahnen und den damals dort verkehrenden Fernzügen und S- Bahnen "Anfangsbrennpunkt eines Lebenskreises und fantastisches Produkt einer Zukunft verheißenden Gewalt".

Futuristische Maschinenverliebtheit hat Roth mit einer dunklen, apokalyptischen Note kombiniert. Sein Metropolis frisst den Menschen. Dass der noch Kinder zeugt, Lichter in Stuben anzündet, seine Suppe mit dem Löffel isst, macht ihn zur kleinlichen Randfigur in einem Szenario, in dem vielmehr gilt: "Eiserne Landschaft, großartiger Tempel der Technik unter freiem Himmel." Der Rauch der Fabriken wird zum Weihrauch eines " ewigen Gottesdienstes der Maschinen im weiten Umfang dieser Landschaft aus Eisen und Stahl, deren Ende kein menschliches Auge sieht". Der Journalist häufte den funkensprühenden Bombast in opulenten Sätzen aufeinander.

Am Ende aber blieb nur die Asche der "Zukunft verheißenden Gewalt". Das "Aderndreieck", wie Roth schreibt, hatte als Folge des Krieges jahrelang nicht mehr pulsiert, war zur Brache verkommen. Kein Ort, an dem gilt: "Schüchtern und verstaubt werden die zukünftigen Gräser zwischen metallenen Schwellen blühen." Im Gegenteil. Ein Kleines war es, die Schwellen mit der Antigeometrie von Wurzel, Stamm und Blüte zu überwinden.

Dass an dieser Nahtstelle zwischen Zukunft und Vergangenheit, zwischen Natur und Technik, zwischen Chaos und Kontrolle nach dem Mauerfall die Metropole erneut entstehen sollte, ist der Magie des Ortes geschuldet. Und der Wut auf die Niederlage. Birken, die sich von Eisenschwellen ernähren, Rainfarn, der sich durch Teer und Schotter bohrt - auf welchem Reißbrett wird so was ertragen? Das Gleisdreieck wurde zur Einfahrtstelle für die Verkehrsströme der wieder einmal anbrechenden neuen Zeit erklärt. Eisenbahnen aus aller Welt sollen von dort aus die Metropole unterirdisch durchqueren. Seit Jahren wird daran gebaut.

Zu erkennen ist das zukünftig Mächtige an den in die Erde gebohrten Tunnel, deren Eingänge sich als offene Mäuler, die in die Unterwelt zeigen, darbieten. Aus sicherer Entfernung in den U-Bahn-Zügen, die über das Gleisdreieck schweben, lässt sich das kommende Inferno nicht erahnen. Stattdessen ist das Mannigfaltige der Konstruktion, die sich hier in ihrer Maßlosigkeit als Dekonstruktion entlarvt, gleichgültig zu bewundern. "Guck mal, eine Höhle", schreit ein Kind. "Wird das eine Halfpipe?", fragt ein anderes. Zugegeben, wir wissen es nicht. Die Fantasie der Kinder hält nichts fest. Vor Monaten sah es aus wie ein verwegen mit grüner Plane abgedichtetes Wasserbassin und war doch kein "Schwimmbad".

Seit Jahren strebt am Gleisdreieck das Holzverschalungshandwerk seinem Höhepunkt entgegen, denn Tunnel müssen gehätschelt werden. Die Schönheit des Vergänglichen am Bau protzt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: mit Sandbergen, Stahlträgerhalden, Betonmischanlagen und Lastwagenparks. Nach und nach wurde das Gelände eingenommen von der sich perpetuierenden Wichtigkeit einer Gegenwart, die sich nicht fortentwickeln will, sondern zurückbleibt auf der Stelle. Das Gleisdreieck: eine Baustelle. Birken und Rainfarn sind nicht verschwunden, aber sie kommen auch nicht mehr dagegen an. Trost spenden dem Auge wie so oft nur die Relikte der Vorvergangenheit, weil sie allem Unvollständigen gegenüber konkret sind: Schrebergärten, die der neuen Zeit trotzen, und alte verrostete Schuppen, die sich vergessen gegen die Böschungen ducken.

Vor hundert Jahren löste die Absicht, die U-Bahn-Linie überirdisch zu führen, einen Sturm der Entrüstung aus. Die Schönheit des Stadtbilds schien in Gefahr. Mit der Zeit wurde aus der Ansichtssache eine Aussichtssache.

20. September 2002, die tageszeitung

Mehr Park, mehr Mehdorn ?

Ein Rechtsgutachten und Bürgerinitiativen fordern vom Land, das Gleisdreieck bei Vertragsabschluss nicht an die Bahn zu verscherbeln ...

von ROLF LAUTENSCHLÄGER

Der Brief kam Mitte September direkt aus dem Reichstag. Adressiert war er an den "sehr geehrten Herrn Regierenden Bürgermeister Wowereit". Abgesandt hatte das Schreiben Franziska Eichstädt-Bohlig, baupolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, die Wowereit "eindringlich" warnte, sich von der Bahn-Immobilientocher Vivico "erpressen zu lassen". Das Land, so die Abgeordnete, dürfe sich beim Vertrag zur Bebauung des 62 Hektar großen Gleisdreiecks, auf dem rund 20 Hektar zu einem öffentlichen Park umgestaltet werden sollen, nicht in die Abhängigkeit der Bahn begeben. Diese beansprucht möglichst viel Raum für ihre eigenen Wohn- und Bürohauspläne vor Ort. Und nur wenn Berlin sich diesen Interessen anschließt, will die Vivico auch den versprochenen Park realisieren. Ein Deal, den Eichstädt-Bohlig ablehnt.

Hintergrund des Schreibens ist, dass der "Rahmenvertrag zur Gestaltung des Gleisdreiecks" zwischen dem Land und der Bahn-Tochter derzeit in der Senatsbauverwaltung beraten wird und danach vom Senat beschlossen werden soll. Danach ist vorgesehen, ab 2005 mit der Bebauung von fünf Arealen am Rand der heutigen Brache zu beginnen. Von der Eylauer Straße im Süden bis hinauf zum Technikmuseum "bietet sich die Chance für die Entwicklung eines hochwertigen Wohn- und Arbeitsambientes", wie Vivico-Sprecher Franz-Joseph Graf zu Stolberg euphemistisch meint.

Anlass des Briefes ist zugleich, dass die Bahn jetzt zusätzlich einen 120 Meter hohen Büroturm für ihr neues Headquarter am Landwehrkanal bauen möchte und dafür außerordentliches Planungsrecht benötigt - und ein neues Gutachten als Retourkutsche, das die Vivico-Planung aus Blöcken und Türmchen insgesamt in Frage stellt.

In der Tat könnte das von der Bürgerinitiative AG-Gleisdreieck bei Rudolf Schäfer, Dekan am Fachbereich Architektur der TU, in Auftrag gegebene Rechtsgutachten für neue Verhältnisse auf dem seit Jahren umstrittenen Gleisdreieck-Park sorgen. Kommt Schäfer jetzt doch zu dem Schluss, dass eine Kommune auf Eisenbahnflächen die eigenständige Planung für sich beanspruchen darf, wenn die Bahn nachweislich die Flächen "nicht betriebsnotwendig" braucht oder die weitere Entwicklung "absichtlich verzögert".

Genau dies sei geschehen, argumentieren Schäfer und Eichstädt-Bohlig: Weder betreibe die Bahn die Flächen noch dürfe sie darum darauf planen. Außerdem werde das Land von den "finanziellen Interessen der Bahn unter Druck gesetzt", so Eichstadt-Bohlig, indem diese übermäßig viel Baufläche (über 17 Hektar) und ein Hochhaus forderte und erst dann gewillt sei, dort den Status als Bahngelände aufzugeben und den Park zu realisieren.

Die Parkbefürworter setzen jetzt auf eine Revision der Vivico-Pläne und den Verzicht des Mehdorn-Turms. Grundlage für die Gestaltung am Gleisdreieck müsse der 1998 aufgestellte Flächennutzungsplan bleiben, fordert Christian Schmidt-Hermsdorf von der Bürgerinitiative. Damals seien 11 Hektar für eine Randbebauung angedacht gewesen und 35 Hektar für die Anlage von Grün- und Sportflächen sowie der Erhalt der wilden Vegetation. Dieser Status müsse erneut erreicht werden, sagt Norbert Rheinlaender von der BI-Westtangente: Und zwar indem das Land wieder "Planungshoheit" über die Fläche erhalte und zugleich der Vivco zusätzliche Areale zu günstigen Konditionen abkaufte, um einen größeren Park umzusetzen. "Deshalb darf der Rahmenvertrag nicht unterzeichnet werden." Notfalls klage man dagegen.

Friedrichshain-Kreuzbergs grüner Baustadtrat Franz Schulz und die Bauverwaltung sind skeptisch, ob diese Rechnung aufgeht. Zum einen bestehe eine Verabredung zwischen Bahn und Land über die Entwidmung, auch werde das Gelände partiell durch die S-Bahnlinien weiter genutzt. Zum anderen seien die öffentlichen Kassen zu leer, um Grundstücke zu erwerben. Schließlich könnte ein neuer Rechtsstreit, so ein Vertreter der Baubehörde, die Realisierung des Parks im Jahr 2004 weiter verzögern. "Wollen wir das?", fragt er. Vielleicht hat darum Wowereit Eichstädt-Bohlig noch nicht geantwortet.

20. September 02, die tageszeitung,
Interviev mit Franz Schulz, grüner Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg

"Der Park wird ab 2004 realisiert"

Franz Schulz, grüner Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, hält nichts von einem Rechtsstreit zwischen Land und Bahn um mehr Parkfläche. Aber auch wenig von dem Hochhausplan von Eisenbahner Mehdorn am Gleisdreieck

taz: Herr Schulz, sollte der derzeit zwischen Berlin und der Vivico diskutierte Vertrag für das Gleisdreieck so abgeschlossen werden?

Franz Schulz: Der Vertrag kann aus meiner Sicht unterschrieben werden. Er ist angesichts der unterschiedlichen Interessenlagen ein vertretbarer Kompromiss.

Das Rechtsgutachten empfiehlt dem Land, noch einmal genauer hinzugucken, was es unterschreibt. Zudem glaubt Franziska Eichstädt-Bohlig, dass die Bahn-Tochter Berlin über den Tisch zieht. Doch ein schlechter Kompromiss?

Das Gutachten wirft grundsätzlich die Problematik auf, wann der kommunale Planungsträger die Funktionsunfähigkeit von planfestgestellten Eisenbahnflächen fordern kann. Das ist auch interessant, weil bislang die Bundesverwaltungsgerichte sich dazu immer negativ geäußert und zugleich nie gesagt haben, wann der Tatbestand der Funktionslosigkeit eintritt.

Also besteht Klärungsbedarf.

Nein. Denn für das Gleisdreieck würde das wenig an Verbesserung bringen. Die Frage, wann die Entwidmung stattfindet, ist 1994 zwischen der Senatskanzlei und der Bahn geklärt worden. Da wurde auch verabredet, dass die Entwidmung in beiderseitigem Einvernehmen zu dem Zeitpunkt stattfinden soll, wo die Zielvorstellungen für das Gleisdreieck bestehen. Dieses Einvernehmen liegt mit dem Rahmenvertragsentwurf jetzt vor.

Könnte das Land nicht die Revision der Vereinbarung betreiben und klagen?

Das haben wir auch geprüft, aber alle Juristen schätzen die Chancen als gering ein. Zugleich hätten wir ein erhebliches Prozessrisiko und müssten mit Schadenersatzforderungen der Vivico rechnen, wenn wir verlieren. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts würde zudem Jahre dauern. Der Park rückte in weite Ferne.

Verspielt man dadurch nicht die Möglichkeit, mehr Parkfläche zu erhalten?

Nein. Die festgelegten Parkflächen und das Bauland hielten sich weiterhin die Waage. Jede Zunahme von Parkflächen hängt von einer entscheidenden Frage ab, denn der Senat hat gesagt, alles was ihr dort macht, muss haushaltsneutral sein. Es gibt also keine müde Mark mehr. Jeder Quadratmeter Parkfläche über die 16 Hektar hinaus, müsste durch Schaffung von Baurecht kompensiert werden.

Hat der Bezirk am Gleisdreieck noch die Planung in der Hand oder das Land?

Als Bezirk haben wir die Zuständigkeit für das gesamte Gleisdreieck. Wenn der Vertrag unterschrieben und von den Parlamenten gebilligt würde, stellen wir den Bebauungsplan auf, wir führen die Bürgerbeteiligung durch und schreiben danach städtebauliche Wettbewerbe für die einzelnen Baufelder aus, die dann zur Bebauung führen.

Wer realisiert den Park?

Bei der Parkfläche wollen wir im Jahr 2003 das Wettbewerbsverfahren ausschreiben. Das soll über das normale Maß hinaus per Bürgerbeteiligung geschehen. Ich hoffe, dass 2004 mit der Realisierung auf dem Bereich Anhalter Güterbahnhof begonnen werden kann.

Die Bahn möchte am Landwehrkanal ein 120 Meter hohes Hochhaus für ihre neue Firmenzentrale bauen. Was halten Sie davon? Und wird damit nicht erneut Druck auf Berlin ausgeübt - unter dem Motto: Wenn wir das nicht kriegen, gibts keinen Park?

Ich bin erst einmal unglücklich darüber, wie dieser Bebauungswunsch jetzt aufgetaucht ist. Es war kein transparenter Prozess. Das Bezirksamt und erst recht die Bürger waren nicht beteiligt. Das hat großes Misstrauen geschürt. Der Vorschlag hat auch darum einen schlechten Eindruck hinterlassen, weil wir in dieser Planungsphase nur Flächen vorgeben und noch keineswegs bei konkreten baulichen Bildern angelangt sind. Und jetzt kommt die Bahn mit einer städtebaulichen Konzeption …

… und Arbeitsplätzen.

Ich habe auch immer gesagt, man sollte mit in Betracht ziehen, dass diese Ansiedlung eine wirtschaftspolitische, ja gesamtstädtische Bedeutung hat.
INTERVIEW: ROLF LAUTENSCHLÄGER

13.09.2002, Tagesspiegel

Turmbauten am Gleisdreieck

Bürgerinitiative: Post AG und Deutsche Bahn AG wollen südlich des U-Bahnhofes hoch hinaus

Entsteht am Südufer des Landwehrkanals zwischen Flottwellstraße und Möckernstraße in den kommenden Jahren eine neue Hochhauszeile als Korrespondenz zum Potsdamer Platz? „Noch ist dies eine These“, sagte am Mittwochabend Christian Schmidt-Hermsdorf von der Bürgerinitiative AG Gleisdreieck auf einer Podiumsdiskussion zum Rahmenvertrag Gleisdreieck, „aber so wird es kommen“. Denn der Rahmenvertrag, der einen knapp über 20 Hektar großen Park und fünf Baufelder auf dem Gleisdreieck vorsieht, sei viel zu unverbindlich formuliert.

Vor den knapp hundert Zuhörern in der Kreuzberger Wartenburggemeinde sah Schmidt-Hermsdorf schon außer an der Flottwellstraße auch einen Turm der Deutschen Post AG im Baufeld „Urbane Mitte“ südlich des U-Bahnhofs Gleisdreieck in den Himmel wachsen. „Und den höchsten Turm baut natürlich die Deutsche Bahn AG mit bis zu 120 Metern“ zwischen dem Deutschen Technikmuseum und der Möckernstraße, machte Schmidt-Hermsdorf angebliche Pläne der Bahn AG öffentlich.

Indirekt bestätigte Michael Künzel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zumindest diese Pläne. „Wenn das Technikmuseum seinen Erweiterungsbau in der so genannten Ladestraße in Form einer Public-Privat-Partnership finanziert, dann kann das Baufeld an der Möckernstraße (Schwechtenpark) aus dem Rahmenvertrag herausgenommen werden“. Deshalb kann dort – aber auch nur dort – höher gebaut werden.

Ansonsten wollte Künzel aber nicht über „noch nicht gefangene Fische reden“. Schon Ende August hatte der ebenfalls auf dem Podium vertretene Friedrichshainer-Kreuzberger Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) in der Bezirksverordnetenversammlung Verhandlungen zwischen der Bahn AG und dem Technikmuseum bestätigt. Auf die Frage des SPD-Abgeordneten Johannes Jügel, welche Gegenleistungen dieser Investor erwarte, antwortete Schulz, „die Bahn AG ist nicht die Heilsarmee“. Mehr wollte der Baustadtrat auch gestern dazu nicht sagen.

Überraschenderweise sprachen sich die Vertreter der AG Gleisdreieck nicht prinzipiell gegen Hochhäuser aus, obwohl auch sie klimatische Veränderungen befürchten. Aber so vergrößere sich die für den Park zur Verfügung stehende Fläche. Grundsätzlich lehnen sie aber weiter den Rahmenvertrag ab, denn er verstoße gegen den geltenden Flächennutzungsplan, der 35 Hektar Grünfläche vorsehe. „Senat und Bezirk haben sich von der Vivico, der Immobiliengesellschaft der Bahn AG, erpressen lassen“, sagte dazu Schmidt-Hermsdorf. „So kann man das sehen“, erwiderte Schulz, aber er würde es eher einen Handel nennen. Nach jahrelangem Streit könne jetzt 2004 mit dem Bau des Parks begonnen werden.Christoph Villinger

13.09.2002, Berliner Zeitung
Gleisdreieck: Bürger wollen klagen

KREUZBERG. Die Arbeitsgemeinschaft Gleisdreieck hat die Pläne für die Neugestaltung des 62 Hektar großen Areals zwischen Landwehrkanal und Yorckstraße kritisiert. "Wir werden gegen die Bebauungspläne klagen", sagte Norbert Rheinlaender nach einer Anwohnerdiskussion. Der Naturschutz und die Anwohnerinteressen würden nicht ausreichend berücksichtigt, der Bezirk habe dem Investor zu viele Zugeständnisse gemacht. Wie berichtet, sind ein 22 Hektar großer Park sowie fünf Bauflächen vorgesehen. Im Herbst wird dazu ein Rahmenvertrag unterzeichnet. (ua.)

13. September 2002, Berliner Morgenpost

Kreuzberg/Schöneberg: Deutsche Bahn plant neuen Hauptsitz auf dem Gleisdreieck
Anwohner lehnen Hochhäuser zwischen Landwehrkanal und Yorckstraße ab

Von Guido Hartmann

Die Deutsche Bahn will auf dem Gleisdreieck südlich des Potsdamer Platzes offenbar ihre neue Konzernzentrale errichten. Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert bestätigte gestern, dass es zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (beide SPD) Gespräche zur Zukunft der Brache zwischen Yorckstraße und Landwehrkanal gegeben hat.

Zum Inhalt der Gespräche und zur Höhe möglicher Bauten hüllen sich sowohl Ahlert wie Strieder-Sprecherin Petra Reetz in Schweigen. Die Anwohnerinitiative AG Gleisdreieck will jedoch erfahren haben, dass die Bahn auf eigenem Grund ein 120 Meter hohes Verwaltungsgebäude plant - das wären 20 Meter mehr als der Turm des Sony-Centers. Dort hat die Bahn vor zwei Jahren mit knapp 1000 Mitarbeitern ihre derzeitige Konzernzentrale bezogen; für die 27 500 Quadratmeter Bürofläche wird eine Monatsmiete um 750 000 Euro genannt.

Vor drei Wochen erst hatte die Bahn Pläne zur Bündelung von 2000 ihrer Berlinweit 16 800 Mitarbeiter in einem Neubaukomplex am Nordbahnhof in Mitte vorgestellt. Ein Teil der 15 Standorte soll dann aufgegeben werden, die Mitarbeiter der Konzernzentrale würden aber nicht zum Nordbahnhof ziehen, hieß es damals.

Auf dem 62 Hektar großen Gleisdreieck gibt es Widerstand der AG Gleisdreieck gegen eine derart hochgeschossige Bebauung, viele Anwohner befürchten eine Verschlechterung des «Mikroklimas im Kiez». Im Poker um das Gleisdreieck seien das Land Berlin und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg der Bahn-Immobilientochter Vivico «auf den Leim gegangen», behauptete Christian Schmidt-Hermsdorf von der AG am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion mit Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) und Michael Künzel von der Senatsverwaltung. Die Initiative kritisiert aber vor allem, dass sich der geplante Park inmitten der fünf zu bebauenden Flächen lediglich auf etwa 30 Hektar erstrecken soll. Baustadtrat Schulz dagegen hält die in einem Rahmenvertrag zwischen Vivico und öffentlicher Hand festgeschriebene Flächenaufteilung allerdings für einen vertretbaren Kompromiss. Nach 20 Jahren Diskussion könne es nun auf dem öffentlich nicht zugänglichen Areal losgehen.

Für den Fall, dass das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordneten dem Rahmenvertrag zustimmten, versprach Schulz einen Bebauungsplan mit «frühzeitiger Bürgerbeteiligung». Auch Michael Künzel von der Senatsverwaltung wertete den Rahmenvertrag als akzeptablen Kompromiss, weil auch die Bahn als überwiegender Eigentümer des Gleisdreiecks Zugeständnisse gemacht habe.

 

12.09.2002, Der Tagesspiegel

Bahn plant Hochhaus auf dem Gleisdreieck
Senat bestätigt Verhandlungen über Standort für Konzernzentrale

Errichtet die Deutsche Bahn AG ihre neue Konzernzentrale in einem 120 Meter hohen Turm auf dem Gleisdreieck südlich des Potsdamer Platzes? Entsprechende Gespräche zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und dem Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD) „haben stattgefunden“, sagte gestern Petra Reetz, Sprecherin des Senators. Zum Inhalt der Gespräche, die fortgesetzt werden, insbesondere zur Höhe möglicher Bauten, wollte sie sich nicht äußern. Auch Burkhard Ahlert, Sprecher der Bahn AG, bestätigte nur, dass das Gleisdreieck „als einer von drei möglichen Standorten in Berlin für die Konzernzentrale im Gespräch ist“. Aber noch stehe man am Beginn der Verhandlungen und nichts sei entschieden.

Matthias Bauer von der Bürgerinitiative AG Gleisdreieck berichtete, dass sich Strieder „aus städtebaulicher Sicht heftig gegen die Planungen eines bis zu 120 Metern hohen Hochhauses wehre“. Ein solches Gebäude auf dem bahneigenen Gelände würde den Turm des Sony-Centers, in dem die Bahn AG zur Zeit residiert, um etwa 20 Meter überragen.

Franz Schulz (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, findet es zwar „seltsam, dass das Bezirksamt von den Geheimverhandlungen nichts weiß“, würde aber wegen der vielen Arbeitsplätze eine Ansiedlung der Bahn AG an diesem Standort begrüßen. Noch im August hatte Olaf Schwabe von der Immobiliengesellschaft der Bahn AG erklärt, am Potsdamer Platz „werden wir bleiben“. Am Nordbahnhofs beginnt die Bahn AG zugleich Anfang 2003 mit dem Bau eines Verwaltungskomplexes für 2 000 Mitarbeiter. Christoph Villinger

 

11.09.2002, Berliner Zeitung

Kommt die Bahn aufs Gleisdreieck?

Unternehmen erwägt Bau der Konzernzentrale / Chefgespräche laufen

von Uwe Aulich

KREUZBERG. Auf dem Gleisdreieck zwischen Landwehrkanal und Yorckstraße will die Deutsche Bahn AG (DB) möglicherweise ihre neue Konzernzentrale errichten. Bereits im Juli gab es zu diesem Vorhaben ein Chefgespräch zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn, Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (beide SPD). Ob sich die Bahn tatsächlich für den Standort entscheidet, hängt davon ab, wieviel Platz das Land Berlin dort der Bahn zur Verfügung stellt und wie hoch gebaut werden darf. Wie es aus Senatskreisen heißt, solle ein weiteres Chefgespräch noch in diesem Monat stattfinden.

Der Bahnvorstand hat derzeit seinen Sitz im Sony-Center am Potsdamer Platz. Ihm liegen auch Angebote von Investoren vor, die Konzernzentrale am Alexanderplatz zu errichten. Der Senat wünscht sich aber das Gleisdreieck, um den Standort vis-a-vis dem Potsdamer Platz aufzuwerten.

Große Teile des 62 Hektar großen Gleisdreiecks liegen derzeit brach. Der Senat, die Vivico Projektentwicklung als Immobiliengesellschaft der Bahn und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg haben sich jetzt auf ein Konzept für die Umgestaltung des Areals verständigt. So sollen fünf Flächen ausgewiesen werden, die mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut werden können. Für die Anwohner entstehen ein knapp 22 Hektar großer Park sowie Sportflächen. Die Projekte sind in einem Rahmenvertrag festgeschrieben, den Senat und Vivico spätestens im November unterzeichnen wollen. Für die Entwicklung des Areals veranschlagt Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Etwa zwei Drittel der Fläche auf dem Gleisdreieck gehören noch der Vivico. Dem Land stehen für den Ankauf und die Gestaltung von Parkflächen rund 24 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Summe haben die Investoren des Potsdamer Platzes als Ausgleich für die dichte Bebauung dort gezahlt.

Kritik an dem Projekt kommt von der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck. Ihren Mitgliedern ist der Park immer noch zu klein, obwohl ursprünglich nur 16 Hektar vorgesehen waren. Brandt ärgert sich über den erneuten Störversuch: "Man kann so ein Projekt auch tot reden."

Franz Schulz (Grüne), Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, findet die DB-Zentrale auf dem Gleisdreieck eine "spannende Idee". Ihn stört aber, dass er vom Senat nicht über die Chefgespräche und die Höhe der Neubauten informiert wurde. Deshalb will er sofort Bebauungspläne für das Gleisdreieck erarbeiten lassen, wenn der Rahmenvertrag unterzeichnet ist. Schulz: "Dann kommt für alle die Stunde der Wahrheit."

11. September 2002, Berliner Morgenpost

Gleisdreieck: Vertrag kurz vor dem Abschluss

Kreuzberg
Nach jahrelangem Ringen um die Gestaltung des Gleisdreiecks steht der Rahmenvertrag zwischen Senat, Bezirk und der Bahn-Immobiliengesellschaft Vivico unmittelbar vor dem Abschluss. Am 19. September wollen die Bezirksausschüsse für Stadtplanung und Umwelt über den Vertrag abstimmen, der das auf bis zu 15 Jahre veranschlagte Großprojekt festschreiben wird.

Den Planungen zufolge werden auf einem Drittel der 62 Hektar großen Brache Wohn- und Gewerbebauten entstehen. Herzstück des neuen Stadtteils soll ein etwa 30 Hektar großer Park werden. Die endgültige Aufteilung zwischen Grün- und Bebauungsfläche sorgt noch für Diskussionen. Vor einer Entscheidung laden heute AG Gleisdreieck und Bürgerinitiative Westtangente zu einer öffentlichen Veranstaltung in den Gemeindesaal in der Wartenburgstraße 7. Von 19.30 Uhr an diskutieren Vertreter der AG u. a. mit Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) über die Gestaltung des Areals, das derzeit als Baulogistik-Fläche genutzt wird. ha

 

August 2002, Kreuzberger Horn
Nichts Neues vom Gleisdreieck: Versprochen, gebrochen !

Unter dem Titel "Wird das Gleisdreieck zugebaut" hatten wir im "Kreuzberger Horn" vor einem Jahr über das Gleisdreieck berichtet. Soweit aus verschlossenen Türen nach außen sickert, hat sich gegenüber dem damaligen Planungstand im Prinzip nichts geändert. Insofern gibt es auch kaum neues zu berichten. Deshalb auch nur in Kürze folgendes:

Immer noch steht der Rahmenvertrag zwischen der VIVICO (Vermarkter der DB AG) und dem Land Berlin kurz vor der Entscheidung - wie vor einem Jahr mit fast unverändert enttäuschendem Ergebnis:

Die Zielvorstellungen der VIVICO haben sich durchgesetzt. Die Baufläche von 11 ha, die der DB AG bereits nach dem Flächennutzungsplan vom Berlin zugestanden wurden haben sich auf über 21 ha nahezu verdoppelt. Das Land und der Bezirk, vertreten durch Stadtentwicklungssenator Strieder (SPD) und Baustadtrat Schulz (Grüne) haben ihre Ziele im Verhandlungspoker mit der VIVICO weitgehend aufgegeben: Aus einem großzügigen Park inmitten Berlins und in Ergänzung zum Deutschen Technikmuseum mit Nord-Südverbindungen zum Tiergarten und zum Südgelände , wird nichts. Gemessen an dieser realisierbaren Vision, verbleibt nach den Planungen der VIVICO ein Restpark inmitten von Wohnparks wie dem Schwechtenpark (3,8 ha) , der Flottwellpromenade (2,8 ha) , dem Yorckdreieck (2,8 ha), der Urbanen Mitte (4,6 ha) und dem Möckernkiez (3 ha). Dazu kommen die bereits überbauten Flächen der Post AG (3,5 ha) und das Parkhaus Debis (1 ha).

In Berlin stehen tausende von Quadratmetern an zu teueren und unvermietbaren Büro- und Wohnflächen leer. Zu befürchten ist, dass die Planungsabsichten der VIVICO- wenn sie denn überhaupt angesichts der Vermarktungsrisiken in den nächsten 15 bis 20 Jahren realisiert werden sollten - den vorhandenen Leerstand weiter mehren werden. Diese können die dann fehlenden Park- Spiel- und Freizeitflächen nicht ersetzen. Eine einmalige Chance für alle an das Gleisdreieck angrenzenden Innenstadtbezirke wäre verspielt und eine Chance gegen die Stadtflucht junger Familien mit Kindern unwiderruflich vertan.

Erstaunlich an der neuen Flächenbilanz ist die wundersame Vermehrung der Gesamtfläche auf dem Gleisdreieck. Die ursprünglich im FNP ausgewiesenen, zugänglichnen Park- und Sportflächen von ca. 25 ha sollen gleich groß geblieben sein, obwohl die bisher im FNP ausgewiesenen Bauflächen sich zu Lasten von Freiflächen vergrößert haben und um zwei zusätzliche Baufelder (Flotwellpromende, Schwechtenpark) ergänzt wurden?. Wie das?

Eine Neuigkeiten gibt es aber doch:

  • Streit gab es zwischen Senat, VIVICO und dem Bahn-Chef Mehdorn, der im Stiftungsrat des DTM (Deutsches Technikmuseum) sitzt. Mehdorn empörte sich zu Recht über das neue Baufeld Schwechtenpark auf der alten Ladestrasse des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs. Die Ladestraße soll nach gültigem Flächennutzungsplan als Erweiterungsfläche des Technikmuseums erhalten und nicht durch einem Schwechtenpark überbaut werden.
  • Nach dem Entwurf der Rahmenvereinbarung mit der VIVICO soll nun die DB AG in Aussicht gestellt haben, die Fläche des Schwechtenparks durch Bereitstellung anderer Ersatzflächen zu erwerben. Für diesen Fall sieht die Rahmenvereinbarung eine Anpassungsmöglichkeit vor, die die Museumserweiterung als public-privat-Partnership-Projekt ermöglichen soll.
  • Nach allerletzten Meldungen wünscht Mehdorn im Rahmen einer solchen Partnerschaft dann aber auch die Realisierung einer weiteren Hochhausscheibe als Headquarter der DB AG, höher als alle anderen bereits geplanten Hochhäuser auf dem Gleisdreieck, dem Head-Quarter der Post in der "Urbanen Mitte", dem Hochhaus "Yorkdreieck" und dem Hochhaus-Pendant zum Debis-Turm im Eingangsbereich der "Flottwell-Promenade" mit ihren 7 bis 12-Geschossern.

Mehr und Ausführliches von der AG-Gleisdreieck im Internet unter: www.berlin-gleisdreieck.de

Mehr auch auf der Veranstaltung zu den Rahmenvereinbarungen zum Gleisdreieck: am Mittwoch, den 11.09.02 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Christusgemeinde in der Wartenburgstr.7, Veranstalter AG Gleisdreieck und Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain. Dann soll erstmals wieder die Öffentlichkeit unterrichtet werden.