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Berliner Morgenpost, 5. 03. 04
Riesenrad-Betreiber stellt Ultimatum
Investor Dirk Nishen fordert Standortentscheidung binnen drei Monaten
und droht mit Abwanderung aus Berlin
Von Marie-Thérèse Nercessian
"Wir wundern uns und sind genervt", sagt Investorensprecher
Dirk Nishen. "Unsere Machbarkeitsstudie haben wir bereits im vergangenen
Jahr beim Kultursenator abgegeben." Jetzt werden Zeit und Geduld
knapp: Die Investoren wollen ihr Riesenrad zur Fußball-WM 2006 eröffnen.
"Länger als drei Monate wollen wir bis zu einer Entscheidung
nicht mehr warten. Zwei weitere Städte haben bereits Interesse angemeldet."
Der Stadtplanungsausschuss der Bezirksverordneten-Versammlung stand am
Mittwoch ganz im Zeichen des "World Wheel Berlin": Nishen war
gekommen, um - unterstützt von einem Vertreter der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung - die Pläne für das Riesenrad neben
dem Technikmuseum am Gleisdreieck zu verteidigen. Museumsdirektor Dirk
Böndel, Museumsreferent Richard Dahlheim von der Kulturverwaltung
und Anwohnervertreter Norbert Rheinlaender trugen ihre Bedenken vor. Statt
eine Entscheidung zu treffen, ging man am Ende verunsicherter als zuvor
auseinander.
"Wir befürchten eine Kommerzialisierung des Geländes",
sagte Rheinlaender. "Zudem ist das eine neue Dimension, die nach
weiteren Hochhäusern schreit." Museumsdirektor Böndel sieht
den langfristig geplanten Ausbau seines Hauses durch das Riesenrad "erschwert
oder sogar unmöglich gemacht". Auch fehle eine klare Trennung
zwischen Kommerz und dem Museum mit seinem wissenschaftlichen Anspruch.
"Wir haben auch Bedenken, ob sich das Projekt realisieren lässt.
Eine Bauruine wäre fatal." Die Finanzierung des 60 Millionen
Euro teuren Projekts stehe, versicherte Nishen. Auch Dahlheim sah die
Interessen des Museums "nicht ausreichend gewahrt", überraschte
die Anwesenden mit der Tatsache, dass ein Großteil des Grundstücks
nicht der Bahn, sondern der Kulturverwaltung gehöre, gab aber zu,
nicht ausreichend informiert zu sein. Welcher Senator ist eigentlich zuständig
und wie wird die Zusammenarbeit der Verwaltungen organisiert? fragte sich
danach nicht nur Gumbert Salonek von der FDP-Fraktion. "Die Zuständigkeit
liegt beim Bezirk, stellte Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) klar.
"Wer das Geld hat, hat nicht automatisch die Macht." Es gebe
durchaus rechtliche Mittel, einer "schleichenden Verrummelung"
Riegel vorzuschieben.
Nur einer fand klare Worte: In grünem Overall trat der durch sein
jahrelanges Umwelt-Engagement bekannte Naturschützer Ben Wargin vor
und nannte die Diskussion eine "Form von Unkultur". Im Mai will
er seinen "Anhalter Garten" am Gleisdreieck eröffnen.
Berliner Zeitung, 5. 03. 04
Das Riesenrad bewegt sich nicht
Bezirk will Hightech-Projekt erst genehmigen, wenn der Park am Gleisdreieck
gesichert ist
Karin Schmidl
KREUZBERG. Erst der Park, dann (vielleicht) das Riesenrad: So lautet
kurz gefasst die Haltung des Bezirks zum Gleisdreieck. Damit kommt die
Planung für das 175-Meter-Rad, das bis 2006 hinterm Technikmuseum
gebaut werden soll, schon zu Beginn ins Stocken. Denn wann der Vertrag
über den Gleisdreieck-Park fertig ist, weiß derzeit niemand.
"Die vorzeitige Genehmigung eines Einzelprojektes könnte den
gesamten Park gefährden, das wollen wir nicht", begründet
Baustadtrat Franz Schulz (Grüne).
Der 16 Hektar große Park soll der Ausgleich sein für die Bebauung
des Potsdamer Platzes. Seit über einem Jahr verhandeln die Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung und die vivico, die Immobilientochter der Bahn
AG. Konkret geht es um einen Flächentausch, sechs Hektar zusätzlich
sollen dabei für den Park herausspringen. "Berlin bietet der
Bahn ein Stück am Lehrter Bahnhof an und will dafür mehr Land
am Gleisdreieck", sagt Schulz. Warum die Gespräche so lange
dauern, kann er nicht erklären. In der Senatsverwaltung heißt
es dazu, es seien sehr schwierige Verhandlungen. "Aber wir sind optimistisch,
dass der Vertrag bis zum Sommer steht", sagt Sprecherin Petra Reetz.
Die Initiatoren des Riesenrades um den Kreuzberger Planer Dirk Nishen
werden diese Zeit nutzen müssen, um alle Beteiligten von ihrem Projekt
zu überzeugen. Denn die Kulturverwaltung und das Deutsche Technikmuseum
stehen dem Projekt "World Wheel Berlin" äußerst reserviert
gegenüber. Museumsdirektor Dirk Böndel befürchtet, das
Riesenrad könnte die Pläne für einen Museums-Erweiterungsbau
stören. 20 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sollen nämlich
genau dort entstehen, wo auch das weltgrößte Riesenrad geplant
ist. Die Initiatoren begründen den Standort damit, dass ihr Projekt
als technische Höchstleistung sehr gut dorthin passt. Deshalb planen
sie auch ein Gebäude, das Abflughalle für das Riesenrad und
Museumseingang zugleich sein soll.
Die Skepsis des Museumschefs geht aber noch weiter: Ihm fehle eine klare
Trennung zwischen dem Museum als Volksbildungseinrichtung und dem Kommerz,
sagt er. Dass das Gleisdreieck zu einem Rummelplatz verkommen könnte,
fürchten auch Anwohner. Baustadtrat Schulz beruhigt. So etwas könne
per Vertrag ausgeschlossen werden. Auch Planer Nishen versucht, Bedenken
zu zerstreuen: Einen Rummel wolle man auf keinen Fall, zudem verursache
das Riesenrad kaum Geräusche und werden nachts nur sehr dezent beleuchtet.
Die Investoren für das 60-Millionen-Euro-Projekt stünden bereit,
sagt Nishen: ein institutioneller Großanleger, Privatleute und die
Betreibergesellschaft. Fördermittel brauche man nicht. Erste Verhandlungen
mit dem Museum finden kommende Woche statt: Mit dem Neubau der Abflughalle,
so lautet das Angebot der Investoren, könnten 12 000 Quadratmeter
zusätzliche Fläche für das Museum entstehen. Stadtrat Schulz:
"Da nähern sich beide Seiten doch schon an."
Öffentliche Informationsveranstaltung am 12. März um 19 Uhr
im Gemeindesaal der Ev. Jesus Christus Gemeinde, Wartenburgstraße
7.
Der Tagesspiegel, 05.03.2004
Ein Golfplatz unterm Riesenrad
Neuer Investor will am Gleisdreieck eine Übungs-Anlage bauen
Am Gleisdreieck in Kreuzberg soll nicht nur ein 175-Meter-Riesenrad entstehen:
Nach Tagesspiegel-Informationen ist zudem ein Golf-Übungsplatz (Driving
Range) auf dem einstigen Potsdamer Güterbahnhof geplant. Die vier
Hektar große Brache wurde zuletzt als Logistikzentrum für die
Bebauung des Potsdamer Platzes genutzt. Die Golfanlage komme als Zwischennutzung
für bis zu dreieinhalb Jahre in Frage, sagt Baustadtrat Franz Schulz
(Grüne). Danach werde das Bahngelände dem Land Berlin übertragen.
Derzeit verhandelt der Bezirk mit der Bahn-Tochter Vivico. Falls der Übungsplatz
genehmigt wird, will die Firma als Gegenleistung einen anderen Teil des
Gleisdreiecks öffentlich zugänglich machen. Die Vivico steht
in Kontakt mit einem noch unbekannten Investor, der den Golfplatz bauen
möchte.
Unterdessen verhandelt auch der Erlebnisgastronom Hans-Peter Wodarz mit
der Bahn, damit sein Restaurant-Theater Pomp Duck and Circumstance
bis 2006 an der Möckernstraße bleiben kann. CD
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