Berliner Morgenpost, 25. 05. 2004

Genossenschaft will Park betreiben

Kreuzberg

Mit einer Genossenschaft will die Bürgerinitiative AG Gleisdreieck jetzt die Realisierung des Parks am Gleisdreieck selbst in die Hand nehmen. Die Genossenschaft ist gegen den Bau eines Riesenrads auf dem Gelände. Christian Schmidt-Hermsdorf von der AG Gleisdreieck: "Wir befürchten ein weiteres Pleiteprojekt wie schon das Tempodrom." Es sei höchste Eisenbahn. Schmidt-Hermsdorf nennt das Ziel der Genossenschaft: "Wir wollen zumindest erreichen, dass der Park geöffnet und ein Wegenetz angelegt wird." Die Parkgenossenschaft soll einmal 1000 Mitglieder haben und auch die Pflege und Bewirtschaftung der Grünanlage übernehmen. Als Vorbild nennt Schmidt-Hermsdorf den Bremer Bürgerpark. Der Bürgerpark werde seit 137 Jahren von einem privaten Verein getragen.

Die Parkgenossenschaft will mit dem Bezirk, dem Land und anderen Eigentümern der Bahnflächen Überlassungsverträge aushandeln, um die künftigen Parkflächen zu pachten oder zu erwerben und daraus eine öffentliche Parklandschaft inmitten Berlins zu gestalten. Entstehen sollen Spiel- und Sportinseln, Liegewiesen und Ruhezonen für die Natur.

Aber erst einmal muss die neue Genossenschaft kräftig um Mitglieder werben, denn das notwendige Kapital soll durch Genossenschaftsanteile (je 50 Euro) und Spenden erbracht werden. Bislang haben gerade mal 30 Bürger Anteile erworben.
mtn

 

Berliner Zeitung 25. 04. 05

Genossenschaft fürs Gleisdreieck

Bürger wollen ihren Park

Karin Schmidl

KREUZBERG. Sie haben lange genug gewartet, trauen der Politik nicht mehr, deshalb wollen sie die Anlage und Pflege des geplanten Parks am Gleisdreieck jetzt selbst übernehmen: Vertreter von Bürgerinitiativen, vom Ökowerk Berlin, der Christus-Gemeinde und des Quartiersmanagements Magdeburger Platz haben deshalb eine Genossenschaft gegründet. "Wir wollen, dass der Park endlich Wirklichkeit wird", sagte gestern Matthias Bauer von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Gleisdreieck. "Seit Jahren schachert die Politik mit der Eigentümerin des Areals um Bauflächen und der Park wird Stück für Stück verramscht", so Christian Schmidt-Hermsdorf vom Verein Kultur im Kiez. Als Beispiel nennt er das Theater Pomp Duck & Circumstance, das am Gleisdreieck sein Zelt aufschlagen durfte, den Golfplatz - vor allem aber das geplante weltgrößte Riesenrad, das die Anwohner als Sieg des Kommerzes über die Erholung ablehnen.

Die Pauschalkritik an der Politik will der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), nicht gelten lassen: "Jeder Quadratmeter, den wir über die vereinbarten 16 Hektar hinaus für den Park kriegen können, muss durch Zugeständnisse an anderen Stellen eingetauscht werden, denn das Geld für einen Flächenankauf ist nicht da." Die Genossenschaftsidee findet Schulz aber gut: "Ich kann mir vorstellen, dass - ähnlich den Community-gardens in Manhattan - einige Brachen von Bürgerinitiativen als Gärten oder Spielplätze angelegt und gepflegt werden."

Bislang zählt die Genossenschaft Gleisdreieck rund 20 Mitglieder, Tausende sollen es werden. Informationen gibt es unter Telefon 2175 24 20 und 788 33 96. (sk.)

 

taz, 25. 05. 04

Neues Kapital für ein grünes Gleisdreieck

Bürgerinitiativen wollen Gleisdreieck als Genossenschaft übernehmen, um dort endlich einen Park anzulegen. Baustadtrat Franz Schulz lädt Öffentlichkeit auf das Gelände ein. Der Grundstückseigner Vivico weiß aber von nichts
Bisher grünt sie seit 50 Jahren unbesehen vor sich hin: die Natur am Kreuzberger Gleisdreick. Die Zukunft des Geländes ist seit Jahren heftig umstritten. Innerhalb der kommenden zwei Wochen wird das Gelände erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das sagte der Kreuzberger Bausenator Franz Schulz (Grüne) der taz.

Die Aktionsgemeinschaft (AG) Gleisdreieck, ein Zusammenschluss mehrerer Bürgerinitiativen, wusste gestern von der für sie erfreulichen Meldung noch nichts. Die Öffnung der Wege ist für sie ein erster Schritt auf dem Weg zu der Parkanlage, für die sie sich seit bereits zwanzig Jahren einsetzt.

Auch Markus Diekow, Pressesprecher der Vivico, scheint von dem Abkommen, an dem sein Unternehmen beteiligt ist, nichts zu wissen. "Das ist nicht so einfach. Da müssten noch die Haftungsregelungen geklärt werden", sagte er der taz.

Diekow verweist auf das Jahr 2008: Dann wird das Land Berlin Eigentümer der für den Park vorgesehene Teil des Geländes sein. Nach seinen Informationen handelt es sich dabei um ein Areal von 29 Hektar, Bausenator Schulz kommt auf nur 24 Hektar.

Für die Bürgerinitiative AG Gleisdreieck ist diese Fläche so oder so zu klein - und die Übergabe an die Öffentlichkeit noch zu weit in der Zukunft. Sie will schon jetzt die Parkflächen pachten und mit deren Gestaltung beginnen. Denn kommerzielle Bewerber für die begehrte Fläche haben mit ihren Plänen längst vorgeschossen. Sie wollen ein Riesenrad oder einen Golfplatz auf dem Gleisdreieck errichten.

Zudem ökonomisch will die AG Gleidsdreieck nun nachziehen. Dafür haben sie gerade eine Genossenschaft geründet, deren Mitglieder die Pachtzahlungen über Einlagen zusammenbringen sollen. Über diese Finanzierungsmöglichkeit hinaus stehen für den Park 20 Millionen Euro zur Verfügung. Die zahlten Investoren als Ausgleich für die Bebauung des Potsdamer Platzes - derzeit sind die Millionen auf einem Konto der Stiftung Naturschutz geparkt.

"Wir fordern das Land Berlin auf, seine Versprechungen endlich einzuhalten. Wenn der Park nicht bald begonnen wird, wird die Fläche weiterhin verramscht", sagt Matthias Bauer von der AG Gleisdreieck. Für einen Park würden dann nur noch "Restflächen" übrig bleiben.

Laut Vivico-Pressesprecher Diekow ist eine Verpachtung noch nicht möglich. Einige der Flächen würden noch von der Deutschen Bahn AG genutzt. Dieses Argument ist für die AG Gleisdreieck jedoch nicht verständlich. "Das ist doch ein Widerspruch", sagt Marlies Funk von der Aktionsgemeinschaft, "der Golfplatz und Pomp Duck bekommen die Flächen doch auch".

Laut Bausenator Schulz wird die AG Gleisdreieck bei dem offiziellen Baubeginn des Parks einbezogen werden. Schulz meint, das könnte bereits im Sommer kommenden Jahres der Fall sein. Die vorzeitige Nutzung der vorhandenen Wege habe er in Verhandlungen mit dem Besitzer des Geländes, dem Unternehmen Vivico Real Estate, ausgehandelt.

Vivico gehört zu 100 Prozent dem Bund und untersteht damit Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD). Zudem werde, "so wie es aussieht", sowohl das 175 Meter hohe Riesenrad als auch der 44.000 Quadratmeter große Golfplatz dort gebaut werden.

SASCHA TEGTMEIER

 

Der Tagesspiegel, Leserbrief 09.05.2004

Gleisdreieck für Anwohner offen halten

Betrifft: „Ein Riesenrad am Gleisdreieck ist möglich“ vom 4. Mai 2004

Zu begrüßen ist die Wiederentdeckung des Bürgers durch Frau Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Bürger im Poker um „Größer-Weiter-Besser“ nicht mehr gefragt war. Jahrzehntelange Versprechungen und institutionelle Vorgaben zum Einrichten des Gleisdreieck-Parks sind und wurden bis heute den jeweiligen Interessen eines möglichen Investors untergeordnet. Dies führt zu der paradoxen Situation, dass es nunmehr Bürger erster und zweiter Klasse gibt. Die, die sich schon heute den Zugang auf das Gelände exklusiv erkaufen können. Die, die Eintrittsgelder für Golfclub, Entertainment, Riesenrad bezahlen können. Der Bürger „Anwohner“ darf im Gegenzug keinen Fuß auf das Gelände setzen. Stattdessen hat er mit den Negativfolgen eines vom Eigentümer des Gleisdreiecks installierten Gebrauchtwagenhandels zu kämpfen. Wir fordern auf, das Wesen des Geländes und der angrenzenden Kieze nicht weiter durch beliebige Projekte zu zerstören und weitere Planungen mit den Anwohnern zu diskutieren.

Marlies Funk, Heidrun Knief-Schneiker
für die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck, Berlin

 

ein Leserbrief vom 6.05.04, den der Tagesspiegel nicht abdrucken wollte

Schleichende Kommerzialisierung des Gleisdreiecks

Die BI Gleisdreieck hat Recht: eine schleichende Kommerzialisierung des eigentlich als öffentlicher Park und Grünzug vorgesehenen Gleisdreiecks ist nicht nur zu befürchten, sie findet statt. Diese schützenswerte Grünfläche scheint eine geradezu magische Ausstrahlung auf Glücksritter und Spökenkieker zu haben. Unterstützt werden sie leider auch von PolitikerInnen, die mit diesem Thema meinen, billig punkten zu können. Wer möchte sich auch dem Verdacht aussetzen, sich sog. innovativen Geschäftsideen in diesen Zeiten zu widersetzen ? Dass der "Tagesspiegel" dann auch noch (leider) unbezahlte Werbung für das "nur" 40.000 m² große Golfplatz-Vorhaben (mit der Telefon-Nr. der Initiatoren) macht, ist in dem Zusammenhang schon fast lustig. Die Nähe des Verlagsgebäudes zum Gleisdreieck lässt auf einige engagierte Golfer in der Redaktion schliessen.
Welch ein Glück für alle Golfer. Welch ein Pech für die Anwohner - und die Stadt.
Holger Schnaars

 

Berliner Morgenpost, 8. 05. 04

Diskussion um Riesenrad kommt in Schwung

Kreuzberg

Von M.-T. Nercessian

Es bewegt sich was am Gleisdreieck. Ein Treffen von Vertretern der Riesenrad-Initiatorengruppe World Wheel Berlin mit dem Direktor des Deutschen Technikmuseums, Dirk Böndel, sei "sehr konstruktiv" verlaufen, sagt Baustadtrat Franz Schulz (Grüne). "Wir haben uns darüber geeinigt, uns ein gemeinsames Konzept zu überlegen", bestätigt Böndel. "Das Riesenrad ist reines Entertainment. Wir sind Edutainment." Riesenrad und Museum könnten daher nicht so einfach unmittelbar nebeneinander stehen. "Das Riesenrad muss auf die Interessen des Museums Rücksicht nehmen", so Böndel weiter.

Einem Gutachten zufolge sind aber durchaus Synergieeffekte möglich: 400 000 Besucher kommen jährlich ins Technikmuseum. Seit der Eröffnung der Abteilung Schifffahrt im Dezember haben sich die Besucherzahlen sogar verdoppelt. Die Initiatoren des am Gleisdreieck - neben dem Technikmuseum - geplanten, weltgrößten Riesenrads rechnen mit 1,3 Millionen Gästen pro Jahr. Die Riesenrad-Investoren wollen 60 Millionen Euro aufbieten und ihr Geschäft zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 eröffnen.

In sechs bis acht Wochen sei endlich mit dem Abschluss des Rahmenvertrags Gleisdreieck zu rechnen, sagt Baustadtrat Schulz. "Das wäre die Basis." Der Rahmenvertrag - Voraussetzung für den Grundstücksverkauf - müsse dann noch durch die politischen Gremien. Schulz rechnet mit einer Entscheidung nach der Sommerpause. "Wir würden dann sofort mit dem Bürgerbeteiligungsverfahren beginnen." Voraussichtlich im Frühjahr könne der Wettbewerb für die Gestaltung des Parks ausgeschrieben werden. Die Stimmung gehe in die Richtung, "das Ganze zu packen".

"Wir sind in einem sehr guten Gespräch mit dem Bezirk und dem Land und sehen eigentlich gar kein Problem mehr", sagt Investorensprecher Dirk Nishen. "Durch den Rücktritt Senator Strieders haben wir zwar ein paar Wochen verloren, wir liegen aber noch ganz gut in der Zeit." Auch die neue Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD) stehe dem Riesenrad aufgeschlossen gegenüber, sagt Sprecherin Petra Reetz. "Sie will aber eine Investitionsruine in jedem Fall ausschließen."

Die Anwohner sind nach wie vor gegen das Projekt und fordern seit 1978 einen Naturpark. "Wir haben ein Problem mit der Idee an diesem Standort", sagt Norbert Rheinlaender von der AG Gleisdreieck. "Uns macht die zunehmende Kommerzialisierung des Geländes Bauchschmerzen." Dazu Reetz: "Es reicht nicht, zu sagen "Das gefällt mir nicht'. Jeden Bürgerwunsch kann man nicht erfüllen."

 

Berliner Morgenpost, 6. 05. 04

Kritik an Golfanlage

Kreuzberg

Anwohner befürchten, dass am Gleisdreieck nicht nur vorübergehend Golfbälle geschlagen werden. Wie berichtet, soll dort Ende August eine Übungsanlage als Provisorium für drei Jahre eröffnet werden. "Was uns drückt, ist die schleichende Kommerzialisierung des Geländes", sagt Norbert Rheinlaender von der AG Gleisdreieck. So nehme das Gastronomie-Zelt "Pomp, Duck and Circumstance" an der Möckernstraße 26 jetzt schon Reservierungen für die Fußball-WM 2006 entgegen - obwohl es noch gar keine Genehmigung für die Verlängerung gebe. "Das alles macht die Grün-Nutzung schwierig", sagt Rheinlaender. Ein ökologischer Park habe so kaum eine Chance. Die Anwohner-Initiative fordert seit 1978 einen Naturpark auf dem Gleisdreieck und hat sich auch gegen das geplante Riesenrad neben dem Technikmuseum ausgesprochen.
mtn

 

 

Der Tagesspiegel, 06.05.04

Die ersten Golfer sind schon da

Vor allem Geschäftsleute interessieren sich für die Anlage beim Potsdamer Platz

Am Dienstag hatte die „Global Golf GmbH“ ihre Pläne für den Bau einer Golf-Übungsanlage nahe dem Potsdamer Platz vorgestellt – und schon liegen 100 Anmeldungen vor. Losgehen soll es auf der so genannten „Driving Range“ aber erst Ende August. Bis dahin wird das Areal zwischen Gleisdreieck und Potsdamer Platz noch umgebaut. Bei den ersten Mitgliedern handelt es sich vor allem um Geschäftsleute. Aber auch die beiden Mitgesellschafter und bekannten Golflehrer Rick Frazer und Paul Kilner haben für erste Interessenten angelockt. Lediglich 750 statt der 980 Euro Jahresbeitrag mussten die ersten 100 Mitglieder bezahlen. Eine Aufnahmegebühr von 500 Euro kommt aber noch dazu. Eine Trainerstunde kostet hier 75 Euro, eine Stunde Bälle abzuschlagen 8 Euro.

Wem die Clubgebühr zu teuer ist, der kann seine Bälle in einem öffentlichen Teil der Anlage für sehr viel weniger Geld schlagen. Anders als in unserer gestrigen Ausgabe gemeldet, bekommt für 35 Euro nämlich nicht nur Schläger und Bälle, sondern auch eine Trainerstunde. Wer schon spielen kann oder sich bereits auskennt, der kann hier auf dem öffentlichen Teil des Geländes für drei Euro 30 Bälle abschlagen oder für fünf Euro einen Schläger mit 30 Bällen leihen. Ein Zeitlimit gibt es nicht.

1,8 Millionen Euro investiert „Global Golf“ in das Areal. Neben tonnenweise neuem Mutterboden werden auch ein Clubhaus und ein Biergarten auf dem 44000 Quadratmeter große Gelände gebaut. Es ist für dreieinhalb Jahre gemietet. Dann plant Global Golf, zu einem anderen Ort in Berlin umzuziehen. Wohin, das wollte man noch nicht verraten. Man plane aber schon jetzt und habe bereits einen Ort im Visier.jule

Mehr Informationen zum Golfplatz am Gleisdreieck bei „Global Golf“ unter 3030 8450.

 

Berliner Morgenpost, 05.05.04

Golfen am Gleisdreieck

Privater Business-Club und öffentliche Driving Range am Potsdamer Platz
Von Guido Hartmann


Ende August soll es auf dem Gelände am Parkhaus Gleisdreieck losgehen: Golfbälle schlagen vor dem Hintergrund von Berlins neuer Mitte
Foto: ddp

Für Matthias Mörtzsch gibt es nichts Schöneres, als nach dem Mittagessen mit Geschäftsfreunden ein paar Golfbälle auf der Driving Range zu schlagen. Damit das künftig auch nahe dem Potsdamer Platz möglich ist, eröffnet der Immobilienentwickler Ende August auf dem Gleisdreieck einen privaten Golf- und Business Club sowie eine öffentliche Golf-Übungsanlage.

"Das hat es in Berlin noch nicht gegeben", sagt Mörtzsch, der die Anlage zusammen mit den britischen Golf-Profis Rick Frazer und Paul Kilner betreiben wird. Neben teils überdachten und beheizten Abschlagplätzen mit Naturrasen ist ein Clubhaus samt Restaurant für die Mitglieder und ihre Gäste geplant. Maximal 1000 Personen sollen dem exklusiven Club beitreten können. Die Aufnahmegebühr beträgt 500 Euro, für die Jahresmitgliedschaft sind knapp 1000 Euro fällig. Dafür stehen den City-Golfern in Fußweite zum Potsdamer Platz auch Übungsgreens sowie Sandhindernisse (Bunker) zur Verfügung. Bei den Trainern Frazer und Kilner kann für etwa 70 Euro pro Stunde das Spiel verbessert werden, die gut 35 Abschlagplätze sind reservierbar.

Im öffentlichen Bereich soll es auch günstigere Angebote geben, neben 20 Abschlagmatten und Leihschläger-Verleih ist ein Biergarten geplant. "Den Blick auf die Skyline des Potsdamer Platzes hat man von allen Standorten auf der Driving Range", versprechen die Golfunternehmer. Insgesamt will die Global Golf GmbH etwa 1,8 Millionen Euro in die Entwicklung des 44 000 Quadratmeter großen Geländes stecken, das parallel zum Gleisdreieck-Parkhaus liegt.

Gestern unterzeichnete die Global Golf GmbH einen Mietvertrag mit der Bahntochter Vivico, der über dreieinhalb Jahre läuft. "Wir sind daran interessiert, das Gleisdreieck schon vor der Bebauung für die Bevölkerung zu öffnen", sagte Sprecher Wilhelm Brandt.

Auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist mit dieser "Zwischennutzung" einverstanden, sagte Baustadtrat Franz Schulz (Grüne). Er sei zufrieden, dass die Vivico auch an der Möckernstraße - dort gastiert bereits das Erlebnisrestaurant Pomp Duck and Circumstance - einen öffentlichen Zugang zum bislang verschlossenen Gelände schaffen wolle. Mit dem geplanten Riesenrad hat das Golfprojekt im Übrigen nichts zu tun, die umstrittene Attraktion soll in der Nähe des Technikmuseums entstehen

 

Berliner Zeitung, 05. 05. 2004

"Eine schöne Zwischennutzung"

Golf in der City: Am Gleisdreieck entsteht eine exklusive Driving Range

Uwe Aulich

KREUZBERG. Ein exklusiver Club in einzigartiger Citylage soll es werden: Auf dem Gleisdreieck zwischen Landwehrkanal und U-Bahn-Brücke entsteht bis zum Sommer eine neue Driving Range. 250 Meter lang sind die Bahnen. Der nördliche Teil mit 35 Abschlagplätzen ist ausschließlich für Clubmitglieder reserviert. Und um die Exklusivität zu unterstreichen, wird dort nur auf Naturrasen gespielt. Dagegen soll der südliche Teil mit 20 Übungsplätzen jedermann zur Verfügung stehen, er wird öffentlich zugänglich sein.

"Wir sind überzeugt, dass durch diese zentrale Lage das Golfspielen in Berlin eine neue Dimension erhält", sagt Matthias Mörtzsch. Er ist Geschäftsführer der Gesellschaft Global Golf Berlin, die die Driving Range betreiben wird. Vor allem die Geschäftsleute vom Potsdamer Platz will Global Golf anlocken. Sie können in der Mittagspause oder nach Büroschluss ihren Golfschwung verbessern und müssen nicht erst in ihren Golfclub nach Brandenburg fahren. An seiner Seite hat Mörtzsch erfahrene Partner: Rick Frazer und Paul Kilner, die schon in Bad Saarow die dortige Anlage mit entwickelt haben.

Das City-Vergnügen ist aber nicht gerade billig: Der Golfclub nimmt bis zu tausend Mitglieder aus der Geschäftswelt auf, die ersten hundert haben schon unter- zeichnet. Beitrittsgebühr: 500 Euro, Jahresbeitrag: 980 Euro. Also nichts für die Anwohner aus Tiergarten und Kreuzberg. Die sind im geschlossenen Clubbereich, der mit einem 750 Quadratmeter großen Clubhaus sowie einer Golf-Akademie mit Restaurant eine exklusive Atmosphäre erhalten soll, auch gar nicht erwünscht. Außerdem gibt es im Club auch so genannte Putting Greens und verschiedene Bunker, wo man das Einlochen üben kann. "Golf und Business - das wollen wir miteinander verbinden", sagt Mörtzsch.

 

Der Tagesspiegel, 05.05.2004

Golfen im Dreieck

Abschlagen und einlochen: Nahe dem Potsdamer Platz entsteht ein Übungsplatz Spielen kann jeder – gelockt werden sollen aber vor allem Geschäftsleute

In der Mittagspause eine Partie Golf spielen? Nahe dem Potsdamer Platz soll das ab Ende August möglich sein. Die „Global Golf GmbH“ will das komplette Gelände zwischen U-Bahnhof Gleisdreieck und Potsdamer Platz zu einem Golfplatz umbauen. Der Bauantrag dafür wird am Donnerstag eingereicht, er ist bereits mit dem Bezirksamt abgestimmt. 1,8 Millionen Euro soll der Übungsplatz, die so genannte Driving Range, kosten. Das ist kein vollständiger Golf-Parcours, sondern ein Trainingsplatz – allerdings 44000 Quadratmeter groß. Von immer dem gleichen Standort aus versuchen die Spieler, unterschiedlich weit entfernte Löcher zu treffen – vor der Skyline des Potsdamer Platzes.

Mit der U-Bahn mal eben auf den Golfplatz – das wird unkompliziert, aber auch nicht billig. 35 Euro kosten Schläger und Bälle für eine Stunde in dem – kleineren – öffentlichen Teil des Platzes. Hier soll es 25 Abschlagplätze geben. Im Mitgliederbereich auf der gegenüberliegenden Platzseite wird’s noch teurer. 70 Euro kostet hier eine Stunde Bälle-Schlagen. Außerdem sind zusätzlich 500 Euro Aufnahmegebühr und 980 Euro Jahresbeitrag für den Club fällig. Die Begrenzung der Mitgliederzahl auf 1000 soll die Exklusivität erhöhen. Dafür wird hier aber auf echtem Rasen geschlagen, es gibt ein 750 Quadratmeter großes Clubhaus mit Edel-Restaurant und Konferenzräumen – die besonders wichtig sind. „Nur vom Bälleschlagen kriegen wir unsere Investitionen nicht wieder rein“, sagt Matthias Mörtzsch, der die Global Golf GmbH gemeinsam mit den beiden Golflehrern Rick Frazer und Paul Kilner gegründet hat. Ziel sei vor allem, Firmen zu Konferenzen, Präsentationen oder Geschäftsessen auf die Anlage zu locken. Das bringe das meiste Geld. „Das Ambiente wird für solche Gelegenheiten unschlagbar sein“, sagt Mörtzsch. Und wenn die Manager dann auch noch zum Spielen vorbeikommen, umso besser.

Der Mietvertrag für den Platz ist auf dreieinhalb Jahre begrenzt. Danach will die Vivico, eine Tochterfirma der Bahn AG, das Gelände anders weiternutzen. Die Global Golf GmbH will trotz der hohen Investitionen und der kurzen Zeit Gewinn machen. Außerdem werden die Gebäude so gebaut, dass sie später ab- und woanders wieder aufgebaut werden können. Man habe schon den nächsten Ort im Auge, so Mörtzsch. Wo der liegt, wollte er aber nicht verraten.

Wem die 35 Euro pro Golf-Stunde zu teuer sind, der kann im öffentlichen Biergarten der Anlage auch einfach nur die Umgebung genießen. Oder zum Golfplatz in der Chausseestraße in Mitte fahren. Da kosten Schläger und Bälle nur fünf Euro – für den ganzen Tag. Juris Lempfert

Mehr Informationen zum Golfplatz am Gleisdreieck bei „Global Golf“ unter 30308450. Informationen zum Golfen an der Chausseestraße 94 unter 28047070.


Der Tagesspiegel, 04.05.2004 (Auszüge)

„Ein Riesenrad am Gleisdreieck ist möglich“

Die neue Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer will mehr auf die Wünsche der Bürger hören

Nach Ihrer Wahl am Donnerstag haben Sie angekündigt, sich nicht nur um die großen Prestigeprojekte zu kümmern, sondern auch darum, dass sich die Leute in ihrem Kiez wohler fühlen. Was bedeutet das konkret?

Ich will die Bürger stärker als bisher einbinden. Damit haben wir uns in der Vergangenheit viel zu wenig auseinander gesetzt. Zum Beispiel bei der Gestaltung des Gleisdreicks sollten wir uns noch mehr auf die Bürger einlassen. Das bezieht sich für mich nicht nur darauf, wie der Park einmal aussehen wird, sondern auch, unter welchen Bedingungen hier ein Riesenrad errichtet werden kann.

Wie stehen Sie zu dem Projekt?

Ich habe mich noch nicht entschieden, aber ich denke, das Riesenrad ist möglich. Was wir an dieser Stelle nicht brauchen, ist weiterer Rummel, also keine Buden, die aufgebaut werden müssen, um das Riesenrad zu finanzieren. Auf der anderen Seite werde ich keine Investitionsruine dulden oder ein Risiko eingehen, dass in irgendeiner Weise das Land in die Pflicht genommen werden kann, um das Rad bei einer Insolvenz zu Ende zu bauen . . .