Berliner Zeitung, 27. Mai 2005

Abschlag und Aufschlag

Im Juni eröffnen am Gleisdreieck eine Beachvolleyball-Anlage und ein Übungsplatz für Golfer

Uwe Aulich

Das Gleisdreieck in Kreuzberg zwischen Landwehrkanal und Yorckstraße entwickelt sich zu einem Sportpark. Nachdem die rund 62 Hektar große Fläche als Bahngelände jahrzehntelang für die Bevölkerung unzugänglich war, eröffnen dort im Juni ein Golfplatz sowie eine große Beachvolleyball-Anlage. "Man soll das Gleisdreieck nicht nur von der U-Bahn aus erleben. Deshalb suchen wir Mieter, damit die Bürger das Gleisdreieck wieder nutzen können", sagt Wilhelm Brand, Sprecher der Immobiliengesellschaft Vivico, die für den Bund nicht mehr benötigte Bahnflächen bewirtschaftet.

Im Südosten des Gleisdreiecks rollen derzeit täglich Sattelschlepper an. Sie liefern tonnenweise Sand für eine neue Beachvolleyball-Anlage. "Das Gleisdreieck ist für uns ein Traum, eine grüne Perle in der City", sagt Jörg Philipp vom Betreiber Beach Park 61. Philipp ist selbst Beachvolleyballer. Und weil es in Berlin zu wenig Plätze und deshalb immer lange Wartezeiten gibt, kam er mit Freunden auf die Idee, selbst eine Anlage aufzubauen. Mit der Vivico wurde jetzt ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen. An der Möckernstraße werden 20 Felder angelegt. Eröffnung: Anfang Juni. Auch Gastronomie wird es auf einer erhöhten Terrasse geben.

"Wir haben schon mehrere Anfragen für Turniere", sagt Philipp. Denn der neue Beach Park wird wettkampfgerecht gebaut. Es laufen auch Gespräche mit den Organisatoren der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft Ende Juni auf dem Schlossplatz, dass die Stars der WM in Kreuzberg trainieren können. Fest ist das noch nicht, aber im Beach Park sollen dafür schon mal Plätze reserviert werden.

Nicht nur große Bälle werden künftig auf dem Gleisdreieck geschlagen, sondern auch ganz kleine. Am 10. Juni ist die große Eröffnungsparty für den exklusiven Klub Global Golf Berlin am Schöneberger Ufer. Auf der Driving Range sprießt bereits der Rasen, die Abschlagplätze sind gepflastert und die Handwerker zimmern aus großen Bohlen Überdachungen.

Die Geschäftsleute und Mitarbeiter am Potsdamer Platz sind für die beiden Golfprofis Rick Frazer aus Botswana und seinen Partner Paul Kilner aus Simbabwe auch diejenigen, die schnell mal in der Mittagspause oder nach Büroschluss auf der neuen Driving Range ihren Golfschwung verbessern sollen. Frazer und Kilner hatten 1998 ihre erste gemeinsame Golf-Akademie in Bad Saarow gegründet. Jetzt folgt der Klub in Berlin - der nördliche Bereich ist ausschließlich für Mitglieder reserviert. 43 Abschlagplätze gibt es dort, teilweise sind sie überdacht. Und wer sich die Jahresmitgliedschaft von 220 Euro leistet (bis 10. Juni), kann seinen Abschlagplatz und seine Übungszeit auch per Telefon oder per E-Mail buchen.

Gegenüber vom Klub wird es weitere 48 Abschlagplätze geben, die sind für jedermann zugänglich. "Wir hoffen, dass wir Golf ein wenig mehr zum Volkssport machen können", sagt Paul Kilner. Zu der Anlage gehört auch ein Klubhaus mit einem Nike-Shop für Golfartikel, Umkleideräumen und einer großen Cafeteria. Außerdem können die Clubmitglieder auf so genannten Putting Greens - der feine Rasen soll heute das erste Mal geschnitten werden - das Einlochen üben.

Die Anwohner allerdings kritisieren die neuen Sportanlagen. "Auf dem Gleisdreieck entstehen immer mehr kommerzielle Flächen, für die die Bürger Eintritt bezahlen müssen", sagt Norbert Rheinlaender von der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck. Er befürchtet, dass die Idee von einem 22 Hektar großen öffentlichen Park immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Wilhelm Brand von der Vivico sieht das anders. "Wir öffnen das Gleisdreieck für die Menschen. Eine dogmatische Diskussion hilft nicht weiter."

 

Berliner Morgenpost, 29. 04. 05

Landschaftsplanung

Wie das Gelände am Gleisdreieck gestaltet werden könnte, haben sich Studenten der Technischen Universität Cottbus überlegt. 13 Entwürfe mit ihren Landschaftsplanungen zeigt heute und in der kommenden Woche eine Ausstellung im Rathaus Kreuzberg an der Yorckstraße 4-11. Es handele sich um "gute und interessante Ideen", sagt Baustadtrat Franz Schulz. Die Arbeiten entstanden innerhalb von drei Monaten im Wintersemester.
Konzepte
Mehrere Studenten sind an einem Entwurf beteiligt. Ein Konzept schlägt vor, den Tilla-Durieux-Park als Band mit Spiel- und Sportangeboten nach Süden zum Gleisdreieck fortzusetzen. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen: Mo.-Fr., 6-20 Uhr.

 

Berliner Morgenpost, 20.04. 05

"Das Gleisdreieck soll sich Stück für Stück öffnen"

Eigentümer Vivico übergibt 6000 Quadratmeter kostenlos an das Bezirksamt

Von Sabine Flatau Rund 6000 Quadratmeter auf dem Gelände des Anhalter Güterbahnhofs sind seit gestern für jedermann zugänglich. Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) eröffnete das Areal zusammen mit Bürgermeisterin Cornelia Reinauer (PDS), Anwohnern und Vertretern des Grundstückseigentümers Vivico Real Estate GmbH. Symbol der Öffnung ist eine frisch gepflanzte Sommerlinde. Das einstige Bahngelände ist von der Möckernstraße aus zugänglich und von einem Holzzaun eingegrenzt. Ein Weg führt zum sogenannten Wäldchen im Gleisdreieck, wo seit Jahrzehnten Trockenrasen und Obstbäume, Habichtskraut und Sandstrohblumen wachsen. Füchse haben sich angesiedelt. Das Gebiet entwickelt sich nach dem Bau der U-Bahn-Linie 7 in den 70er Jahren. Das Wäldchen soll auch künftig wegen der seltenen Pflanzen abgesperrt bleiben, aber für Führungen geöffnet werden, sagt Birgit Beyer, Leiterin Landschaftsplanung im Bezirksamt. Die gestrige Eröffnung sei ein "erster Trittstein" für den großen Landschaftspark Gleisdreieck, der etwa 22 Hektar groß sein soll. Im Sommer 2006 könnte erster Spatenstich sein. Noch werde über eine Rahmenvereinbarung mit dem Eigentümer verhandelt, dann solle ein Wettbewerb für Landschaftsplaner folgen, erläuterte Baustadtrat Schulz. Bis 1952 dominierte der Bahnbetrieb das Gleisdreieck. Anfang der 90er Jahre war es als Gelände für die Bundesgartenschau vorgesehen, doch statt dessen wurde es für die Baulogistik der Arbeiten am Potsdamer Platz beansprucht. Um die ökologischen Eingriffe auszugleichen, die dort erfolgten, stellten die Investoren Mittel bereit, die in den Park fließen sollen. "Wir überlassen jetzt dem Bezirksamt 6000 Quadratmeter kostenlos", sagt Wilhelm Brandt, Chef der Unternehmenskommunikation bei Vivico. "Das Gleisdreieck soll sich Stück für Stück öffnen." Dies sei schon durch den Einzug von "Pomp Duck and Circumstance" geschehen, das sich fest in Berlin etabliert habe. Auf dem künftigen Golfplatz werde derzeit Rasen ausgesät. Laut Brandt ist eine weitere Sportanlage im Gespräch. Ein Berliner Interessent wolle Beachvolleyball-Felder auf mehreren Tausend Quadratmetern anlegen. Bürgerinitiativen kritisieren indes, daß Zwischennutzungen auf dem Gelände zugelassen werden, ohne sie mit den Anwohnern zu diskutieren. "Man sollte vorher mit uns reden und nicht zuerst die Fakten schaffen", sagt Marlies Funk von der AG Gleisdreieck. "Biomasse wird vernichtet und die Klimafunktion des Areals beeinträchtigt."

Landschaftsplanung

Wie das Gelände am Gleisdreieck gestaltet werden könnte, haben sich Studenten der Technischen Universität Cottbus überlegt. 13 Entwürfe mit ihren Landschaftsplanungen zeigt heute und in der kommenden Woche eine Ausstellung im Rathaus Kreuzberg an der Yorckstraße 4-11. Es handele sich um "gute und interessante Ideen", sagt Baustadtrat Franz Schulz. Die Arbeiten entstanden innerhalb von drei Monaten im Wintersemester. Konzepte Mehrere Studenten sind an einem Entwurf beteiligt. Ein Konzept schlägt vor, den Tilla-Durieux-Park als Band mit Spiel- und Sportangeboten nach Süden zum Gleisdreieck fortzusetzen. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen: Mo.-Fr., 6-20 Uhr. saf

 

Der Tagesspiegel, 29.04.2005

Gleisdreieck kommt groß in Mode

Die Messe Premium zieht in den Postgüterbahnhof

Die Modemesse Premium hat ab sofort einen festen Veranstaltungsort im Zentrum Berlins: den 1908 erbauten Postgüterbahnhof am Gleisdreieck. In den zweieinhalb Jahren seit ihrer Gründung fand die Fachmesse für hochwertige Trendmode an zwei provisorischen Orten statt, im U-Bahntunnel unter dem Potsdamer Platz und im Zelt am Leipziger Platz.

Im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Postgüterbahnhofs sollen beim Modewochenende vom 22. bis 24. Juli auf 22500 Quadratmetern Fläche die Hauptveranstaltungen der „Premium“ abgehalten werden. Neu hinzu kommt das Segment „Premium Fire“ – Mode, die den Bereich Street Fashion erweitern soll. Im ersten Stock stehen 2500 Quadratmeter Fläche für Showrooms zur Verfügung. 2000 Parkplätze bietet das Gelände, der U-Bahnhof mit Anbindung an U1 und U2 ist gleich in der Nähe. Die internationalen Designerkollektionen und Modenschauen werden im Juli, wie gehabt, im U-Bahntunnel unter dem Potsdamer Platz präsentiert.

Mit dem Postgüterbahnhof hat die Premium nun einen Standort, der nicht weniger attraktiv ist als das ehemalige Siemenskabelwerk in Spandau, wo die Konkurrenz, die größere Modemesse „Bread and Butter“, über die Bühne geht. „Wir müssen in Sanitäranlagen, Brandschutz und den Umbau der alten Bahnsteige investieren“, sagt „Premium“-Pressesprecher Ralf Strotmeier. Eine Grundsanierung sei aber nicht nötig. Neben kulturellen Events ist in Zusammenarbeit mit Spitzenkoch Markus Semmler ein Gourmetrestaurant geplant, das auch außerhalb der Modewochenenden geöffnet haben soll.

Also doch: Berlin boomt als Modestadt. Schon im letzten Jahr sollen die Besucherzahlen der Berliner Modemessen mit rund 40000 die Pariser Prêt-à-porter übertroffen haben. Im Januar waren es mit der neuen Modemesse B-In-Berlin und verschiedenen kleineren Veranstaltungen sogar 50000 Fachbesucher. S.N.

 

BZ,15.4.2005

Bitte gaanz vorsichtig abschlagen!

Potsdamer Platz bekommt Golfplatz

Ab Juni sollen die ersten Bälle fliegen



Golf in the City: Abschlag auf der Driving Range mit Blick auf die Skyline vom Potsdamer Platz, Foto: Global Golf

Golfen direkt am Potsdamer Platz - dieser Traum wird jetzt wahr!

Wie dieBZ erfuhr, soll die Driving Range der "Global Golf Berlin" bereits am 10. Juni eröffnet werden.

Golf in the City - und wo genau fliegen die Bälle? Auf einer 44 000 Quadratmeter großen Fläche am Gleisdreieck, genau zwischen Parkhaus und der Flottwellstraße (Karte rechts).

Zu sehen war dort gestern allerdings noch nichts. Nur ein paar Bauarbeiter und staubiger Sand statt gepflegtem Grün. Und auch noch keine Spur vom mehreren hundert Quadratmeter großen Clubhaus mit Bar, Restaurant, Sonnen-Terrasse, Golf-Shop und Veranstaltungsraum für Mitglieder und deren Gäste.

Aber die Initiatoren Paul Kilner und Rick Frazer, zwei britische Golf-Profis, halten am Eröffnungs-Termin fest. Paul Kilner zur: "Am 10. Juni können hier die ersten Bälle geschlagen werden."

Für einen vollständigen Golf-Parcours ist das Areal allerdings zu klein. Aber für einen Trainingsplatz, der sogenannten Driving Range, ist das Gelände optimal. Mit Blick auf die Skyline des Potsdamer Platzes können die Golfer dann täglich zwischen 7 und 22 Uhr ihre Bälle von Abschlag-Matten in unterschiedlich weit entfernte Löcher schlagen.

Geplant ist eine Public-Area mit 48 Abschlagplätzen, die auch Nicht-Mitgliedern zugänglich ist. Sie zahlen für einen Korb mit 40 Bällen zum Abschlagen drei Euro.

Wer Mitglied in Berlins neuem City-Golf-Club werden will, muß sich beeilen. Denn die Mitgliederzahl ist auf 1000 begrenzt. Jahresgebühr: 220 Euro für Einzelmitglieder und 377 Euro für die Familienmitgliedschaft. Im Mitgliederbereich gibt es weitere 35 Abschlagplätze. Trainerstunden kosten zwischen 40 und 70 Euro.