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11. Juli 2002, Berliner Abendblatt
TU-Professor: Die Planungshoheit liegt beim Bezirksamt
Gutachten kann Pläne für Gleisdreieck kippen
Schöneberg/Kreuzberg.
Der jahrelange Hickhack um die Bebauung des Gleisdreiecks vor den Toren
Mittes könnte jetzt eine ganz neue Wende nehmen. Zwar haben sich Senat,
die Bahntochter Vivico als Eigentümerin des 59 Hektar großen Geländes
und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf einen Rahmenvertrag geeinigt.
Aber ein neues Rechtsgutachten könnte die gesamte bisherige Planung auf
den Kopf stellen. Das Rechtsgutachten wurde von der Aktionsgemeinschaft
(AG) Gleisdreieck, in der sich zahlreiche Bürgerinitiativen zusammengeschlossen
haben, in Auftrag gegeben. Streitpunkt ist die Größe des Parks, der angelegt
werden soll. Die AG Gleisdreieck fordert eine Fläche von 35 Hektar. Die
Vivico, die ehemalige Bahngelände vermarktet, will zugunsten einer massiveren
Bebauung aber nur einen 26 Hektar großen Park zulassen. "Die Vivico ist
in der Lage, ihre Verhandlungspartner unter Druck zu setzen", sagt Matthias
Bauer, Sprecher der AG Gleisdreieck. Das liege daran, dass nur Unternehmen
oder Abteilungen, die zur Deutschen Bahn AG gehören, ehemalige Bahnflächen
entwidmen, also die Nutzung für Bahnzwecke aufheben können. "Dazu ist
ein entsprechender Antrag beim Eisenbahnbundesamt (EBA) erforderlich,
der von allen Bahnabteilungen abgesegnet werden muss, damit ihm stattgegeben
wird", so Bauer. Aber genau diese bislang gängige Praxis wird im Rechtsgutachten
angezweifelt. Autor ist der Dekan des Fachbereichs Architektur und Planungsexperte
an der Technischen Universität Berlin (TU), Prof. Dr. Rudolf Schäfer.
Er hat unter juristischen Aspekten das Verhältnis von kommunalem Planungsrecht
und der Fachplanung Bahn untersucht. Ergebnis: Sobald die Bahn erklärt,
sie wolle bestimmte Flächen nicht mehr für eigene Zwecke nutzen, erlischt
ihr Recht zu bestimmen, was mit dieem Gelände passiert. Schäfers Auffassung
nach kann jetzt auch das Bezirksamt einen Entwidmungsantrag beim EBA stellen.
Damit läge die Planungshoheit bei Friedrichshain-Kreuzberg, der Bezirk
könnte also einen Park nach eigenen Vorstellungen anlegen. Zumal sich
der Kreuzberger Baustadtrat Franz Schulz selbst einen größeren Park gewünscht
hätte, als jetzt im Rahmenvertrag vorgesehen. Die Vivico bliebe weiterhin
Eigentümerin, müsste sich aber der Planung des Bezirks beugen. Was allerdings
jetzt noch fehlt, ist ein Präzedenzfall: "Eine Kommune müsste den Antrag
beim EBA stellen und sich notfalls durch alle Instanzen klagen", sagt
Bauer. "Bekommt die Kommune recht, wird das Gutachten bundesweit rechtskräftig."
dvs
22.06.02, Berliner Morgenpost
Gutachten: Bezirk darf Gleisdreieck allein planen
lim Kreuzberg - Kurz vor einer Einigung zwischen Senat und der Projektentwicklergesellschaft
Vivico über die Nutzung des Gleisdreiecks verlangen Bürgerinitiativen
einen größeren Park auf der Brache: «Wir fordern 35 Hektar
Parkfläche und höchstens elf Hektar Baufläche», sagt
Norbert Rheinlaender, Sprecher der Bürgerinitiative Westtangente.
Derzeit sind auf dem 62 Hektar großen Gebiet ein 25 bis 30 Hektar
großer Park sowie rund 20 Hektar für Wohn- und Gewerbebebauung
geplant. Der Park kostet Berlin nichts.
Basis für die Forderung ist ein Rechtsgutachten. Danach könne
der Bezirk über das ehemalige Eisenbahngelände planerisch verfügen,
nicht Vivico selbst, weil die Bahnnutzung längst verfallen sei. Er
könne das Bahngelände in billige Grünfläche umwidmen
und sie der Vivico zu günstigen Konditionen abkaufen, um einen größeren
Park anzulegen. «Somit kann Vivico den Bezirk auch nicht weiter
wie bisher damit unter Druck setzen, den Status der Fläche als Bahngelände
erst dann aufzugeben, wenn Berlin der Vivico genügend Baufläche
ausweist», sagt Rheinlaender.
Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) steht dieser Rechnung skeptisch
gegenüber. Es sei strittig, ob das ehemalige Eisenbahngelände
funktionslos und damit für die Vivico planerisch nicht mehr verfügbar
sei. «Der Streit darum könnte bis zum Bundesverwaltungsgericht
gehen», sagt er. Berlin müsse aber jetzt handeln. Außerdem
müsse das Land der Vivico dann immer noch das Land abkaufen - die
Landeskasse sei aber leer.
Schulz will den Bezirksverordneten am Mittwoch eine Vorlage über
den derzeitigen Verhandlungsstand zum Gleisdreieck zur Abstimmung präsentieren.
«Ich hoffe, dass sie durchgeht. Sonst besteht die Gefahr, dass der
Senat das Bebauungsplanverfahren an sich zieht», sagt der Stadtrat.
22.06.2002, Der Taggesspiegel
Gleisdreieck-Vertrag kritisiert
Kreuzberg. Die Einigung zwischen Senat und der Bahn AG zur Bebauung des
Gleisdreiecks bezeichneten gestern mehrere Bürgerinitiativen als
Misserfolg für die Bevölkerung in den Innenstadtbezirken.
Sprecherin Marlies Funk von der AG Gleisdreieck verwies darauf, dass entgegen
dem gültigen Flächennutzungsplan der Rahmenvertrag die Parkfläche
von rund 35 auf etwa 20 Hektar reduziert. Nach einem TU-Rechtsgutachten
könnten die Bezirke auf ehemaligen Bahnflächen eigene Planungen
verfolgen. So könne die Immobiliengesellschaft der Bahn AG, die Vivico,
als normaler privater Investor behandelt werden. Dieser Konflikt
spielt auch bei den Flächen rund um die Warschauer Brücke, am
Stuttgarter Platz und in Lichterfelde-Süd eine Rolle.chv
13. Juni 2002, Berliner Morgenpost:
Weg frei für Wohnen und Flanieren am Gleisdreieck
Partner legen überarbeitetes Konzept vor
Von Michael Link
Kreuzberg - Die Würfel scheinen gefallen: In der Auseinandersetzung
um die Nutzung des Gleisdreiecks sind sich Senat, Projektentwickler Vivico
und Bezirk näher gekommen. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass
wir bald zu einem Ergebnis kommen werden. Es liegt ein tragfähiges
Modell vor, das auch den Park vorsieht», sagt Vivico-Sprecher Wilhelm
Brand. Unterschrieben ist die Rahmenvereinbarung allerdings noch nicht.
Baustadtrat Franz Schulz (B 90) ist optimistisch: «Der Kompromiss
über die Flächenaufteilung kann in den kommenden zwei Wochen
von den Verhandlungspartner paraphiert werden, so dass im August die bezirklichen
Gremien darüber beraten können.» Nach gegenwärtigem
Verhandlungsstand wird die Vivico 42 Hektar des insgesamt 62 Hektar großen
Brachlandes nutzen, unter anderem für Gewerbe-, Wohn- und Bürogebäude.
Herzstück des Stadtteils zwischen Flottwellstraße, Yorckstraße,
Möckernstraße und Landwehrkanal soll ein 16 Hektar großer
Park werden. Er steht dem Land als Ausgleichsfläche für die
Verluste am Potsdamer und Leipziger Platz zu. Hinzu kommen 4,4 Hektar
Ausgleichsflächen der Vivico zwischen den Gleisen sowie vier Hektar
für eine geplante Sportfläche im südöstlichen Bebauungsbereich.
Die «Stadtsavanne» am Gleisdreieck - derzeit wird sie noch
überwiegend als Baulogistik-Fläche genutzt - soll in fünf
Baufelder aufgeteilt werden. In der Mitte sind Büros und Gebäude
für Dienstleistungen geplant, entlang der Flottwellstraße sollen
hochwertige Büros und Wohnungen entstehen, im so genannten Yorckdreieck
zwischen den S-Bahngleisen sind ebenfalls Bürogebäude vorgesehen,
im Knick von Yorck- und Möckernstraße sollen familiengerechte
Wohnungen gebaut werden. Im so genannten «Schwechtenpark»
um das Technikmuseum sollen Gewerbegebäude und Wohnungen gebaut werden.
«Wir haben bislang nur die Baufelder festgelegt», sagt Wilhelm
Brand.
Der Bezirk hatte ursprünglich mehr Grün erwartet, von bis zu
25 Hektar war zwischenzeitlich die Rede. Dazu hätte Berlin aber Land
hinzukaufen müssen. «Das ist bei der momentanen Kassenlage
ausgeschlossen», sagt Schulz. Die Höhe der Bebauung könnte
noch ein Zankapfel werden: «Wir denken durchaus an höhenbetonte
Gebäude», sagt Wilhelm Brand. Franz Schulz dagegen hofft, dass
sich die Bebauung in die angrenzende Höhe einfügt. Unklar ist,
wie die Ausgestaltung der Sportfläche im «Möckernquartier»
genannten Teil der Bebauung finanziert wird. Zuständig ist das Land
Berlin. Ob dafür Geld übrig ist, ist fraglich.
Sonntag, 10. März 2002, Berliner Morgenpost
Gestaltung des Gleisdreiecks weiter unklar
fal Kreuzberg - Die Verhandlungen über die künftige Gestaltung
des Gleisdreiecks ziehen sich in die Länge. Mit einer Vertragsunterzeichnung
zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Eisenbahn-Immobilienverwertungsgesellschaft
Vivico rechnen die Verhandlungspartner erst im dritten Quartal 2002, wie
jetzt eine Vivico-Sprecherin bestätigte.
Strittig seien nach wie vor die Finanzierung von knapp zwei Hektar zusätzlicher
Parkfläche und der 4,1 Hektar großen Sportanlagen. Letztere
seien «aktuell in Frage gestellt». Das bestätigte der
Berliner Morgenpost auch Baustadtrat Franz Schulz (B 90/Grüne).
6.02.2002, Tagesspiegel
Feuerwerkswarnung: Anwohner fühlen sich bevormundet
Am 12. Februar steigen am Gleisdreieck die Raketen
Ole Töns
Es hätte einfach nur ein besonders schönes und großes
Feuerwerk auf dem Gelände des Gleisdreiecks zum Chinesischen Frühlingsfest
am 12. Februar werden können. Doch ein Flugblatt der Senatskanzlei
versetzte die Anwohner jetzt eher in Sorge als Freude: "Ihre Wohnungen
befinden sich im Sicherheitsbereich. Wir bitten Sie höflichst, unbedingt
in der Zeit von 20 bis 21.15 Uhr Ihre Fenster geschlossen zu halten, sich
nicht auf Balkone und Dächer zu begeben und sich nicht in der Dennewitzstraße,
dem Nelly-Sachs-Park und am Ende der Kurfürstenstraße aufzuhalten",
heißt es auf rund 200 Flugblättern der Senatskanzlei.
Zwar werden die Anwohner auf dem Flugblatt freundlich aufgefordert, das
Feuerwerk von der Linkstraße oder der Kreuzberger Seite des Parks
aus zu genießen. Doch Anwohner waren offenbar feinfühliger
als erwartet: Sie reagierten mit öffentlicher Empörung auf die
Formulierung, fühlten sich damit in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
Die Senatskanzlei ist um Schadensbegrenzung bemüht: Es handle sich
um ein von der Veranstaltungsagentur Media Pool nach den Sicherheitsauflagen
des zuständigen Bezirksamtes formuliertes Flugblatt, das von dem
zuständigen Referatsleiter der Senatskanzlei unterschrieben sei,
erklärte der Sprecher der Senatskanzlei Kai-Uwe Merz. Demnach müsse
rund um das Feuerwerk ein Sicherheitsabstand von 150 Metern eingehalten
werden, falls Reste der Feuerwerkskörper herunterfallen. Ursprünglich
sei das von der Stadt Peking an Berlin geschenkte Feuerwerk für die
Abschlussveranstaltung der Asien-Pazifik-Wochen im vergangenen Herbst
gedacht gewesen, dann aber aufgrund des 11. September verschoben worden.
Die Geschäftsführerin des Asien-Pazifik-Forums, Bernadette
Hoberg, hält die Aufregung für übertrieben: Man könne
natürlich niemandem verbieten, das Haus zu verlassen, es handle sich
lediglich um eine Empfehlung. Hoberg und die Sprecherin der beauftragten
Veranstaltungsagentur Mediapool, Petra Knoth, wiesen darüber hinaus
darauf hin, dass sich zum Zeitpunkt des Feuerwerks zudem das Personal
einer eigens beauftragten Sicherheitsfirma um Personen auf den betroffenen
Straßen kümmern werde.
14.12.2001, Der Tagesspiegel
Technikmuseum: Umzug offenbar vom Tisch
Das Deutsche Technikmuseum kann nach Informationen dieser Zeitung möglicherweise
doch mit seiner gesamten Sammlung auf dem Gleisdreieck-Areal bleiben.
Über die Nutzung wird seit Monaten heftig gestritten. Ursprünglich
sollte das Museum nach Plänen der Berliner Bauverwaltung einen Teil
seines brachliegenden Geländes am Gleisdreieck abgeben und mit einigen
Exponaten in den Flughafen Tempelhof umziehen. Diese Pläne scheinen
nach Gesprächen im Senat nunmehr vom Tisch zu sein. Die "Aktionsgemeinschaft
Gleisdreieck" begrüßt die neuen Signale.
7.12.2001, die tageszeitung
Stadt nach Gutsherrenart
Vivico ist nach dem Land der größte Flächenbesitzer in
Berlin und führt sich auch entsprechend auf. Vor allem in Friedrichshain
wird sich zeigen, inwieweit die öffentliche Hand ihre Planungen durchsetzt
von UWE RADA
Den Mai dieses Jahres hat Mikado Kristine Schütt nicht in guter
Erinnerung. Zwei Jahre lang hatten Schütt und andere Künstler
auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes Franz
Stenzer den RAW-Tempel betrieben. Zwei Jahre lang ein Gelände wieder
nutzbar gemacht, das seit längerem brachlag. Dann kam die Kündigung.
Wegen angeblicher "erheblicher Vertragsverletzungen" wollte
die Vivico, die Eigentümerin an der Revaler Straße, die Künstler
vom Gelände jagen.
Auf Kündigungen versteht man sich bei der Vivico. Davon wissen nicht
nur die RAW-Templer ein Lied zu singen, sondern auch hunderte von Laubenpiepern.
Schließlich ist die Vivico nicht irgendein Grundstückseigentümer,
sondern neben dem Land der größte in Berlin. Der Nachfolgerin
der "Eisenbahnimmobilien-Management" (EIM) und hundertprozentigen
Tochter des Bundes gehören sämtliche Grundstücke der Bahn,
die nicht unmittelbar für den Fahrbetrieb notwendig sind. Das sind
die Kleingartenkolonien entlang der Bahnstrecken ebenso wie große
zusammenhängende Flächen wie etwa das Revaler Viereck und dem
Ostbahnhof in Friedrichshain oder das Gleisdreieck in Kreuzberg.
"Für Kleingärten ist nicht derselbe Erlös erzielbar
wie für Bauland", sagt der Berliner Vivico-Chef Jürgen
Heyder. Und Erlöse sind für Heyder der Dreh- und Angelpunkt
des Geschäfts. "Unser Eigentümer ist zwar der Bund, aber
wir agieren wie ein privates Unternehmen, damit möglichst viele Erlöse
in den Bundeshaushalt zurückfließen", begründet er.
Diese Unternehmensphilosophie bringt die Vivico nicht nur in Konflikte
mit Nutzern wie den Friedrichshainer Künstlern oder den Laubenpiepern,
sondern auch dem Land Berlin und den Bezirken. Zum Beispiel am Gleisdreieck.
Für Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) und den Kreuzberger
Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) steht seit längerem fest, dass
auf dem Gelände, auf dem früher ein Biotop gedieh, nun ein Park
entstehen soll. Vivico als Eigentümer dagegen möchte am liebsten
den Potsdamer Platz über die Yorckstraße hinweg nach Süden
verlängern. "Auf dem letzten großflächigen Areal
im Zentrum der Stadt", heißt es in einer Projektbeschreibung,
"entwickelt die Vivico ein neues lebendiges Stadtquartier."
Kommt nun, zehn Jahre nach der Erpressung des Landes durch Daimler und
Sony am Potsdamer Platz, die Stadtentwicklung nach Gutsherrenart zurück
nach Berlin? Es dauerte jedenfalls sehr lange, bis sich die Vivico bereit
erklärte, bestehende Pläne auf dem Gleisdreieck zumindest teilweise
anzuerkennen. Der Kompromiss, der derzeit verhandelt wird, sieht vor,
dass die Vivico auf 42 Hektar ihr neues Stadtquartier baut, während
die Anwohner lediglich 16 Hektar für den lange ersehnten Park bekommen.
Das Geschäftsgebaren der Vivico ist Katrin Lompscher schon lange
ein Dorn im Auge. "Die agieren als wären sie etwas Besonderes,
dabei sind sie ein ganz normaler Eigentümer wie jeder andere auch",
sagt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der PDS. Doch Lompschers
Kritik richtet sich nicht nur gegen die Vivico, sondern auch gegen den
Senat. "Wenn man ein städtebauliches Konzept hätte, könnte
man die öffentlichen Interessen gegenüber der Vivico auch besser
durchsetzen."
Das betrifft vor allem den Spreeraum. Zwischen Schilling- und Warschauer
Brücke, so lautet die übereinstimmende Prognose von Immobilienexperten,
liege die neue Entwicklungsachse Berlins. Diesem Umstand tragen Einzelprojekte
wie das Trias-Gebäude, der Neubau des Novotels, das Internationale
Solarcenter oder die Planungen für das Areal südlich des Ostbahnhofs
mit zwei 117 und 70 Meter hohen Türmen bereits Rechung. Das größte
dieser Projekte wird aber der neue Stadtteil zwischen Ostbahnhof und Warschauer
Brücke sein. Auf dem 21 Hektar großen Gelände soll nicht
nur eine neue Großhalle für 16.000 Zuschauer entstehen, sondern
auch Wohnungen, Büros und Einzelhandel. Investor ist die amerikanische
Anschutz Entertainment Group, die das ehemalige Vivico-Gelände entwickeln
wird.
Spätestens mit diesen Vorhaben gerät der Spreeraum allerdings
in Wettbewerb zu bereits bestehenden Plänen. Das ist auch der Grund,
warum sich nun auch die Stadtentwicklungsverwaltung einschaltet. "Zuviel
Bruttogeschossfläche auf dem Anschutz-Gelände ist problematisch",
sagt Strieders Chefplaner Dietrich Flicke, "weil wir sonst in Konkurrenz
zu den Planungen am Alexanderplatz geraten."
Nachdem die Strieder-Behörde die Bahnflächen lange Zeit nicht
mitbedacht hat, will man nun mit einem Gutachten zum Spreeraum wieder
Land gewinnen und eine städtebauliche Leitplanung formulieren. "Höchste
Zeit", sagt dazu PDS-Bauexpertin Katrin Lompscher und nennt gleich
die Prioritäten ihrer Partei. "Im Vordergrund stehen die Infrastrukturmaßnahmen.
Da müssen wir sehen, dass wir die gegenüber den Investoren durchsetzen."
Noch allerdings sitzen die Investoren nicht in den Startlöchern.
"Am Alexanderplatz", berichtete im Sommer Jürgen Kuhle
von der Aengevelt Immobilien-Gruppe, "haben wir uns bemüht,
den Schlüsselnutzer für das erste Hochhausprojekt im Bürobereich
zu finden. Das war schlicht nicht möglich."
Gleiches dürfte auch für den neuen Entwicklungsraum an der
Spree gelten, zumal in der bereits fertig gestellten Oberbaum-City noch
immer Büroräume leer stehen. Kritiker fordern deshalb bereits,
die Planungen für weitere Areale offen zu halten und viel mehr auf
temporäre Nutzungen wie "Maria am Ostbahnhof" zu setzen.
Der legendäre Club muss demnächst ausziehen, ohne dass mit dem
geplanten Neubau an gleicher Stelle begonnen würde.
Der größte Konkurrent um den Immobilienmarkt im Spreeraum
ist sich allerdings Vivico selbst. "Mit dem Bau der Anschutz-Halle
samt umliegender Gebäude", weiß auch Vivico-Pressesprecher
Brandt, "wird es für das Revaler-Viereck schwerer." Nicht
zuletzt deshalb will Vivico das Gelände mit dem RAW-Tempel selbst
entwickeln. Ein städtebaulicher Wettbewerb ist bereits im Gange,
die Bürgerbeteiligung hat begonnen. Und plötzlich ist auch der
RAW-Tempel wieder im Spiel. "Offenbar kann die Vivico auf bereits
vorhandene Nutzer gar nicht verzichten", sagt der Architekt Christian
Mika, der bei der Bürgerbeteiligung die Interessen der Anwohner vertritt.
Gleichwohl ist auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks
das letzte Wort noch nicht gesprochen. Während sich die meisten Anwohner
für möglichst viele Grünflächen aussprechen, will
die Vivico so dicht wie möglich bebauen. Wie dicht, das will sie
allerdings nicht verraten. Im städtebaulichen Wettbewerb wird zwar
vorgegeben, die denkmalgeschützen Hallen zu erhalten. Über die
Baumasse schweigt sich die Vivico allerdings aus.
So sieht sie eben aus, die neue Stadtentwicklung nach Gutsherrenart.
27. 11. 2001, Berliner Morgenpost
Stadtvillen statt Museumsausbau
Von Markus Falkner
Kreuzberg/Schöneberg/Tiergarten - Die Tage der 300 Meter langen historischen
Ladestraße des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs scheinen gezählt.
In den Verhandlungen zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
und der Eisenbahn-Immobilien-Verwertungsgesellschaft Vivico über
die künftige Entwicklung des Gleisdreiecks zeichnet sich ab, dass
die ursprünglich als dritte Ausbaustufe des Deutschen Technikmuseums
vorgesehenen Lagerhallen voraussichtlich den von der Vivico geplanten
Stadtvillen an der Möckernstraße weichen müssen. Nach
den Vorstellungen des Senats könne das Museum stattdessen am Flughafen
Tempelhof weitere Ausstellungsflächen finden, wie Petra Roland bestätigt.
Ohnehin sei der Museumsausbau «Zukunftsmusik», sagt die Sprecherin
von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). «Über Jahre
hinaus ist absehbar, dass es dafür kein Geld geben wird.»
Auf Kritik stieß der sich abzeichnende Kompromiss zwischen dem Land
und der Bahn-Tochter schon vor Wochen, als die Pressesprecherin des Deutschen
Technikmuseums, Maria Borgmann, ankündigte, die Pläne «nicht
kampflos hinnehmen» zu wollen. Jetzt erhält sie Unterstützung
von den in der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck zusammengeschlossenen
Bürgerinitiativen, die sich seit Jahren für eine anwohnerfreundliche
Gestaltung des Geländes, vor allem für eine großzügige
Parkfläche einsetzen. Matthias Bauer, Sprecher der Aktionsgemeinschaft,
kritisiert, die Senatsverwaltung habe weder schlüssige Konzepte für
den Flughafen Tempelhof, noch für das Gleisdreieck oder das Technikmuseum.
Er fordert, die Ladestraße in jedem Fall zu erhalten. «Wird
diese Struktur abgerissen, ist vor Ort nicht mehr nachzuvollziehen, wie
der einst größte Berliner Bahnhof einmal funktioniert hat»,
sagt Bauer. Damit würde dem künftigen Gleisdreieckpark eines
der wichtigsten originären Elemente fehlen.
Über die unterschiedlichen Planungsansätze und alternative Entwicklungsmöglichkeiten
des Gleisdreiecks informiert die Aktionsgemeinschaft seit Monaten in einer
Ausstellung, die noch bis Freitag, 30. November, täglich von 17 bis
20 Uhr an der Pallasstraße 3 in Schöneberg zu sehen ist. Voraussichtlich
vom 11. Dezember an gastiert die Ausstellung dann im Deutschen Technikmuseum.
Am Sonntag, 2. Dezember, lädt die AG alle Interessierten zu einer
Führung über das Bahngelände ein. Treffpunkt ist um 13
Uhr an der Lutherkirche am Schöneberger Dennewitzplatz.
13.11.2001, Der Tagesspiegel
Hangars als Museumsstandort
Stadtentwicklungssenator will Teile des Technikmuseums nach Tempelhof
verladen
Ole Töns
Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg. Das Deutsche Technikmuseum soll
auf die seit langem erhofften Erweiterungsflächen auf dem Gelände
des Gleisdreiecks verzichten. Dies erklärte gestern die Sprecherin
der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Reetz. Demnach sind
die laufenden Verhandlungen zwischen der zuständigen Verwertungsgesellschaft
für die ehemaligen Bahnflächen, Vivico, und der Senatsverwaltung
hinsichtlich der strittigen Flächen auf dem ehemaligen Anhalter Güterbahnhof
bis auf Details abgeschlossen. "Das Museum wird zwar die zur Zeit
genutzten Gebäudeteile behalten, darüber hinaus aber keine Flächen
erhalten die dem Land Berlin gehören", so Reets. Als Alternativstandorte
für Teile des Verkehrsmuseums schlägt die Senatsverwaltung den
Flughafen Tempelhof vor. Nach Auskunft des Technikmuseums wird zur Zeit
der Kopfbau sowie Teile der dazugehörigen lang gestreckten Lagergebäudes
parallel zur Möckernstraße genutzt. Für die Museumserweiterung
waren laut Museumssprecherin Maria Borgmann aber sämtliche Gebäude
einer weit größeren ehemaligen Ladestraße sowie ein zweiter
Kopfbau am Kanalufer geplant. Diese Flächen werden laut Reetz jetzt
unter anderem für einen Park auf dem Gleisdreieck genutzt. Hintergrund
der Entscheidung sind seit längerem laufende Verhandlungen zwischen
der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Vivico um die Aufteilung
des brachliegenden Gleisdreiecks in Baugrundstücke und Grünflächen.
Letztere stehen dem Land unter anderem als Ausgleichsflächen für
die Bauten am Potsdamer Platz zu und sollen möglichst als zusammenhängende
Erholungsfläche angelegt sein. Der Vivico geht es dagegen in erster
Linie um eine möglichst gewinnbringende Vermarktung von Baugrundstücken.
Dass Teile des Verkehrsmuseums in den Flughafen Tempelhof umziehen könnten,
ist laut Reetz bisher nur eine Idee, für die es noch keinerlei Finanzierungskonzept
gibt. Für die vom Museum gewünschte Erweiterung sind demnach
allerdings auch keinerlei Mittel verfügbar. Als eine Amputation des
bisher auf einen zentralen Standort hin geplanten Technikmuseums wertete
dagegen Borgmann die Senatsvorschläge. Demnach wurde bei der Planung
seit der Gründung 1982 von dem zentralen Gelände auf dem Gleisdreieck
ausgegangen. Teil dieser Planung sei seit langem auch eine Finanzierung
mit Hilfe privater Investoren. Diese bräuchten lediglich Planungssicherheit.
Der neue Museumsbau, in dessen Fassade ein historisches Flugzeug integriert
ist, sei darüber hinaus offensichtlich bereits als Gebäude für
die Luftfahrtausstellung angelegt. Gegen eine Teilung des Technikmuseums
auf mehrere Standorte hatte sich auch Gründungsdirektor Günther
Gottmann ausgesprochen. Laut Gottmann sind bereits Millionensummen in
Exponate sowie deren Lagerung geflossen.
12.11.2001, Berliner Zeitung
KREUZBERG/ TEMPELHOF
Technikmuseum soll aufgeteilt werden
Das Deutsche Technikmuseum soll nach Plänen der Senatsbauverwaltung
einen Teil seines brachliegenden Geländes am Gleisdreieck abgeben
und mit einigen Exponaten in den Flughafen Tempelhof umziehen. Die Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung wolle die geplante Erweiterungsfläche des
Museums nun einem geplanten Park am Gleisdreieck zuschlagen, wie die "tageszeitung"
am Wochenende berichtete. Weder das Land noch das Museum hätten die
Mittel, um das Haus durch einen Neubau zu erweitern. Deshalb sollen sowohl
die Straßenverkehrssammlung als auch Teile der Raum- und Luftfahrtausstellung
in den voraussichtlich ab 2007 schließenden Flughafen Tempelhof
ziehen. (dpa)
1. 11. 2001, Berliner Abendblatt
Senat: baldiger Vertrag, AG Gleisdreieck: Rahmen nicht eingehalten
Neue Aspekte bei der Gleisdreieck-Bebauung
Schöneberg/Kreuzberg/ Tiergarten. Wieviel Grünfläche und
wieviel Bebauung wird es auf dem Gleisdreieck geben? Während die
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Eisenbahn-Immobilien-Verwertungsgesellschaft
Vivico einen baldige Vertragsunterzeichnung in Aussicht stellen, spricht
die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck davon, dass die Rahmenvereinbarungen
nicht eingehalten worden sind.
Ephraim Gothe, Referent von Senatsbaudirektor Hans Stimmann, zum Thema:
"Wir sind guten Muts, dass in den nächsten Wochen der Vertrag
zwischen der Vivico und dem Senat unterzeichnet wird." Dessen Ziel
sei nach wie vor eine möglichst große Parkfläche. Willi
Brandt von der Vivico spricht vom Senat als "einem harten aber fairen
Verhandlungspartner". Ursprünglich sollten auf dem 62 Hektar
großen Areal, wovon 42 Hektar von der Vivico vermarktet werden sollen,
nur zehn Hektar bebaut werden, zwischenzeitlich gab es Zugeständnisse
seitens des Senats und die zu bebauende Fläche sei auf 19 Hektar
angewachsen, wie die Aktionsgemeinschaft (AG) Gleisdreieck kritisiert.
Brandt dazu: "Natürlich wollen wir die Fläche so gut wie
möglich vermarkten, aber das geht nur, wenn man sich politisch einigt.
Und natürlich wollen wir auch ein grünes Gleisdreieck."
Konkretere Infos sind derzeit weder vom Senat noch von der Vivico zu erhalten
- aber von der AG Gleisdreieck, die eine Mängelliste erarbeitet hat.
"Uns geht es um die Höhe und Dichte der Bebauung auf den fünf
Baufeldern des Areals", erklärt Norbert Rheinlaender. Einer
der Hauptkritikpunkte: Entlang der Flottwellstraße solle jetzt höher
gebaut werden, was die Frischluftschneise Richtung Tiergarten verenge.
Der Hintergrund: Die Ladestraße des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs
könne nicht bebaut werden, da das deutsche Technikmuseum dort eine
Erweiterung vorgesehen hat, "was im Gründungsvertrag des Museums
vereinbart war". Dahinter stehe sogar Bahnchef Hartmut Mehdorn als
Mitglied des Stiftungsrats des Museums. Also wolle die Vivico an der Flottwellstraße
einen Ausgleich.
Einen ganz neuen Aspekt rückt die AG Gleisdreieck jetzt ins Licht:
"Wir lassen ein Rechtsgutachten erarbeiten, denn es gibt juristische
Ansätze dafür, dass ein Gelände, das länger als fünf
Jahre nicht genutzt wird, an die Kommune zurückfallen kann."
Die Bahn als Eigentümer des Areals hätte rein rechtlich sowieso
nur die Möglichkeit einer Nutzung als Verkehrsfläche. Die sei
aber im Prinzip mit der Fertigstellung des Potsdamer Platzes beendet,
dafür würde die jahrelang dort etablierte Baulogistik- fläche
nicht mehr gebraucht. Allerdings: "Die Bahn hat den Potsdamer Platz
bis 2006 als Baulogistik-gelände beansprucht", so Rheinlaender,
"wahrscheinlich, um sich abzusichern."
Dass interessierte Anwohner über die Planungen nicht ausreichend
informiert worden seien, kritisiert die AG seit langem. Um dem abzuhelfen,
haben die Bür-gerinitiativen, die in der AG Gleisdreieck mitarbeiten,
eine Ausstellung organisiert, mit finanzieller Unterstützung des
Quartiersmanagements Schöneberger Norden. Sie zeigt 16 Schautafeln
der AG sowie vier der Vivico, "denn die Bürger sollen sich ein
unabhängiges Bild machen können", erklärt Rheinlaender.
Deutlich werden sollen die unterschiedlichen Positionen, und an Hand eines
Modells können die verschiedenen Bebauungsvarianten nachgestellt
werden.
Die Ausstellung ist bis Dienstag, 4. November, im U-Bahnbogen an der Pohlstraße
11 in Tiergarten zu sehen. Öffnungszeiten sind täglich von 17
bis 20 Uhr. Danach wandern die Schautafeln nach Schöneberg. Vom 9.
bis 21. November sind sie im Gemeindesaal der Zwölf-Apostel-Kirche,
An der Apostelkirche 1, zu sehen, vom 23. bis 30. November in der Pallasstraße
3. Öffnungsszeiten: ebenfalls täglich von 17 bis 20 Uhr. um
Berliner Abendblatt vom 1. November 2001 - 7. November 2001
30. 10. 2001
Pressemitteilung VIVICO
München, 30. Oktober 2001 - Peter Strieder, Senator für Stadtentwicklung,
und Dirk Grosse-Wördemann, Vorsitzender der Geschäftsführung
der Vivico Management GmbH, zeigen sich zuversichtlich, die Gespräche
über eine Einigung für die Entwicklung des Berliner Gleisdreiecks
zeitnah abschließen zu können.
Dies äußerten beide anlässlich der EXPO REAL in München,
dem mit 900 Ausstellern aus 20 Ländern größten Treff der
Immobilienbranche in Deutschland. Damit treten beide Verhandlungspartner
anders lautenden Meldungen, u.a. der "AG Gleisdreieck", entgegen.
Peter Strieder: Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Einigung
in naher Zukunft vertraglich fixieren können."
Dirk Grosse-Wördemann: "Wir wollen das Momentum nutzen, nach
den harten und fairen Verhandlungen schnell zu einem Abschluss zu gelangen."
Der Stand der Gespräche sieht einen 22,4 ha großen Park (davon
rund 3 ha "Wäldchen") und weitere nicht zusammen hängende
Grünflächen von rund 6,1 ha vor. Umrandet wird dies von fünf
Baufeldern für innerstädtisches Wohnen, Arbeiten und Freizeit.
Die ursprüngliche Planung sah zunächst einen 16 ha großen
Park vor und war als Ausgleichfläche für die Bebauung am Potsdamer
Platz vorgesehen.
Hervorgegangen ist die Vivico Management GmbH aus der 1996 gegründeten
Eisenbahnimmobilien Management GmbH (EIM) - einer 100-prozentigen Tochter
der Deutschen Bahn. Die Vivico agiert seit 15. März 2001 unter neuem
Namen.
27.10.2001, Der Tagesspiegel
Verfahren
Brachfläche Gleisdreieck: Senat und Bahnimmobilienfirma konnten
sich über die Bebauung noch nicht einigen
Ole Töns
Tempelhof-Schöneberg / Kreuzberg. Eine Einigung über das künftige
Verhältnis von Grün- und Erholungsflächen zu Neubaugebieten
auf einer der größten innerstädtischen Brachflächen
Berlins ist kurz vor der Wahl gescheitert. Dies erklärte die Aktionsgemeinschaft
Gleisdreieck, in der mehrere Anwohnerinitiativen um das rund 62 Hektar
große Areal südlich des Potsdamer Platzes organisiert sind.
Bei den Verhandlungen ging es zuletzt um Flächen, die dem Land als
Ausgleichsfläche für die Bebauung des Potsdamer Platzes zustehen.
Die Grundstücksverwertungsgesellschaft für die ehemaligen Bahnflächen,
Vivico, möchte möglichst gewinnversprechende Teile des Areals
zur Immobilienentwicklung reservieren. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
strebt dagegen einen weitgehend zusammenhängenden Park an. Dass ein
Informationstermin zu den Verhandlungen kurz vor der Wahl kurzfristig
abgesetzt worden sei, wurde unterdessen von der Senatsverwaltung bestätigt.
Grundsätzlich sei der Rahmenvertrag allerdings keineswegs gescheitert,
hieß es. Einen neuen Termin für die Unterzeichnung gebe es
jedoch nicht. Zuletzt hatte sich eine Einigung zwischen der AG-Gleisdreieck
und der Vivico abgezeichnet, nach der die Vivico die Möglichkeit
erhalten hätte, zwischen dem geplanten Park und der Flottwellstraße
südlich des Potsdamer Platzes Hochhäuser zu bauen. Die Anwohnervereinigungen
fordern dagegen, dass der künftige Park zu den umliegenden Straßen
offen bleiben. In die Kritik geraten sind auch Pläne der Vivico,
wonach Flächen für Neubauten reserviert worden, die bisher zur
Erweiterung des Technikmuseums vorgesehen waren. Prominenter Widerspruch
gegen dieses Vorhaben verhinderte nach Auskunft der Sprecherin des Technikmuseums,
Maria Borgmann, dass die Einigung zustande kam. Wie berichtet, hatten
Mitglieder des Stiftungsbeirates des Museums - darunter Bahnchef Hartmut
Mehdorn - kurz vor der Wahl gegen Neubauten auf dem Gelände des ehemaligen
Anhalter Güterbahnhofs ausgesprochen. Starke Einwände erhob
jetzt auch der Gründungsdirektor des Museums, Günther Gottmann.
Millionen seien bereits in historische Sammlungen geflossen, die eigens
zur Ausstellung auf diesem Gelände angeschafft worden seien, sagte
Gottmann. Sollte die schon im Gründungsbeschluss vorgesehene Ausstellungsfläche
des Anhalter Güterbahnhofs nicht mehr zur Verfügung stehen,
sei das ganze Museumskonzept gefährdet, sagte Gottmann. Die Senatsverwaltung
erklärte, über diesen Punkt der Planung sei mit der Vivico Stillschweigen
für die Dauer der Verhandlungen vereinbart worden.
Ausstellung Gleisdreieck: täglich 17 - 20 Uhr, noch bis 4. 11. U-Bahnbogen,
Pohlstraße 11. 9. 11. - 21. 11. Gemeindesaal der Zwölf-Apostel-Kirche,
An der Apostelkirche 1, 23. 11. - 30. 11. Pallasstraße 3.
20. 10.2001, Berliner Morgenpost
Vivico baut auf dem Gleisdreieck
Die Verträge zur Bebauung des Gleisdreiecks stehen offenbar kurz
vor der Unterzeichnung. Dies erklärte gestern die Senatsbauverwaltung.
Seit Jahren verhandelt der Senat mit der Eisenbahn-Immobilientochter Vivico
über die Bebauung des 17 Hektar großen Areals östlich
der Flottwellstraße. «Es müssen nur noch ein paar Feinheiten
bei der Einmessung der Grundstücke geklärt werden», sagte
die Sprecherin der Bauverwaltung, Petra Rohland. Sie dementierte damit
eine Mitteilung der AG Gleisdreieck über ein «Platzen»
der Verhandlungen. Die Bebauungspläne sind auch wichtig für
die Expansion des Technikmuseums, das auf einem Teil des Geländes
seine Automobilsammlung unterbringen will. west
18. 10. 2001, Spandauer Volksblatt
Streit um das Gleisdreieck geht weiter
Aufteilung in Park- und Bauland umstritten
Kreuzberg. Am 18. Oktober sollte eine Entscheidung über die Zukunft
des Gleisdreiecks fallen. Senat und Bahn AG wollten einen Vertrag über
die Aufteilung des Geländes in Bau- und Freiflächen abschließen.
Es gibt jedoch bis heute keinen unterschriftsreifen Vertrag. Bahn, Senat
und Bürgerinitiativen hatten sich in der Vergangenheit lange über
die künftige Aufteilung des Geländes am Gleisdreieck gestritten.
Letztlich einigten sie sich auf einen Kompromiss. Er sieht einen großen
Park und Wohnbebauung auf dem Gelände vor. Der Streit zwischen Deutscher
Bahn, Senat und Anwohnerinitiativen um die Bebauung des Gleisdreieckes
geht in eine neue Runde. Grund: Der Termin zur vertraglichen Fixierung
des gefundenen Kompromisses war geplatzt, neue Pläne wurden diskutiert.
Von den neuen Plänen ist nun auch die frühere Ladestraße
des Anhalter Güterbahnhofs betroffen. Deren Schuppen nutzt das Deutsche
Technikmuseum derzeit als Depot für historische Fahrzeuge. Das Gelände
wollte der Senat eigentlich dem Museum zuschlagen. "Wenn das Depot
wegfällt", sagt Maria Borgmann vom Museum, "muss technisches
Kulturgut von Millionenwert verschrottet werden." Bevor jedoch die
Flächen Bauland werden könnten, müsste der Flächennutzungsplan
des Landes Berlin geändert werden. Darin sind die Flächen als
Grünflächen ausgewiesen. Petra Rohland, Pressesprecherin der
Senatsverwaltung, wollte auf Anfrage eine beabsichtigte Umwidmung der
Flächen nicht bestätigen. "Die Vertragsverhandlungen mit
der Vivico stehen kurz vor dem Abschluss", sagt sie. Es müssten
nur noch Randfragen geklärt werden. Senator Peter Strieder habe lediglich
vor der Wahl keinen Vertrag abschließen wollen, der nicht bis ins
Detail ausgereift sei. Die Aktionsgemeinschaft der Bürgerinitiativen
zeigt bis zum 4. November eine Ausstellung über die Planungen am
Gleisdreieck im U-Bahnbogen Pohlstraße 11. Die Ausstellung ist ab
9. November in der Zwölf-Apostel-Kirche Kurfürstenstraße
7 und ab 22. November in der Pallasstraße 3 zu sehen. Öffnungszeiten
täglich 17 bis 20 Uhr. Sonntags 13 Uhr gibt es vom Ausstellungsort
eine Führung über das Bahngelände. Nähere Auskünfte
unter 215 11 35. Warum der Vertragstermin am 18. Oktober geplatzt ist,
darüber gibt es verschiedene Erklärungen. Matthias Bauer von
der Aktionsgemeinschaft, einem Zusammenschluss der Bürgerinitiativen,
sieht in Bahn-Chef Harmut Mehdorn den Bremser. Dieser habe Widerspruch
gegen den Kompromiss eingelegt. Wilhelm Brandt, Sprecher der Vivico, der
Immobilientochter der Deutschen Bahn, sagt, dass der Verhandlungsstand
noch nicht so weit fortgeschritten gewesen sei. Ein Termin 18. Oktober
sei nie ins Auge gefasst worden, da noch nicht alle Baufelder abgestimmt
wären. Von einer Aufkündigung des Kompromisses könne keine
Rede sein, da statt ursprünglich 16 Hektar Parkfläche jetzt
22,4 zur Verhandlung stünden. Laut Matthias Bauer hat auch der Senat
den Kompromiss wieder in Frage gestellt. Senatsbaudirektor Hans Stimmann
habe im Frühjahr öffentlich von Bauflächen an der Flottwell-
und Dennewitzstraße sowie an der Möckernstraße gesprochen.
Die Aufteilung würde sich zugunsten der Baufläche verschieben.
Sie werde um neun Hektar vergrößert und der Park erheblich
verkleinert. Der Streit zwischen Deutscher Bahn, Senat und Anwohnerinitiativen
um die Bebauung des Gleisdreieckes geht in eine neue Runde. Grund: Der
Termin zur vertraglichen Fixierung des gefundenen Kompromisses war geplatzt,
neue Pläne wurden diskutiert. Von den neuen Plänen ist nun auch
die frühere Ladestraße des Anhalter Güterbahnhofs betroffen.
Deren Schuppen nutzt das Deutsche Technikmuseum derzeit als Depot für
historische Fahrzeuge. Das Gelände wollte der Senat eigentlich dem
Museum zuschlagen. "Wenn das Depot wegfällt", sagt Maria
Borgmann vom Museum, "muss technisches Kulturgut von Millionenwert
verschrottet werden." Bevor jedoch die Flächen Bauland werden
könnten, müsste der Flächennutzungsplan des Landes Berlin
geändert werden. Darin sind die Flächen als Grünflächen
ausgewiesen. Petra Rohland, Pressesprecherin der Senatsverwaltung, wollte
auf Anfrage eine beabsichtigte Umwidmung der Flächen nicht bestätigen.
"Die Vertragsverhandlungen mit der Vivico stehen kurz vor dem Abschluss",
sagt sie. Es müssten nur noch Randfragen geklärt werden. Senator
Peter Strieder habe lediglich vor der Wahl keinen Vertrag abschließen
wollen, der nicht bis ins Detail ausgereift sei. Die Aktionsgemeinschaft
der Bürgerinitiativen zeigt bis zum 4. November eine Ausstellung
über die Planungen am Gleisdreieck im U-Bahnbogen Pohlstraße
11. Die Ausstellung ist ab 9. November in der Zwölf-Apostel-Kirche
Kurfürstenstraße 7 und ab 22. November in der Pallasstraße
3 zu sehen. Öffnungszeiten täglich 17 bis 20 Uhr. Sonntags 13
Uhr gibt es vom Ausstellungsort eine Führung über das Bahngelände.
Nähere Auskünfte unter Telefon 215 11 35. FW
17.10.2001, Der Tagesspiegel
Technikmuseum
Bahnchef Mehdorn gegen Einschränkung
Bahnchef Hartmut Mehdorn hat sich als Mitglied des Stiftungsrates des
Deutschen Technikmuseums in Berlin deutlich gegen Überlegungen der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und einer Grundstücksgesellschaft
gewandt, den weiteren Ausbau des Museums an seinem jetzigen Standort nahe
dem U-Bahnhof Gleisdreieck einzuschränken. Ein entsprechender Protest
des Stiftungsrates wurde nach seiner konstituierenden Sitzung unter Leitung
der Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler am gestrigen Dienstag veröffentlicht.
"Während andere Städte große und öffentlichkeitswirksame
Technikmuseen entwickeln, weil sie damit großer Besuchernachfrage
Rechnung tragen", setze Berlin durch diese Planung einen einzigartigen
Standort für sein zentrales Technikmuseum aufs Spiel, heißt
es darin. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung widerspräche
mit ihrem Vorhaben, Museumsflächen für eine Wohnbebauung freizugeben,
überdies einem vom Parlament gefassten Grundsatzbeschluss über
den weiteren Ausbau des Museums.
15. 10. 2001, Berliner Morgenpost
Widerstand gegen zusätzliche Wohnungen am Gleisdreieck
Aktionsgemeinschaft befürchtet Verschlechterung des Stadtklimas
-
Auch das Deutsche Technikmuseum protestiert
Von Beate K. Seiferth
Schöneberg/Kreuzberg/Tiergarten - Die Aktionsgemeinschaft (AG) Gleisdreieck
wehrt sich gegen die Ausdehnung der Baufläche auf dem Gleisdreieck.
Auf dem 62 Hektar großen Areal sollen künftig 17 Hektar für
Wohnungen und Büros genutzt werden. Doch eine ursprüngliche
Kompromisslösung zwischen der Eisenbahn-Immobilien-Verwertungsgesellschaft
Vivico, dem Senat sowie der AG sah eine Bebauung von zehn Hektar vor.
«Nach jahrelangen Verhandlungen soll jetzt über unsere Köpfe
hinweg entschieden werden», ärgert sich AG-Mitglied Matthias
Bauer. Doch das wolle man nicht einfach hinnehmen.
Hauptknackpunkte für die AG sind die jetzt zusätzlich avisierte
Bebauung entlang der Ostseite der Flottwellstraße sowie der Abriss
der Güterschuppen und die Bebauung der Ladestraße des ehemaligen
Anhalter Güterbahnhofs. «Die Frischluftschneise vom Tiergarten
über das Gleisdreieck zum südlichen Stadtrand würde dadurch
derart verengt, dass der Luftaustausch nicht mehr gewährleistet ist»,
kritisiert Bauer. Zudem sei dieser Teil im Flächennutzungsplan als
Grünbereich vorgesehen. Auch die geplante Einbeziehung des Postbahnhofes
am Gleisdreieck als Areal für Hochhäuser
könnte sich negativ auf den Luftaustausch auswirken. Die AG fordert,
dass vor einer Ausweisung dieses Areals als Baufläche die möglichen
Folgen auf das Stadtklima untersucht werden.
Kritik übt auch die Pressesprecherin des Deutschen Technikmuseums,
Maria Borgmann. Denn die Ladestraße gehört zur so genannten
dritten Ausbaustufe des Museums. «Dort sollen künftig Objekte
der Verkehrsgeschichte sowie der Kommunikations- und Produktionstechnik
ausgestellt werden», so Borgmann. Zwar kann dieses Projekt wegen
fehlenden Geldes derzeit nicht realisiert werden. «Doch wir werden
nicht kampflos hinnehmen, dass unsere Pläne damit endgültig
zerschlagen werden.»
Bei der Vivico hält man sich indes bedeckt. «Im Senat wird
derzeit über die Abgrenzung der Bebauungsflächen diskutiert»,
sagt Sprecher Willi Brandt. Dessen Entscheidung wolle man zunächst
abwarten. Auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will nicht
mit der Sprache rausrücken. «So kurz vor Abschluss der Verhandlungen
können wir keine Informationen an die Öffentlichkeit geben»,
sagt Pressesprecherin Petra Roland. Ein Fakt, den die AG heftig kritisiert.
«Erst einen Vertrag mit der Vivico abschließen und anschließend
den Flächennutzungsplan entsprechend ändern, halten wir für
ein unkorrektes Verfahren», ärgert sich Bauer. Die Bürgerbeteiligung
würde damit zur Farce degradiert.
Moniert wird von der AG auch die fehlende Öffentlichkeitsarbeit
von Seiten des Senats. Deshalb gibt es jetzt eine Wanderausstellung, in
der die Diskussionsverläufe, die Visionen der AG und die Pläne
der Vivico vorgestellt werden. Bis 23. Oktober ist sie in der Luther-Kirche
am Dennewitzplatz täglich von 17 bis 20 Uhr zu sehen.
15.10.2001, Berliner Zeitung
KEUZBERG
Das Gleisdreieck kann gestaltet werden
Streit zwischen Berlin und der Deutschen Bahn ist beigelegt / Grünfläche
wird kleiner als geplant
Autor: Karin Schmidl, Peter Neumann
Nach sechsjährigem Streit scheint jetzt alles klar: Das Land Berlin
und die Deutsche Bahn-Tochter Vivico haben sich auf einen Kompromiss zur
Gestaltung des Gleisdreiecks geeinigt. Auch im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg,
der letztlich alle Baupläne genehmigen muss, gibt es Zustimmung.
Der Kompromiss sieht unter anderem vor, auf dem Areal zwischen Kreuzberg,
Schöneberg und Tiergarten einen rund 22 Hektar großen Park
zu schaffen. Auf gut vier Hektar sollen Sportflächen entstehen, 19
Hektar bebaut werden. Die Aufteilung zwischen Grünflächen und
Bebauung war bis zuletzt strittig. Das Land wollte mehr Grün, die
Bahntochter Vivico, der das Areal gehört, wollte dichter und höher
bauen.
Nun hat man sich auf insgesamt fünf Flächen, so genannte Baufelder,
geeinigt: Gebaut wird demnach entlang der Flottwellstraße, an der
Yorck- und an der Möckernstraße, südlich des Technikmuseums
am so genannten Schwechtenpark und in der Mitte des Areals. An der Flottwell-
und der Möckernstraße sollen vorrangig Wohnungen, an der Yorckstraße
und nahe dem Bahnhof Gleisdreieck vor allem Gewerberäume entstehen.
Im östlich gelegenen Schwechtenpark will die Vivico ein Konferenzzentrum
errichten. Die fünf Flächen sollen innerhalb der nächsten
zehn bis 15 Jahre bebaut werden. Wenn mit dem Bau der Sportplätze
im Südwesten begonnen wird, müssen einige, ebenfalls der Bahn
gehörende Kleingärten geräumt werden, die Pächter
sollen andere Gärten bekommen.
Im Bezirk hat man sich mehrheitlich mit dem Kompromisspapier abgefunden.
"Ich werbe dafür im Wissen, dass wir nicht alles erreicht haben,
was wir uns wünschten", sagt Baustadtrat Franz Schulz (Grüne).
Für ihn ist vor allem unbefriedigend, dass die öffentliche Grünfläche
kleiner wird als erhofft. Ursprünglich waren 24 Hektar zusammenhängende
Grünfläche vereinbart worden. Diese grüne Schneise im dicht
besiedelten Citybereich wird von Anwohnern und Experten als wichtige Klimaschneise
angesehen. Auch SPD und PDS sind dafür, mit dem Park zu beginnen,
statt weiterhin "unrealistische Diskussionen" zu führen.
Die Grünen verweigern die Zustimmung: Für sie ist die Bebauung
an der Flottwellstraße nicht akzeptabel.
Ohnehin ist das Kompromisspapier sehr allgemein gehalten. Wie hoch die
geplanten Gebäude werden und wie dicht sie stehen dürfen, muss
für den jeweiligen Einzelfall entschieden werden. Neuer Streit am
Gleisdreieck ist programmiert.
Kritik kommt bereits vom Deutschen Technikmuseum. Dessen Experten lehnen
den geplanten Abriss der letzten Güterschuppen des Anhalter Bahnhofs
ab. Das Museum will die beiden historischen Gebäude und die dazwischen
liegende, 300 Meter lange Gasse dazu nutzen, um weitere Teile ihrer Sammlungen
der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Ein anderer Streitpunkt ist dagegen beigelegt. In der aktuellen Planung
der Vivico fehlt die ursprünglich vorgesehene Nord-Süd-Straße,
die vom Landwehrkanal zur Yorckstraße führen sollte. Neue Bauprojekte
versperren die bis vor kurzem vorgesehene Trasse. Die Bürgerinitiative
Westtangente hatte befürchtet, dass die Straße als Bindeglied
zwischen dem Tiergartentunnel und der Stadtautobahn dienen könnte.
Damit wären die 1981 vom Senat beendeten Planungen einer "Westtangente"
wieder aufgelebt.
Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck zeigt eine Ausstellung über
das Gelände. Bis zum 23. Oktober ist sie täglich von 17 bis
20 Uhr in der Martin-Luther-Kirche, Dennewitzplatz, zu sehen. Führungen
über das Bahngelände werden immer sonntags 13 Uhr angeboten,
Treffpunkt am Ausstellungsort.
Bauvorhaben am Gleisdreieck // Fünf Flächen am Gleisdreieck
sollen in den nächsten zehn bis 15 Jahren bebaut werden: 1 - an der
Flottwellstraße (rund 2,5 Hektar) 2 - in der Mitte (rund 6,9 Hektar
für Hochhäuser) 3 - im so genannten Schwechtenpark (rund 3,7
Hektar) 4 - an der Ecke Yorck-/Möckernstraße (etwa drei Hektar)
5 - am Yorckdreieck (rund 2,4 Hektar
13. 10.2001, Berliner Morgenpost
Spaltungspläne
Senat will Teile des Technikmuseums zum Airport Tempelhof verlagern
Von Dirk Westphal und Beate K. Seiferth
Das Deutsche Technikmuseum Berlin (DTMB), viertgrößtes seiner
Art weltweit, ist von der Spaltung bedroht. Die Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung will Teile der riesigen Luftfahrt- und Automobilsammlung
in ungenutzte Hangars des Flughafens Tempelhof verlegen. Statt nur eines
Standortes gäbe es damit künftig auch eine Museumsdependance.
Werden die Pläne umgesetzt, bedeutet das die Aufgabe der jahrzehntealten
Vision von einem alle Sammelgebiete umfassenden «Technikmuseum generale»
am Gleisdreieck.
Nach Morgenpost-Informationen existiert in der Senatsverwaltung ein entsprechendes
Papier, das bis nach den Wahlen zurückgehalten werden soll. Es sieht
vor, den Flughafen nach dessen Schließung mit «kulturellen
Ankern» aus dem Museum aufzuwerten. Hintergrund der Verlagerungspläne
sind auch Absichten der Eisenbahn-Immobilien-Tochter Vivico, 17 statt
der ursprünglich nur angedachten zehn Hektar des Gleisdreiecks mit
Häusern zu bebauen und damit eben jenes Gelände zu blockieren,
das für die Automobilausstellung des DTMB vorgesehen war. Pikant:
Auch der Museumsneubau müsste umgenutzt werden. Er war eigens für
die Luft- und Schifffahrt 1999 für 140 Millionen Mark (71 Millionen
Euro) errichtet worden.
Mit Rücksicht auf den Stiftungsrat des DTMB, der sich am Montag
mit dem Thema beschäftigt, kommentierte das Museum die Spaltungspläne
gestern nur sehr einsilbig. «Wir werden dies nicht kampflos hinnehmen»,
beschied Pressesprecherin Maria Borgmann.
Der im Ruhestand befindliche Gründungsdirektor des Museums, Professor
Günter Gottmann, wurde deutlicher: «Wir haben die Objekte doch
jahrelang gehortet, um sie am Gleisdreieck auszustellen. Wird nun Tempelhof
einbezogen, was man schon vor Jahren hätte tun können, erscheint
die Zwischenlagerung in Depots im nachhinein als gigantische Verschwendung
von Steuergeldern. Damit würde mein Lebenswerk torpediert. Geschieht
dies, gebe ich alle meine Auszeichnungen zurück, die mir das Land
verliehen hat», droht Gottmann.
Die Sammlungen des DTMB setzen sich aus Nachlässen der unterschiedlichsten
Museen zusammen, die bis 1945 in Berlin existierten. Die Auslagerung in
Depots kostet jährlich 2,4 Millionen Mark (1,23 Millionen Euro).
Gegen eine Verlegung sprach sich gestern auch die Vorsitzende des Kulturausschusses
des Abgeordnetenhauses, Monika Grütters (CDU), aus: «Man sollte
am Monostandort festhalten.» Der Sprecher der Vivico, Willi Brandt,
wollte sich gestern - wie auch die Stadtentwicklungsverwaltung - zu den
Neubauplänen in der Museumsnachbarschaft nicht äußern:
«Wir sind noch dabei, mit der Senatsverwaltung die Details der Bebauung
abzugrenzen.»
Aber nicht nur die Museumsmacher hadern mit den Vivico-Plänen. «Eine
zu dichte Bebauung behindert auch den Frischluftaustausch. Und das ist
nicht hinnehmbar», kritisiert Matthias Bauer von der AG Gleisdreieck
8. 10. 2001, die tageszeitung
Kreuzbergs gefährliche Orte
In dieser Woche beginnen die Arbeiten am Sportplatz vor dem Tempodrom.
Der öffentliche Raum wird eingezäunt, das Kulturzelt gleich
mit, und für den geplanten Park dahinter fehlen die Millionen
von ROLF LAUTENSCHLÄGER
Im Tigerkäfig
Obwohl sie dazu da sind, unsere Angst zu bannen, haftet Tigerkäfigen
etwas Furcht erregendes an. Hinter den Stäben aus Eisen und Stahl
bleibt es gefährlich. Der Blick durch sie hindurch geht in Abgründe.
Von einem Tigerkäfig spricht auch Franz Schulz, grüner Ex-Bürgermeister
und heute Baustadtrat vonFriedrichshain-Kreuzberg, wenn er an die meterhohe
Umzäunung des im Bau befindlichen Sportplatzes am Anhalter Bahnhof
denkt. Die Assoziation hat doppelten Boden: Der Zaun, meint Schulz, schützt
nicht vor Gefahren, sondern ist selbst gefährlich. Kommt doch durch
ihn "die schöne Freifläche an der alten Bahnhofsruine hinter
Gitter", und auch der Blick auf das Neue Tempodrom, das Zirkuszelt
aus Glas, Stahl und Beton "wird schrecklich verstellt". Abgründe
tun sich auf: In dieser Woche beginnt die Verlegung des künstlichen
Sportrasens. Danach wird der Tigerkäfig montiert und wenn am 1. Dezember
wie vorgesehen der Kulturbau unter dem Kühlturmdach eröffnet
wird, werden die Besucher, womöglich fauchend, um den großen
Zaun und die Flutlichtmasten herum in die Arena stapfen müssen. Tierisch
daneben, bezeichnete einmal die Tempodrom-Chefin Irene Moessinger, die
Käfig-Planung samt Sportplatz für das Stadtbild. Wo sonst, außer
hier in Berlin, versteckte man eine "alternative Philharmonie"
hinter Eisenstäben, fragte sie rhetorisch und gab gleich die Antwort.
Nirgends.
Millionen gefressenDer Käfig, den man sich vom eigentlichen Zweck
her in die Neue-Tempodrom-Manege wünscht, zieht zudem weitere Auswirkungen
nach sich, vergittern doch seine Befürworter damit die Zukunft des
gesamten Areals. Wegen des Zauns fehlen Gelder für die Freiflächenplanung
am Sportplatz selbst und für das grüne Hochplateau südlich
des Kulturzelts. Für die Gestaltung beider Anlagen, so Schulz, habe
"der Bezirk keine Mark, dort in nächster Zeit etwas zu tun."
Von den 5,5 Millionen Mark, die vom Bezirk für den Landschaftspark
veranschlagt waren, "sind 2,8 Millionen weg für den Sportplatzbau".
Die Restsumme, die das Eisenbahnvermögensamt als Ausgleichsmaßnahme
für Bauflächen am Landwehrkanal bereitstellen wollte, wird von
der Bahn bis dato vorenthalten - wohl auch darum, weil die Gesamtfinanzierung
nicht steht. Und Mittel, ebenfalls von der Bahn, in Höhe von circa
3,3 Millionen Mark als Ausgleich für die Betonmassen rund um den
Potsdamer Platz darf Schulz nicht umverteilen. Sind diese doch "zweckgebunden"
für den Gleisdreieckpark - gleich hinter dem Hochplateau. Für
den Baustadtrat "ein Dilemma", aus dem er wie aus einem Käfig
nicht herauskommt.
Fauler Kompromiss
Im Kreuzberger Bauamt und in der Schublade des Tempodrom-Architekten Stefan
Schütz vom Hamburger Büro Gerkan, Marg und Partner liegen Pläne,
die das gesamte Areal einmal anders zeigten. Hinter der Ruine des Anhalter
Bahnhofs öffnete sich eine weit angelegte öffentliche Grünfläche
als Entree zum Neuen Tempodrom. "Über Treppen", so Schütz,
"sollte man zu der oberen Terrasse des Bauwerks gelangen und von
dort aus den gestalteten Naturpark betreten können". Schütz
sah die Anhalter Bahnhof-Fläche, Tempodrom, Terrasse und das mehrere
Hektar große Hochplateau "als Einheit".
Dass es dazu nicht kam, ist einem faulen Kompromiss geschuldet, den Schulz
"bis heute nicht versteht". Statt die Grünfläche als
öffentlichen Raum zu erhalten, hatten insbesondere die SPD-Kreuzberg
aber auch Teile der CDU sowie der Landessportbund (LBS) ihr Plazet für
das Tempodrom davon abhängig gemacht, dass auch der geplante Sportplatz
dort realisiert werden müsste. Dass die Pläne für das kleine
Stadion noch aus Zeiten vor denen für den Kulturstandort stammten,
focht etwa LSB-Sprecher Dietmar Bothe wenig an: Es sei nicht hinnehmbar,
sagte Bothe, den Sportplatz dort zur Disposition zu stellen. Zum einen
sei die Sportstätte seit Jahren geplant und zum anderen augenscheinlich,
dass "in dem mit Sportflächen gering ausgestatteten Quartier"
das Stadion gebaut werden müsse.
Ort der Realsatire
Es half dem damaligen grünen Bürgermeister wenig, mit Verve,
guten Argumenten und mit Hilfe der eigenen Partei am Gitter zu rütteln:
Kulturzelt und Sportfläche beschädigten das Stadtbild, argumentierte
etwa die Abgeordnete Mechthild Brockschnieder: "Der Sportplatz an
dieser Stelle ist Realsatire." Und jeder, so Schulz, der an "vernünftiger
Stadtplanung interessiert ist", sehe, dass ein Sportplatz und das
Tempodrom nicht zusammenpassten. Es half nichts: Die CDU stimmte 1999
im Bauausschuss mit der SPD für das Tempodrom inkusive dem Sportplatz.
Als Schulz einen Alternativstandort für die Sportler nahe des Technikmuseums
1999 und 2000 ins Spiel brachte, wurde auch der abgelehnt. 2001, die Bezirke
Kreuzberg und Friedrichshain waren mittlerweile fusioniert und Schulz
im Amt des Baustadtrats, wurde das Konzept ein letztes Mal im Bezirk abgelehnt.
Im Sommer rollten die Bagger an, senkten die Erde für das kleine
Stadion ab - damit groteskerweise der fast 10 Meter hoher Tigerkäfig
nicht zu hoch ausfällt. Und nun wird der Tigerkäfig hochgezogen.
Tigerkäfig Gleisdreieck
Auswirkungen werden die baulichen und finanziellen Defizite am Anhalter
Bahnhof auf den geplanten Park am benachbarten Gleisdreieck haben. Zum
einen fehlt es an einer Grünverbindung vom Kreuzberger Tempodrom
bis nach Schöneberg. Zum anderen haben jetzt die Bauverwaltung und
die Vivico, eine Tochtergesellschaft der Bahn, beschlossen, auf vier Hektar
Fläche Sportanlagen im Gleisdreieck zu realisieren. Auch wird nicht
lange gefackelt, bestehende Flächen und den Baumbestand dafür
zu opfern - zumal das Land und die Bahn große Grundstücke am
Rande des Parks zur Bebauung freigegegeben haben, wie die Bürgerinitiative
West-Tangente kritisiert. Der Anhalter Bahnhof ist dann eingezäunt,
das Gleisdreieck umbaut und in den Tigerkäfigen wird gebolzt, obwohl
es auch ohne ginge.
taz Berlin lokal Nr. 6568 vom 8.10.2001, Seite 19, 202 Zeilen (TAZ-Bericht),
ROLF LAUTENSCHLÄGER
18. 09. 2001, Berliner Morgenpost
Gleisdreieck: Einigung über Baupläne noch vor der Wahl?
Offener Brief der Aktionsgemeinschaft an Strieder: Konzept mit Flächennutzungsplan
nicht vereinbar
Von Markus Falkner
Kreuzberg - «Keine Vertragsunterzeichnung vor der Wahl im Oktober»,
fordern die Mitglieder der in der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck zusammengeschlossenen
Bürgerinitiativen. Sie befürchten, dass ein schneller Durchbruch
bei den Verhandlungen zwischen Senat und der Eisenbahn-Immobilien-Verwertungsgesellschaft
Vivico über das 42 Hektar große Gelände zu Wahlkampfzwecken
missbraucht werden könnte und verweisen in einem offenen Brief an
Stadtentwicklungssenator Peter Strieder auf eine vermeintliche Unvereinbarkeit
der aktuellen Planungen mit dem geltenden Flächennutzungsplan.
Unterdessen scheint der Durchbruch allerdings längst geschafft zu
sein, wie Strieder-Sprecherin Petra Reetz mitteilt. Beide Parteien seien
sich weitgehend einig, sagt sie. In den laufenden Verhandlungen gehe es
lediglich noch um Detailfragen. Das bestätigt auch Jürgen Heyder,
Berliner Niederlassungsleiter der Vivico. Er rechnet mit einer Vertragsunterzeichnung
in den kommenden Wochen, will sich aber über Einzelheiten der Einigung
noch nicht äußern. «Wir warten damit, bis die Tinte unter
den Verträgen trocken ist», sagt Heyder. Senat und Vivico wollen
den Kompromiss voraussichtlich Ende September öffentlich vorstellen.
Bei einer Präsentation des aktuellen Verhandlungsstandes auf einer
Sondersitzung des bezirklichen Stadtplanungsausschusses am Montagabend
wurde indes klar, dass sich die Einigung in weiten Teilen an einem Kompromissvorschlag
orientiert, den Senatsbaudirektor Hans Stimmann (SPD) bei einer Bürgerversammlung
im Juli vorgestellt hatte. Demnach beliefe sich die neu entstehende Parkfläche
auf etwa 23 Hektar, 16 davon dienen als «Ausgleichsfläche»
für die massive Bebauung des Potsdamer Platzes. Etwa 17 Hektar könnten
künftig bebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem Häuser
an der Flottwellstraße mit einem Hochhaus als Abschluss, weitere
Hochhäuser im Umfeld des U-Bahnhofs Gleisdreieck, Wohn- und Geschäftshäuser
an der Ecke Yorckstraße/Möckernstraße und eine aufgelockerte
Bebauung südöstlich des Deutschen Technikmuseums.
«Ein Kompromiss, bei dem beide Seiten mit den Zähnen knirschen»,
sagt Vivico-Chef Jürgen Heyder. Nicht zuletzt die Mitglieder der
AG Gleisdreieck. Sie hatten auf eine deutlich größere Parkfläche
gehofft, und kritisieren unter anderem die Planungen an der Flottwellstraße.
Dort werde die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Frischluftschneise
verbaut, sagte AG-Sprecher Norbert Rheinlaender am Montag.
Baustadtrat Franz Schulz (B 90/Grüne) sieht die Einigung mit einem
lachenden und einem weinenden Auge. Letztlich komme man an einem Kompromiss
nicht vorbei, sagte er. «Aber mit diesem Kompromiss steigen wir
endlich in die Realisierung des Parks ein.» Noch in diesem Jahr
will Schulz die Betroffenen zu einer ersten Planungswerkstatt einladen.
1.09.2001, Der Tagesspiegel
Lehrter Bahnhof
Weitere Verspätung
Der Rohbau des Nord-Süd-Tunnels steht - doch der Eröffnungstermin
wackelt
Klaus Kurpjuweit
Verkehrte Welt: Gestern wurde, nach dem Schließen der letzten Lücke
im Nord-Süd-Tunnel der Bahn, die Baufläche am Lennédreieck
beim Potsdamer Platz an die Investoren der Hochbauten übergeben.
Bereits am Mittwoch war am Lehrter Bahnhof der letzte Abschnitt der vier
Ost-West-Brücken komplettiert worden. Und trotzdem ist völlig
ungewiss, wann die ersten Züge durch den Tunnel fahren werden. Verschiebt
sich der Termin erneut, müssen auch die Autofahrer weiter auf die
Durchfahrt im parallelen Straßentunnel warten. Auch hier fehlt der
Abschnitt unter dem Lehrter Bahnhof.
Verspätung hat der Bau des gigantischen Lehrter Bahnhofs. Im Frühjahr
sollte mit dem Bau des komplizierten Hallendaches begonnen werden. Zu
sehen ist davon jedoch noch nichts. Damit ist für die Planer aber
auch klar, dass die Züge frühestens 2003 über die neue
Trasse fahren können. Die so genannte Umschwenkung der Gleise war
zuletzt für 2002 vorgesehen. Da die Planer für den anschließenden
letzten Abschnitt mit einer Bauzeit von etwas vier Jahren rechnen, würde
der Superbahnhof erst 2007 fertig sein - dem Jahr nach der Fußball-Weltmeisterschaft.
Offiziell gibt die Bahn noch Durchhalteparolen aus. Neue Termine will
sie erst nennen, wenn auch der Vorstand damit einverstanden ist. Vor kurzem
hatte die Bahnspitze dem Senat noch versichert, der Lehrter Bahnhof werde,
wie geplant, zur Fußball-Weltmeisterschaft betriebsbereit sein.
Auch in den Jahren zuvor klammerten sich die Verantwortlichen an Termine,
von denen längst klar war, dass sie nicht eingehalten werden konnten.
Beim Bau des Bahnhofes mit seiner 430 Meter langen Halle hat man fast
jede erdenkliche Schwierigkeit eingebaut. Gut 15 Meter unter der Erde
werden die Züge im Nord-Süd-Verkehr an vier Bahnsteigen halten,
neun Meter über der Erde verlaufen die Gleise der Ost-West-Richtung
mit zwei Bahnsteigen für die Fern- und einem Bahnsteig für die
S-Bahn. Sie liegen jeweils auf etwa 700 Meter langen Brücken, die
im Bogen verlaufen. Über den sechs Gleisen und drei Bahnsteigen wölbt
sich ein etwa 16 Meter hohes Glasdach mit einer Spannweite zwischen 46
und fast 68 Metern. Fast jedes Segment hat deshalb andere Maße.
In der Mitte der Halle sollen zwei Hochbauten die Ost-West-Gleise in Nord-Richtung
kreuzen. Und zwischen diesen "Bügelbauten" entsteht ein
weiteres Glasdach. Für die Gebäude sucht die Bahn derzeit Investoren.
Interessenten seien vorhanden, heißt es.
Mit diesem Entwurf des Hamburger Büros von Gerkan, Marg und Partner
gehen die Ingenieure an die Grenze des derzeit Machbaren. Entsprechend
zurückhaltend sind die Genehmigungsbehörden. Ihr Motto heißt:
"Sicherheit vor Tempo". Ein abschließendes Votum liegt
bis heute nicht vor. Entworfen, geprüft und gebaut wurde bisher fast
gleichzeitig. Doch jetzt besteht das Eisenbahnbundesamt (EBA) auf einer
Komplettplanung. Und das dauert. Auch wenn die Bauleute jetzt den Ablaufplan
ändern, glaubt fast keiner, dass der Termin 2006 noch gehalten werden
kann.
Die Planer versuchen aber, mit Regionalzügen vorher wenigstens von
Süden her bis zum Potsdamer Platz zu fahren. Die Röhren vom
Beginn des Tunnels am Gleisdreieck bis vor den Lehrter Bahnhof sind nach
dem Schließen der letzten Lücke am Lennédreieck nun
durchgehend begehbar. Da die Ausschreibung für die technischen Anlagen
gezeigt hat, dass ein Ausrüsten von zunächst nur zwei der vier
Röhren kaum billiger wäre als eine vollständige Ausstattung,
werden jetzt wohl doch alle vier Röhren von Anfang an Gleise erhalten.
Doch noch fehlt für die Zulaufstrecke über die Anhalter Bahn
durch Lichterfelde die Baugenehmigung.
Wie gebaut werden kann, will die Beisheim-Gruppe am Lennédreieck
zeigen. Ein Komplex aus vier Gebäuden mit Hotels, Büros und
Luxuswohnungen soll innerhalb von 20 Monaten in die Höhe gezogen
werden. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt fast eine Milliarde
Mark. Eröffnung soll im Januar 2004 sein - zum Geburtstag von Otto
Beisheim.
11.08.2001, Der Tagesspiegel
Vivico
"Die Vivico ist nicht die Bahn"
Doch sie vermarktet deren Flächen für den Bund. Vivico-Chef
Heyder über Konflikte mit Datschen-Besitzern, das Projekt Gleisdreieck
und Ungers Kubus am Lehrter Bahnhof
Ihr Unternehmen scheint nicht gerade vom Glück verfolgt. Ob Lichterfelde
Süd oder Gleisdreieck, bei fast allen Projekten stieß die Vivico
auf Widerstände in der Bevölkerung. Sind Sie die Bösen?
Über Konflikte lässt sich eben besser berichten als über
Erfolge. Richtig ist aber, dass sich die Vivico im Kreuzfeuer der Kritik
befindet aufgrund ihres Erbes: Viele sehen in uns noch eine öffentliche
Gesellschaft, und da wir über Grundstücke in hervorragenden
innerstädtischen Lagen befinden, weckt das Begehrlichkeiten von allen
Seiten. Beim Gleisdreieck zum Beispiel gerieten wir ins Spannungsfeld
von Landes- und Bezirkspolitik. Diese hatte den Anrainern Versprechungen
gemacht, mit denen wir nun konfrontiert werden. Doch diese sind nicht
immer mit unserem Auftrag zu vereinbaren, eine möglichst wirtschaftliche
Vermarktung der ehemaligen Bahnflächen sicherzustellen.
Die Verhandlungen am Gleisdreieck ziehen sich seit sechs Jahren hin.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat jetzt einen Kompromissvorschlag
vorgelegt. Werden Sie zustimmen?
Ja, aber es bleiben noch Detailfragen zu klären. Dabei geht es um
die Abgrenzung der Baufelder vom Park. Wichtig ist, noch einmal daran
zu erinnern, dass die Senatskanzlei ja 1994 mit dem Bundeseisenbahnvermögen
sowie der Deutschen Bahn AG vereinbarte, dass 16 Hektar am Gleisdreieck
unbebaut blieben. Damit konnte der Senat den vorgeschriebenen Grünausgleich
dafür schaffen, dass das damals landeseigene Grundstück am Potsdamer
Platz von den Investoren so dicht bebaut werden durfte. Unsere Vorgänger
stimmten dem Grünausgleich zu, weil der Senat ihnen ein noch festzulegendes
Baurecht auf den Restflächen zusagte. Wir tun nun nichts anderes,
als dafür einen Konsens zu suchen.
Die Anwohner wollen dort einen Park...
Den bekommen sie, und er wird sogar 20 Hektar groß sein. Hinzu
kommt eine Bebauung, die den Forderungen des Planwerks Innenstadt nachkommt,
nämlich Berlin punktuell zu verdichten. Genau das ist am Gleisdreieck
möglich.
Bausenator Peter Strieder forderte sie unverhohlen auf, das Angebot der
Senatsverwaltung jetzt anzunehmen. Er sagte, dass die Bahn schließlich
auch noch an anderen Stellen in Berlin bauen möchte...
Bei dieser Aussage geht einiges durcheinander. Die Vivico ist nicht die
Bahn! Wir entwickeln und verwerten ehemalige Bahn-Grundstücke und
sollen daraus Erlöse für das Bundesministerium für Verkehr
erwirtschaften, damit dieses einen Teil der Milliardenkosten für
die Bahn-Privatisierung refinanzieren kann. Aber es ist richtig, dass
wir in Berlin viele Flächen haben und bei deren Entwicklung auf die
Zusammenarbeit mit Baurechtsbehörden und Politik angewiesen sind.
Auf der anderen Seite bieten diese Flächen ein erhebliches Potenzial
für die Stadt. Und die Kommune kann nun einmal die Grundstücke
nicht ohne den Eigentümer bebauen. Wir sind dazu verdammt, einen
Kompromiss zu finden. Das werden wir auch, und wollen gemeinsam mit Land
und Bezirken Sinnvolles für die Stadtentwicklung tun, in gemeinsamer
Verantwortung.
Bekommt die Vivico von ihrem Eigentümer, dem Bund, Weisungen oder
agieren sie wie ein Privatunternehmen?
Wir haben einen Aufsichtsrat, der durch den Eigentümer und damit
also dem Bund besetzt ist. Aber wir sollen wie ein Privatunternehmen agieren,
und das tun wir auch.
Ein Privatunternehmen muss die Gewinne maximieren. Wie soll das mit öffentlichen
Interessen an öffentlichen Grundstücken vereinbar sein?
Die Grundstücke sind nur insofern öffentliche Flächen,
als sie dem Bund gehören. Doch der Bund hat der Vivico einen rein
wirtschaftlichen Auftrag gegeben. Da wir die Lasten der Bahn-Privatisierung
für den Steuerzahler mildern, ist der Vorwurf, die Vivico sei ein
Immobilienhai, absurd. Wir erwirtschaften Deckungsbeiträge für
den Haushalt des Bundesverkehrsministeriums. Je mehr die Vivico also aus
einem Grundstück oder einer Immobilie herausholt, desto stärker
entlasten wir den öffentlichen Haushalt und damit die Bürger.
Wieviel sollen Sie insgesamt zum Bundeshaushalt beisteuern?
1996 hatte der Bund die Summe auf 13,4 Milliarden Mark festgelegt, doch
auf Grundlage von Liegenschaftswerten aus der Zeit des Immobilien-Booms
um 1994. Bisher haben wir mehrere Milliarden Mark abgeführt. Nun
hat sich aber unser Auftrag verändert. Früher sollten wir Liegenschaften
verkaufen, jetzt bauen wir einen Bestand auf und entwickeln diesen. Ab
2005 will sich der Bund schrittweise aus der Gesellschaft zurückziehen,
Anteile verkaufen und dadurch Erlöse erzielen. Unser Vorteil gegenüber
normalen Bauträgern liegt also darin, dass wir das Grundeigentum
für unsere Projekte bereits besitzen. Bei uns tickt die Zinsuhr nicht
bei jedem Projekt. Wir können notfalls mehrere Jahre mit einem Projekt
warten.
So lange wird es am Stadtquartier um den Lehrter Bahnhof herum nicht
dauern. Auf den südlichen Bahnhofsvorplatz wollten sie einen Kubus
von Ungers bauen lassen. Bleibt es bei diesen Plänen?
Ungers ist noch im Rennen. Ich fände es auch sehr schade, wenn er
den Kubus nicht bauen würde. Er hat ja auch den städtebaulichen
Wettbewerb für diesen Bereich gewonnen. Und sein Projekt ist spannend.
Ein Würfel mit jeweils 42,5 Metern Kantenlänge, also ein Gebäude
mit einer Tiefe von 42,5 Metern, da sagt jeder: Das geht nicht. Doch genau
darin liegt die Herausforderung. Natürlich ist auch die Lage spannend.
Der südliche Vorplatz des Lehrter Stadtbahnhofes ist fast so groß
wie der Alexanderplatz. Wer dort steht, findet auf der einen Seite das
Bahnhofsgebäude mit dem riesigen, frei tragenden Glasdach, auf der
anderen Seite sieht er im Hintergrund den Reichstag. Und dann, mitten
auf diesem Platz, dieser Kubus.
Wie kommen die Planungen für die Neubauten am Lehrter Bahnhof voran?
Unsere Ingenieure lösen derzeit die technischen Probleme. Der Kubus
wird über der Tunnelröhre für die B 96 stehen und das im
gleichen Quartier geplante nördliche Hochhaus wird auf dem Tunnel
der S 21 stehen. Unter dem Hochaus kreuzen sich sogar zwei Tunnel und
genau auf dem Schnittpunkt wird das knapp 100 Meter hohe Gebäude
errichtet.
Stehen die Architekten schon fest?
Nein. Wir sind derzeit im Auswahlverfahren für das gesamte Stadtquartier.
Im Augenblick haben die Ingenieure das Wort, und planen die Gebäude
technisch durch. Das engt die Architekten ein. Doch bei unserem Projekt
Dorotheenhöfe hat sich gezeigt, dass gute Architekten umfangreiche
technische Vorgaben als Herausforderung annehmen. Es reizt sie, trotz
dieser Einengung eine eigene Sprache zu finden.
Die Dorotheenhöfe hat Ungers für Sie gebaut. Bekommt er nun
auch den Zuschlag für den Kubus?
Ungers befindet sich noch im Wettbewerb.
Mit wem?
Ich möchte da jetzt keine Namen nennen.
Sagen wir: Kollhoff, Sawade, Jahn?
(lacht) Wir wollen nicht einfach nur die großen Namen ansprechen.
Sie sind nicht die einzigen, die bei Wettbewerben gute Architektur liefern.
Wir wollen auch junge, aber erfahrene Architekten ansprechen, Berliner,
nationale und internationale Baumeister.
Nochmal: Sie sagten soeben, sie fänden es schade, wenn Ungers den
Kubus nicht baut. Wozu dann noch die Ausschreibung?
Auch ein Ungers sollte gefordert sein. Bei den Dorotheenhöfen setzte
er sich im Wettbewerb gegen fünf andere namhafte Büros durch.
Beim Kubus haben auch andere Architekten eine Chance, doch natürlich
hat Ungers einen Pluspunkt. Nicht wegen seines Namens, sondern wegen des
Stils. Das Quadrat ist nun einmal die Form, die er seit je her favorisiert.
Ein ganz anderes Thema. An dieser Stelle war von Ihren Kündigungen
der Verträge von Kleingärtnern zu lesen. Macht die Vivico alles
zu Bauland?
Nein, wir machen nicht aus Kleingärten Bauland, rechtlich sind sie
es in der Regel bereits. Zudem haben wir es häufig nicht mit Kleingarten-,
sondern mit Erholungsanlagen zu tun. Diese stehen nicht unter dem Schutz
des Bundeskleingartengesetzes. Unser Auftrag ist es, Flächen mit
dem wirtschaftlich bestmöglichen Ergebnis zu verwerten. Und für
ein Kleingarten ist nicht derselbe Erlös erzielbar wie für Bauland.
Nur leben in den Lauben häufig ältere Berliner, die sich hier
vom Getöse der Großstadt erholen. Die können sich kein
Einfamilienhaus im Grünen leisten. Kaufmännische Grundsätze
in Ehren, aber als Gesellschaft des Bundes könnte auch ein wenig
Sozialgewissen bleiben, oder?
Wir wissen, dass das Thema Emotionen schürt. Gerade für die
eingeschlossene Teilstadt Westberlin haben die Kleingärten eine besondere
Rolle gespielt, weil sie während der Berlin-Blockade mit zur Versorgung
der Stadt beigetrugen. Dass jedoch die Kleingärtner nicht ewig auf
ihren Parzellen bleiben können, sondern ihre Pachtverträge kündbar
sind, ist ihnen bekannt. Wir bemühen uns dennoch, Ersatzflächen
zu schaffen oder Entschädigungen zu zahlen. Wir haben auch versucht,
neue Kleingärten zu schaffen, zum Beispiel hinter der Stadtgrenze
bei Spandau. Aber die betroffenen Kleingärtner wollten da nicht hin,
obwohl es nur zwei Regionalbahnstationen entfernt war. Wir versuchen,
gerade auch älteren oder bedürftigen Kleingärtnern zu helfen.
Doch die Stadt entwickelt und verändert sich nun mal. Das kann man
nicht verhindern. Man kann aber die Härten abfedern.
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Zahlen und Fakten
bhe
Die Vivico Management GmbH ging aus der 1996 gegründeten Eisenbahnimmobilien
Management GmbH (EIM) hervor, einer 100-prozentigen Tochter der Bahn AG.
Sie verwaltet und bewirtschaftet seit dem 15. März ehemalige Grundstücke
der Bahn AG. EIM/Vivico waren über das Eisenbahnerörterungsgesetzes
(1994 bis 1995) nicht betriebsnotwendige Grundstücke und Immobilien
der Bahn übertragen worden: Flächen an Strecken, Lagerschuppen,
verlassene Bahnhöfe und ehemalige Reichsbahnämter. Weitere Grundstücke
werden nicht hinzukommen: Die bei der Bahn verbliebenen Immobilien bleiben
in ihrem Eigentum.
Die Vivico-Vorgängerin EIM war eine reine Verwertungsgesellschaft:
Sie sollte die Flächen von der Infrastruktur der Bahn lösen,
in Abstimmung mit den Behörden öffentliches Baurecht schaffen
und die sanierten oder bebauten Liegenschaften möglichst zügig
verkaufen. Die Erlöse flossen an den Bund in den Etat des Bundesverkehrministeriums.
So sollten die Kosten für die Privatisierung der Bahn gesenkt werden.
Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin soll die Vivico nicht mehr vorrangig
Flächen verkaufen, sondern in die Liegenschaften investieren und
ein Immobilien-Portfolio aufbauen. Sie wird nicht mehr fortwährend
Deckungsbeiträge abliefern, sondern als Ganzes 2005 verkauft und
der Erlös dann in die Bundeskasse fließen. Die Vivico hat ihren
Hauptsitz in Frankfurt sowie Niederlassungen in Berlin, München und
Köln mit insgesamt 109 Mitarbeitern. In der Hauptstadt sind 27 Angestellte
mit der Entwicklung von 300 Objekten auf einer Grundfläche von vier
Millionen Quadratmetern in Berlin sowie den neuen Ländern beschäftigt.
Die Berliner Projekte
bhe
Zu den Projekten der Vivico zählen die Dorotheenhöfe in der
Georgenstraße, ein Ensemble aus vier Bürohäusern und einem
"Stadtpalais". Mathias Ungers hat die fünf Gebäude
mit einer Bruttogeschossfläche von 26 500 Quadratmetern entworfen.
Noch vor der Grundsteinlegung verkaufte die Vivico, damals noch EIM, die
Bürohäuser an den Verband Deutscher Hypothekenbanken sowie den
Verband der Zigarettenindustrie. In Vivico-Eigentum bleibt das Stadtpalais.
Das Haus bietet bis zu 200 Quadratmeter große Eigentumswohnungen
zu Spitzenpreisen von 14 000 Mark pro Quadratmeter.
In Lichterfelde Süd, im Südwesten der Stadt, plant die Vivico
auf 115 Hektar ein Quartier für 7000 Bewohner. Die Baufläche
beträgt 65 Hektar. In der so genannten "Parks Range" entstehen
3000 Wohneinheiten: Einfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäuser
sowie Mehrgeschosser. In der Mitte der Anlage liegt eine 34 Hektar große
Grünfläche. Das Investitionsvolumen beträgt über eine
Milliarde Mark. Die Gesellschaft hat mit dem Widerstand der "Umweltschutzinitiative
Lichterfelde-Süd" (ULS) zu kämpfen, die sich aus Anwohnern
der benachbarten Thermometer-Siedlung rekrutiert. Ihre Klage: Die Grünflächen
würden nicht an ihre Siedlung angebunden, sondern lägen in der
Mitte des neuen Quartiers.
Ein weiteres Projekt ist der so genannte Block 9 in der Moabiter Quitzowstraße:
ein 90 000 Quadratmeter großes Gewerbeareal. Hier sind Investoren
für Grundstücke mit Flächen bis zu 20 000 Quadratmetern
gesucht. Bereits angesiedelte Unternehmen können ihre Flächen
erwerben. Die Entwicklung erfolgt in Kooperation mit dem Sanierungsträger
S.T.E.R.N.
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