Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck

Bürgerinitiative Westtangente e.V., AnwohnerInneninitiative Flaschenhals, IG Gleisdreieck, Kreuzberger Horn e.V., Stadtteilverein Tiergarten-Süd e.V., Bürgerinitiative B 101, BUND Berlin e.V., Grüne Radler Berlin

Kontakt: Bürgerinitiative Westtangente c/o Baubüro Rheinlaender, Crellestr.43; 10827 Berlin Tel 788 33 96, Fax 781 10 59 : www.berlin-gleisdreieck.de eMail: info@berlin-gleisdreieck.de

22. Okt. 2004

Pressemitteilung

David gegen Goliath

Ausschüsse im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stimmen gegen das Riesenrad

ABN-AMRO dementiert Finanzierung des Riesenrads

Am gestrigen Donnerstag, dem 21. 10. 04, haben die Ausschüsse für Stadtplanung, Umwelt, Wirtschaft und Kultur mit großer Mehrheit für einen Antrag der Grünen gestimmt, mit dem das Riesenrad auf dem Gleisdreieck abgelehnt wird. Unter den Mitgliedern der PDS, der Grünen und der CDU gab es eine breite Mehrheit gegen den Standort am Anhalter Güterbahnhof.

Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck und die Parkgenossenschaft Gleisdreieck bedauern, dass beim Senat bisher bei der Diskussion um das Riesenrad nicht städtebauliche und landschaftsarchitektonische Argumente, sondern ausschließlich Stadtmarketing und - vermeintlich wirtschaftliche - Argumente eine Rolle spielten. Dieses Vorgehen würde einen Ausverkauf der städtischen Planung bedeuten. Das Technikmuseum würde zum Anhängsel einer Entertainementmaschine und so seinen international guten Ruf riskieren. Die dritte Ausbaustufe des Museums könnte nicht mehr im ursprünglich geplanten Umfang realisiert werden. Das Riesenrad mit seinem überdimensionierten Maßstab würde den Park zum grünen Teppich degradieren und unvermeidbar wie in London als "Rummelplatz-Ungetüm" billige Kommerz-Galerien und McDonalds um sich herum anziehen. Die Anwohner würden von den Touristen aus dem Park verdrängt, die historische westliche Güterhalle von 1880 würde der "Abflughalle" für das Riesenrad ebenso geopfert wie der "Anhalter Garten" des bekannten Künstlers Ben Wargin den Busparkplätzen.

Der Sprecher der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck Norbert Rheinlaender zitierte auf der Sitzung im Rathaus Kreuzberg das Ergebnis der Tagesspiegel-Lesermeinung einer telefonischen Sonntagsfragenabstimmung vom 22. August 2004 mit einer ungewöhnlich hohen Beteiligung, in der 84% das Riesenrad ablehnten.

Zu einem fast deckungsgleichen Ergebnis kam die Kreuzberger CDU in einer eigenen Befragung in der unmittelbaren Nachbarschaft bei Gewerbetreibenden und Anwohnern: Ablehnung 77%. Daraus leitet die CDU-Fraktion der BVV auch ihre Unterstützung des Ablehnungsantrags der Grünen ab.

Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck hat in der Sitzung 21. 10. 04 ein Schreiben der nach Angaben der Projektentwickler finanzierenden niederländischen ABN AMRO-Bank präsentiert. In diesem Schreiben wird die Finanzierung des Riesenrads durch die ABN-AMRO Bank dementiert. Die Behauptung der Betreiber des Riesenrads, die niederländische ABN-AMRO Bank würde das "Big Wheel" finanzieren, war falsch. Aus dem Schreiben des Senior Vice President der ABN-AMRO vom 20. September 2004 an die Bürgerinitiative Westtangente geht hervor, dass diese Bank "keine Vorkehrungen für eine Finanzierungsplanung des Riesenrades trifft". Auch die deutsche Filiale der ABN-AMRO in Berlin, die Delbrück & Co Bank in der Französischen Str.32 sieht wenig Chancen, einem Kunden eine solche Anlage zu empfehlen. Interessant ist, daß das Finanzierungskonzept der Riesenradbetreiber von vielen Berliner Medien, Politikern und Verwaltungsbeamten in den letzten Monaten offenbar ungeprüft für "bare Münze" genommen wurde, als sei der Skandal um das Tempodrom schon vergessen.Das Schreiben der ABN-AMRO Bank als Faksimile finden Sie auf unserer Homepage, hier der direkte Link:.

http://www.berlin-gleisdreieck.de/Seiten/aktuelles/aktuelles_Frameset01.htm

Eine Vor-Entscheidung in Sachen Riesenrad ist auf gestrigen Sitzung der Ausschüsse in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg gefallen. Am Mittwoch, dem 27. 10. 04, steht nun der Antrag der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung erneut zur Abstimmung. Ob dies das endgültige Aus für das Riesenrad bedeutet, wird sich zeigen.