07. 06. 05, Pressermitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Senat öffnet den Weg für den Park auf dem Gleisdreieck

Aus der Sitzung des Senats am 7. Juni 2005:

Der Senat hat auf Vorlage von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer die Verträge zur städtebaulichen Entwicklung des Gleisdreiecks im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zur Kenntnis genommen.

Über 23 ha stehen für eine Freiraumentwicklung auf dem Gleisdreieck nunmehr zur Verfügung. „Der Bau des Parks auf dem Gleisdreieck wird eine der bedeutendsten Maßnahmen der Landschafts- und Gartenarchitektur in der Innenstadt Berlins nach dem Wiederaufbau in West- und Ost-Berlin während der 50er und 60er Jahre sein“, so Senatorin Junge-Reyer.

Mit dem Bau des Parks auf dem Gleisdreieck setzt der Senat von Berlin seine Politik der Transformation und Re-Integration aufgegebener Eisenbahnflächen fort. Ehemals dem öffentlichen Leben entzogene Areale sollen für die Bürgerinnen und Bürger Berlins wieder nutzbar gemacht werden. Das Gleisdreieck steht damit in der Tradition des Schöneberger Südgeländes, des Parks auf dem Nordbahnhof, des Görlitzer Parks, des Potsdamer und Anhalter Personenbahnhofs und des Mauerparks auf den Flächen des ehemaligen Eberswalder Güterbahnhofs. Zugleich ist das Gleisdreieck ein Beispiel für die Wiedergewinnung von Flächen in der Berliner Innenstadt als urbane Lebensräume. Es steht somit in der Tradition des Potsdamer und Leipziger Platzes, des südlichen Tiergartens und des Spreebogens.

Senatorin Junge-Reyer: „Das Gleisdreieck verspricht mit dem großen öffentlichen Park und den geplanten Nutzungen ein lebendiger Stadtraum als Verbindung zwischen Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten zu werden.“

Mit den Verträgen werden die Grundlagen für die Realisierung der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aus den Bau- und Investitionsprojekten am Potsdamer und Leipziger Platz gelegt. Auf der Grundlage städtebaulicher Verträge haben die dortigen Investoren bisher Mittel in Höhe von ca. 24 Mio. € bei der Stiftung Naturschutz eingezahlt, die für den Grunderwerb, die Planung und die Herstellung der wesentlichen Teile des Parks auf dem Gleisdreieck verwendet werden sollen.

In das Gesamtvorhaben integriert ist die Flächensicherung für die 3. Ausbaustufe des Deutschen Technikmuseums Berlin. Der Flächenerwerb hierfür wird durch die Spende eines britischen Mäzens ermöglicht, die durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur eingeworben wurde.

Vertragspartner sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und die Vivico Real Estate GmbH sowie die Liegenschaftsfonds Berlin GmbH & Co KG.

Noch im Sommer 2005 wird die Stadtentwicklungsverwaltung eine breit angelegte öffentliche Diskussion mit der Bürgerschaft über die Gestaltung des Parks beginnen. Eingebettet in ein Wettbewerbsverfahren sind verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten für die Berlinerinnen und Berliner vorgesehen.

Als Auftakt, vor dem Beginn der eigentlichen Wettbewerbsvorbereitungen, lädt Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer alle Bürgerinnen und Bürger im Umfeld des Gleisdreiecks ein, sich an einer Fragebogenaktion zu beteiligen: „Die Fragebögen werden ab heute versendet. Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger, die einen solchen Fragebogen erhalten, ihn uns ausgefüllt zurückzuschicken, damit wir uns ein Bild von ihren Wünschen und Vorstellungen machen können.“
Mitteilung vom: 07.06.2005, 13:43 Uhr

 

 

7.6.2005, Pressemitteilung der FDP im Berliner Abgordnetenhaus

Park auf dem Gleisdreieck ist haushaltspolitische Traumtänzerei

Klaus-Peter von Lüdeke, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin zu den Verträgen des Senats mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg über die städtebauliche Entwicklung des Gleisdreiecks.

„Es ist gut, dass das Gleisdreieck endlich einer städtebaulichen Entwicklung zugeführt wird. Die Anlage eines Großparks von über 23 ha geht jedoch über das planerisch Erforderliche weit hinaus und stellt eine Zusatzbelastung des Landeshaushalts auf Dauer dar. Zwar wird die Anlage des Parks aus naturschutzrechtlichen Ausgleichsmitteln bezahlt, für die Unterhaltung der Grünflächen muss jedoch Berlin aufkommen. Berlin ist jedoch schon jetzt nicht mehr in der Lage, die bestehenden Parks ordnungsgemäß zu unterhalten. Die Schere zwischen Mittelbedarf und tatsächlicher Mittelbereitstellung für die Unterhaltung der öffentlichen Grünanlagen klafft bereits heute dramatisch auseinander. So gesehen ist das Parkprojekt des Senats eine - sicherlich populäre - haushaltspolitische Traumtänzerei.

Im übrigen stellt die von Senat und Bezirk verfolgte Planung für das Gleisdreieck auch eine verkehrspolitische Traumtänzerei dar. Nach der Eröffnung des Nord-Süd-Straßentunnels in Tiergarten im Herbst wird sich zeigen, dass vom Landwehrkanal über das Gleisdreieck in südliche Richtung eine neue Straßenverbindung erforderlich ist, um die Verkehrssituation an den Kanaluferstraßen und in der Potsdamer Straße zu entspannen. Diese neue Straße auf dem Gleisdreieck hätte zumindest planerisch gesichert werden müssen. Dass dies nicht geschehen ist, stellt ein massives Planungsversäumnis des Senats dar.“