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Fotos von Norbert Rheinlaender Durch Maus-Klick auf die Bilder werden vergrößerte Ansichten geladen |
Martin Klein: Behutsame Gäste im Garten |
Günther Gottmann: Das neue Umfeld von Ben Wagin |
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Rosenkugel, Gipsgrazie und Gartenzwerg diese Gartens sind Badewanne, Einkaufswagen und Blechdosenskulptur. Laube und Teepavillon sind Güterwaggon und Eisengerüst. Wege, Beeteinfassungen und Pflanzflächen sind Bahnsteige, Gleis und Ruinen. Die Universal-Blumenerde besteht aus Sand, Schotter und Trümmerschutt. Der Zaun ist die Stadt. Den Anfang übernahmen vor ein paar Jahrzehnten ein paar Kräuter- und Birkensamen. Sie beschlossen, in einer Fuge zwischen Betonplatten oder irgendwo im Gleisschotter zu keimen und stellten überraschend fest, dass außer ihnen niemand mehr da war- Also blieben sie und brachten Freunde und Kollegen mit, jedes Jahr mehr. Sie begannen, Humus, Kühle, Schatten und Feuchtigkeit zu produzieren und machten sich´s in der Unwirtlichkeit nach und nach gemütlich. Auf diese Weise enstand aus dem Bahnhof Dieser Garten schafft sich selbst. Er ist sein eigener Gärtner und Gestalter. Er formiert malerische Bilder, von denen Altmeister wie Lenné und Friedrich ihre Kunstgärtner-, Maler-, und sonstigen Hüte gezogen hätten. Er bildet unzertrennliche Baumpaare, lockere Haine und undurchdringliche Dschungelpartien. Spezielle Gärtnergehilfen machen mit: Hier pflanzt ein Eichhörnchen eine Haselnuss an einem Platz seiner Wahl, dort sorgt ein Rotschwanz nach eigenem Ermessen für Holundernachwuchs. Ausländerfeindlichkeit ist dem Garten fremd. Europäer, Amerikaner und Asiaten bilden hier jederzeit Partnerschaften: Am Bahnsteig umarmt ein Eschenahorn eine Birke, im Gleis küsst eine Weichselkirsche einen Götterbaum. Im zugleich schnellen und geruhsamen, spontanen und sorgsam vorbereiteten Bauplan bleibt auch Raum für sonnige Terrassen und lauschige Aufenthaltsplätze, genauso wie Zweibeiner mit künstlichen Fellen sie gern mögen.
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Wir: behutsam teilnehmende
Zaungäste Das ehrgeizigste Gartenziel scheint der Aufbau eines neuartigen
Mischwaldes zu sein. |
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Günther Gottmann: Das neue Umfeld des Ben Wagin, Teil I |
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Ben Wagin ist immer unterwegs. Immer nur eine Weile verharrt er an den Brennpunkten der Stadt und des Landes, pflanzt einige Bäume und schafft Gebilde, die als Wegweiser verbleiben, wenn er schon längst wieder weitergezogen ist. Ben Wagins Bäume sind wie Kunstgebilde, sind nicht Selbstzweck und Ziel, bei denen man verbleibt, die man aus musealer Sammlungswut besitzt. Sie sind vielmehr Wegweiser, an denen man vorübergeht, weg-Weiser von sich auf anderes, auf eine uralte Wahrheit, ein immer wieder sträflich vergessenes, doch nie zu verdrängendes Weistum der Menschheit: "WIr sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh'." Diese Erde, diese Welt sind nicht unser Eigen, sondern unser Gasthaus, das uns nicht gehört, sondern uns eine Zeit lang aufnimmt und über diesem Geschrieben steht: "Verlassen Sie diesen Ort bitte so, wie Sie ihn vorfinden möchten!" Das ist der Sinn des Wanderns und des Wirkens von Ben Wagin: Ehrfurcht zu erfahren und Ehrfurcht zu lehren vor dem, was uns als Lehensgut für unsere Kinder anvertraut ist. Darum ist Ben Wagin mit seinen wechselnden Wirkstätten immer unterwegs und nie daheim. Aber deshalb wissen sich so viele Menschen bei ihm daheim. Und welches Umfeld und Wirkfeld hat er sich nun wieder ausgesucht? Wo ist er in den nächsten Jahren zu Gast? In einem Gelände, das durch zwei Jahrhunderte die Spannung zwischen Natur und Technik, Wachsenlassen und Gestalten deutlicher widerspiegelt als die meisten anderen Bezirke der Stadt. Dicht vor den Toren Berlins, das sich eingeengt hinter der Akzisenmauer, die es nicht überschreiten durfte, fünfstöckig auftürmte, plätscherte der Mühlbach durch grüne Wiesen und Felder, gesäumt von zahlreichen Mühlen. Der Grundriss von Berlin aus dem Jahr 1836 zeigt noch diesen
unberührten Mühlenweg, der durch die Bullenwiese führte.
In dieses offene Feld hinein zogen dann in den nächsten Jahren zwei
Entwicklungskräfte ihre Zukunftslinien: Auf der einen Seite zeichnete
um 1858 der junge Bauassessor James Hobrecht im Gefolge Lennés
großzügige Platzanlangen, durch Prachtboulevards miteinander
verbunden, den später so genannten Generalszug.
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Doch das Plateau versperrte nicht nur traditionellen Straßenbau, sondern eröffnete zugleich die Stadt für das seinerzeit modernste Verkehrsmittel, wodurch Berlin zu einer europäischen Eisenbahnmetropole wurde. Nach dem letzten Weltkrieg eroberte sich die Natur das Gelände zwischen Yorckstraße und Landwehrkanal wieder zurück und ließ durch "Spontanvegetation" und "autochtone Trümmerflora" inmitten einer Millionenstadt eine unberührte Wald- und Wiesenlandschaft entstehen, die nicht nur ein schützenswertes Naturdenkmal darstellt, sondern gleichzeitig auch ein Denkmal der politischen Situation der damals gespaltenen Stadt: Als ehemaliges Reichsbahngelände unterstand es der DDR-Reichsbahn, konnte aber, da nicht auf DDR-Gebiet befindlich, von ihr nicht genutzt werden. Doch eben wegen dieser Eigentumsverhältnisse verschloss es sich auch den emsigen West-Berliner Planierraupen, die noch 1961 den wertvollen Anhalter Bahnhof alternativlos beiseite geräumt hatten. So konnte im Einvernehmen zwischen Ost und West das inzwischen gegründete Deutsche Technikmuseum seit 1982 einen großen Teil der naturdurchwachsenen, verkehrsgeschichtlichen Anlagen als restauriertes Museumsgebäude und als umfriedeten Naturpark mit Wind- und Wassermühlen übernehmen, ausbauen, retten. Zur Hälfte ist dieses Museumskonzept realisiert, zur anderen Hälfte (ehemaliger Güterbahnhof von Franz Schwechten) wartet es noch auf den Ausbau. Und eben dort ist nun bis zu diesem Ausbau als Museumsstraße Ben Wagin zu Gast. Ben Wagin und das Technikmuseum, da haben sich zwei Freunde zusammengefunden, die die polare Spannung dieses historischen Geländes widerspiegeln: Natur und Kultur, Kultur in der befruchtenden Polarität zwischen Kunst und Technik. Und beide, Ben Wagin und das Technikmuseum, machen sich nun stark, eben diesen ehemaligen Güterbahnhof und sein Umfeld in ihrem geschichtlich gewachsenen Wert zu verteidigen. Denn das ist nun nötig. Mit dem Fall der Berliner Mauer ist halt auch der "politische" Schutzwall diese sensiblen Areals gefallen. Die Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermögens möchte dieses Gelände ohne Rücksicht auf historisch gewachsene Strukturen gewinnbringend kapitalisieren. Und so, wie seinerzeit der West-Berliner Denkmalpfleger den geschichtsfeindlichen Abriss des Anhalter Bahnhofs nicht nur zähneknirschend erduldete, sondern ihn ausdrücklich empfahl und guthieß, ebenso unhistorisch und unverantwortlich planen wieder einmal die für die Stadtplanung zuständigen Senatsbehörden und "Masterplaner" die Abräumung des letzten Restes des Anhalter Bahnhofs, nämlich eben dieses Güterbahnhofs, um dort Stadtvillen zu bauen und einen seinerzeit nie realisierten "Generalszug" nachträglich zu realisieren. Ben Wagin hat mit instinktiver Sicherheit als Ort seines Wirken in der nächsten Zeit einen der spannendsten Orte der Berliner Stadt-, Kultur-, Natur- und Museumsentwicklung gewählt. Günther Gottmann Die beiden Texte stammen aus dem Buch, |
| Link zur Seite von Ben http://www.benwagin.de/ |
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