|
23.06.00
Gleisdreieck - Garten der Kulturen der Welt
Nach dem Haus der Kulturen der Welt, nach dem Karneval
der Kulturen, nun ein Garten der Kulturen der Welt. Ein Garten, der von
vielen verschiedenen Menschen geschaffen wird, der nach und nach wächst
und gedeiht. Wer einen Garten anlegt, läßt sich ein auf den
Ort, läßt sich nieder.
Die verschiedensten in Berlin lebenden Menschen - und die, die noch in
den nächsten Jahren dazukommen werden, - haben hier die Chance, einen
Garten nach ihrem Geschmack, nach ihren Bedürfnissen einzurichten.
Einzige Verpflichtung: die Nachbarschaft der anderen Gärten zu akzeptieren
und andere am eigenen Garten teilhaben zu lassen. Türkische Gemüsegärten
und schwäbische Obstwiesen, arabische Oasen und japanische Bambuswäldchen,
afrikanische und südamerikanische Gärten, Hanfplantagen und
Weinstöcke, Kräutergärten und englischen Rasen. Wenn nur
ein kleiner Teil der in Berlin lebenden Gruppen mitmacht, bekommen wir
schon einen Park, der mit seiner Vielfalt jeden Besucher begeistern wird.
WIE ?
Wir stellen uns vor, daß der Park in Parzellen aufgeteilt wird.
Die Parzellen werden von einzelnen Gruppen bewirtschaftet. Je nach Leistungsfähigkeit
der Gruppe können die Parzellen groß oder klein sein. Die Gruppen
bestimmen völlig selbstständig, wie sie ihre Gärten gestalten,
welche Pflanzen dort wachsen, welche Tiere dort leben, ob sie ihren Garten
einfrieden, dort ein Zelt oder eine Hütte aufstellen, wie sie ihre
Feste feiern. Im Gegenzug für ihre Autonomie gehen die Gruppen zwei
Verpflichtungen ein. Erstens: an den mehrmals im Jahr stattfindenen Tagen
der Offenen Tür öffnen sie ihre Gärten für alle Besucher.
Zweitens: zusammen mit den anderen Nutzern arbeiten sie mit an der Organisation
des Park. Als Gruppen stellen wir uns vor: Hausgemeinschaften, kulturelle
Vereine, Schulklassen, Kirchengemeinden, soziale und künstlerische
Projekte, ABM-Projekte, Universitäten .............. uva.
Lediglich die Wege und technische Infrastruktur wie Licht und Wasser müßten
von Land Berlin geschaffen werden. Alles andere würde quasi von selbst
wachsen.
WANN ?
Seit nun fast zwei Jahrzehnten ist auf dem Gleisdreieck die Einrichtung
eines neuen Parks geplant. Jetzt, nach dem Ende der Bauarbeiten auf dem
Potsdamer Platz, könnte es endlich losgehen. Als ökologischer
Ausgleich für die Potsdamer Platz-Bauten sind 16 HA Grünfläche
vereinbart, das notwendige Geld - insgesamt 45 Mio. DM - wird von den
Investoren debis, Sony, und ABB eingebracht. Zum Teil liegt es schon auf
einem Konto bei der Stiftung Naturschutz bereit. Mit dem Grundstückseigentümer
des Gleisdreiecks - der Deutschen Bahn AG - hat das Land Berlin 1994 einen
Vertrag geschlossen. Darin ist vereinbart, daß die Deutsche Bahn
AG dem Land Berlin auf dem Gleisdreieck 16 HA zur Anlage des Parks verkauft.
Im Gegenzug stellte das Land Berlin der Bahn AG in Aussicht, Baurechte
im Bereich Gleisdreieck zu schaffen. Bisher haben das Land Berlin und
Bahn sich in der Frage der Baurechte noch nicht einigen können. Wir
hoffen, daß es im Laufe dieses Jahres zu einer Einigung kommt. Die
Einrichtung des Parks könnte dann sofort mit einzelnen Flächen
beginnen. Die gesamten Flächen werden erst im Jahr 2004 zur Verfügung
stehen, wenn die Arbeiten an der neuen Bahnlinie und dem Tiergartentunnel
abgeschlossen sein werden.
WO ?
Das Gleisdreieck liegt mitten in Berlin, unweit des neuen Regierungsviertels.
Östlich und westlich wird es begrenzt von dicht bebauten Quartieren
in den Bezirken Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten, im Norden durch
die neuen Bauten des Postdamer und des Leipziger Platzes. In Zukunft wird
das Gleisdreieck verbunden mit dem großen Tiergarten über die
Grünflächen des Prachtgleis und des Lenné-Dreiecks. Mit
den angrenzenden Grünflächen des Anhalter Personenbahnhofs nördlich
des Landwehrkanals und des Flaschhals südlich der Yorckstraße
ist es schon vernetzt. In den Park werden zwei große kulturelle
Einrichtungen integriert - das Tempodrom und das Deutsche Technik Museum.
Kernstück des Parks ist das Wäldchen südlich des Museums
für Verkehr und Technik auf dem ehemaligen Anhalter Güterbahnhof.
Hier ist noch die berühmte Natur der "Vierten Art" zu finden,
die seit 1945 die "eiserne Landschaft" des Bahngeländes
überwucherte. Mit Hilfe der Züge, des Wind und den Vögeln
- also ohne Zutun des Menschen - waren die Samen aus allen Teilen der
Welt hierhergelangt. Im politischen Vakuum zwischen Ost und West - das
Bahngelände lag im Westen, gehörte aber zum Osten - entwickelte
sich ein supervitales Dornröschenland, eine Art multikulturelle Gesellschaft
im Reich der Pflnzen. Noch ungefähr 5 HA des Parks sind mit dieser
Vegetation bewachsen. Auf den anderen Flächen ist durch die Baulogistik
in den letzten Jahren "Tabula Rasa" gemacht worden.
Auf diesen "Tabula-Rasa-Flächen", ca. 15 HA soll nun der
"Garten der Kulturen der Welt" entstehen. Sie liegen am östlichen
und am westlichen Rand des Geländes. In der Mitte zwischen den beiden
Parkteilen liegt das "Wäldchen" und die in Nord-Süd-Richtung
verlaufende neue Fernbahntrasse. Der östliche Rand ist von Kreuzberg
aus erreichbar, von der Horn- und von der Möckernstraße, der
westliche Rand ist von Schöneberg und Tiergarten aus erreichbar,
also von der Bülowstraße, der Dennewitz- und der Flottwellstraße
aus. Hier befindet sich auch eine kleine Laubenkolonie, die als Ur-Berliner
Element in den neuen Park integriert werden könnte.
Wenn alles gut geht, werden die beiden Parkhälften irgendwann mit
einer Fußgängerbrücke verbunden werden.
Anmerkung, 22. 02. 2002. Auf den ersten Eindruck waren
damals viele von der Idee begeistert. Doch als die AG Gleisdreieck das
Thema vertiefte, entstanden Fragen, wie ist das mit Zäunen, die notwendig
sind um Gärten zu schützen ? Darf der zukünftige Park parzelliert
und damit Teile privatisiert werden. Es wurde klar, dass noch viele gedankliche
und praktische Hürden zu nehmen sind, bis so etwas realisert werden
kann.Gleichzeitig war klar, dass der Park selbst noch in weiter Ferne
liegt ...
Als dann die VIVICO ihre Bebauungskonzepte auf den Tisch legte, hatte
die AG Gleisadreieck wieder ein anderes Thema ...
|